Themenüberblick

Neuer König, alte Herausforderungen

Als sonderlich redegewandt und schlagfertig gilt Begiens neuer König Philippe nicht. In seiner neuen Rolle kommt ihm dabei etwas zugute: Philippe darf als König nicht öffentlich die Tagespolitik kommentieren und keine Interviews geben.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

In der parlamentarischen Monarchie muss er vor allem repräsentieren. Dabei kann sich Philippe in Ansprachen an das Volk wenden, etwa am Nationalfeiertag. „Seine Handlungen, vor allem im politischen Bereich, sind wenig sichtbar und immer diskret“, heißt es auf der offiziellen Seite der belgischen Regierung zur Rolle des Königs.

Bei öffentlichen Auftritten wirkt Philippe oft schüchtern und ein wenig unbeholfen. Dabei hat er sich als Kronprinz seit Jahrzehnten auf die Regentschaft vorbereitet. In den vergangenen Jahren hat Philippe unzählige belgische Handelsmissionen begleitet und im Ausland für belgische Firmen geworben. Über all die Jahre hinweg hat er stets darauf beharrt: „Ich werde bereit sein.“

Frau Mathilde als wichtige Stütze

Bisher erwarb er Meriten vor allem beim Militär und als Brückenbauer für die belgische Wirtschaft. Philippe wurde als Jagdpilot und Kommandosoldat ausgebildet. Bei mehreren Dutzend Reisen in alle Welt führte er belgische Wirtschaftsdelegationen an. Nach dem Geschmack vieler Flamen ließ sein diplomatisches Geschick in der Vergangenheit jedoch manchmal zu wünschen übrig. Ein Tabu schien gebrochen, als Philippe Unabhängigkeitsbestrebungen in Flandern kritisierte: Das Gebot der politischen Neutralität sei verletzt, hieß es.

Eine wichtige Stütze ist Philippe dabei seine 40-jährige Frau Mathilde, die er 1999 heiratete. Auf Familienfotos mit den vier Kindern zieht die strahlende Frau an seiner Seite die Blicke auf sich. Belgische Medien beschreiben Mathilde als charmant und offen. Gemäß ihrer Rolle engagiert sie sich für soziale Projekte. Philippe gilt als fleißig. Er hat Politik an Elitehochschulen studiert, ist Kampfpilot, Umweltschützer und Langstreckenläufer. Seine älteste elfjährige Tochter Elisabeth soll eines Tages die erste Regentin Belgiens werden.

Wenig Macht, aber Rolle als Vermittler

Als Nachfolger seines jovialen, humorvollen Vaters Albert muss Philippe sich den Rückhalt seines Volkes erst erkämpfen. Insbesondere in Flandern gibt es viele Kritiker. Eine erste Bewährungsprobe steht bei den Parlamentswahlen in zehn Monaten an, die oft unsichere Mehrheiten zum Ergebnis haben. Der belgische Regent hat zwar wenig Macht, spielt aber als Vermittler bei der Regierungsbildung eine wichtige Rolle in dem kulturell und sprachlich tief gespaltenen Land.

Link: