Öffentliche Debatte kritisiert
Die verstaatlichte Krisenbank Hypo Alpe-Adria braucht einen neuen Chef. Mitten in der Diskussion über weitere Staatshilfen und den EU-Abwicklungsplan für das schwer angeschlagene Finanzinstitut legte der seit 2010 amtierende Gottwald Kranebitter am Dienstag sein Amt nieder. Erst seit März hatte er einen neuen Dreijahresvertrag in der Tasche.
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In einem offenen Brief an die Mitarbeiter begründete er den Schritt mit der hitzigen öffentlichen Debatte über mögliche weitere Milliardenverluste, die auf die Bank durch den von der EU verlangten raschen Verkauf ihrer Töchter zukommen könnten. Ohne Politiker oder gar Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) beim Namen zu nennen, kritisierte er die seit Monaten laufende Debatte über die Bank und ihre Sanierungskur.
„Sanierungsarbeit in wenigen Wochen beschädigt“
Seit dem heurigen März wurden öffentlich Schließungsszenarien für die seit Ende 2009 notverstaatlichte Krisenbank debattiert. Das und „undifferenzierte Kostenspekulationen“ hätten „massiven Schaden verursacht und leider in wenigen Wochen große Teile der Sanierungsarbeit der vergangenen drei Jahre beschädigt“, schreibt Kranebitter in seinem am Dienstag veröffentlichten offenen Brief. Fekter etwa hatte im Mai von der Hypo Alpe-Adria von einem „Fass ohne Boden gesprochen“. Das erwähnte Kranebitter allerdings in seinem Brief nicht.
Damit, so Kranebitters offener Brief weiter, sei auch die wirtschaftliche Situation gesunder Bankteile in Mitleidenschaft gezogen worden. Diese Entwicklungen machten es ihm „unmöglich, weiterhin als Vorstandsvorsitzender meinen Ansprüchen zu folgen und meine Aufgabe unter diesen Rahmenbedingungen weiterzuführen“. Deshalb habe er sich entschlossen, sein Mandat als Vorstandschef zurückzulegen. Auf Wunsch des Aufsichtsratspräsidiums bleibe er bis zur Aufstellung der Halbjahresbilanz.
„Schmerzliche Einschränkungen“ kritisiert
Sein Anspruch sei es gewesen, den haftungsbedingt drohenden Schaden zu minimieren und möglichst großen Teilen der Bank restrukturiert und privatisiert eine Zukunftschance zu geben. Trotz Widrigkeiten habe man das Risiko um acht Mrd. Euro reduziert. Darüber hinausgehende Sanierungswünsche hätten sich nicht realisiert, noch nicht, so der scheidende Bankchef.
Das müsse er zur Kenntnis nehmen. Ebenso, dass die EU-Wettbewerbshüter als Kompensation für Wettbewerbsverzerrungen schmerzliche Geschäftseinschränkungen und den Verkauf von Banken unter Druck verlangten, „selbst wenn dadurch massive Verluste realisiert werden, die vermeidbar gewesen wären“, so Kranebitter.
Fekter von Journalisten über Rücktritt informiert
Zum Verlustausgleich im Zuge der beschleunigten Abwicklung im neuen Restrukturierungskonzept braucht die Bank schon bis August - also zur Halbjahresbilanz - neue Staatshilfe. Das hatte die Bank erst am Montag angekündigt. Einen Tag später folgte die Demissionsankündigung des Bankchefs.
Fekter wurde allerdings im Vorfeld von Kranebitters Schritt offenbar nicht informiert. Dieser gab seinen Rücktritt unmittelbar vor dem Ministerrat am Dienstagvormittag bekannt. Fekter erfuhr davon erst von den dort wartenden Journalisten. „Zu mir als Eigentümerin ist das noch nicht gedrungen“, sagte die Finanzministerin diesbezüglich und erklärte, den Rücktritt Kranebitters nur aus Gerüchten zu kennen. Zwar sei ihr die „Amtsmüdigkeit“ Kranebitters bekannt gewesen, so Fekter später im Ö1-Mittagsjournal, nicht aber der konkrete Zeitpunkt. Die Gründe für Kranebitters „Amtsmüdigkeit“ könne sie nicht beurteilen - mehr dazu in oe1.ORF.at.
Liebscher: Unstimmigkeiten mit der Politik
Mit Kranebitter verliert die Bank den zweiten Topmanager innerhalb weniger Wochen: Erst Anfang Juni hatte der frühere Notenbank-Gouverneur Klaus Liebscher das Amt des Hypo-Aufsichtsratschefs von seinem Vorgänger Johannes Ditz übernommen. Ditz war zurückgetreten, weil er unzufrieden mit dem Abbauplan für die Bank war.
Der eben erst nach dem Rücktritt seines Vorgängers Ditz zum Hypo-Aufsichtsratschef gewordene Klaus Liebscher wollte im Ö1-Mittagsjournal am Dienstag wenig zu den Beweggründen von Kranebitter und dessen Rücktritt sagen. Kranebitter und Ditz müsste man selbst fragen, so Liebscher. „Aber ich habe registriert, dass es gewisse unterschiedliche Ansichten im strategischen Ansatz gibt, was den Umstrukturierungsplan betrifft“, spielte Liebscher auf Kranebitters Arbeitsverhältnis zu Fekter an.
Das dürfte aus Liebschers Sicht auch der „maßgebliche Grund der beiden Rücktritte gewesen sein“. Ob Kranebitter aus Frust darüber zurücktritt, dass er mit seinen Konzepten angeblich zu wenig Gehör bei Fekter gefunden habe, wollte Liebscher „nicht beurteilen“. Dass das Thema Abbaueinheit „beide seit längerem bewegt, ist mir bewusst“ - mehr dazu in oe1.ORF.at.
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