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Speicherung für 30 Tage

Der britische Geheimdienst Government Communications Headquarters (GCHQ) zapft nach einem Bericht der Zeitung „Guardian“ Telefon- und Internetkabel an und gibt große Mengen von persönlichen Informationen an die US-Behörde NSA weiter. Die Aktion mit dem Namen „Tempora“ laufe seit etwa eineinhalb Jahren.

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Demnach haben sich die britischen Geheimdienstler direkten Zugang zu jenen Glasfaserkabeln verschafft, über die der transatlantische Datenverkehr läuft. Dabei werden von den Kabeln auf britischem Boden nicht nur die Daten von Briten abgezweigt, sondern aller Internetnutzer weltweit - darunter vermutlich auch Daten von zahlreichen Österreichern.

Die Informationen dürften bis zu einem Monat lang ausgewertet und gespeichert werden. „Tempora“ besteht demnach aus zwei Teilen: „Mastering the Internet“ (Das Internet beherrschen) und „Global Telecoms Exploitation“ (Globale Telekomverwertung). Die Ziele der Programme ließen sich schon aus den Bezeichnungen ablesen, so die Zeitung.

„Schlimmer als die USA“

Der „Guardian“ beruft sich auf Dokumente, die der Zeitung vom früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden zugespielt wurden. „Sie sind schlimmer als die USA“, wird Snowden zitiert. Von Verdächtigen könnten Telefonanrufe, Inhalte von E-Mails, Facebook-Einträge und der Verlauf der Internetnutzung gezielt abgerufen werden, ausgespäht würden aber auch völlig unbescholtene Bürger. Demnach sind die Aktionen auch völlig unbekannt.

Laut den Dokumenten soll GCHQ im vergangenen Jahr pro Tag 600 Millionen „Telefonevents“ behandelt und Zugang zu 200 Glaskabeln gehabt haben. Von zumindest 46 Kabeln soll der britische Geheimdienst auch Daten abgezapft haben. Jedes dieser Kabel transportiert zehn Gigabits an Daten pro Sekunde.

Einer von drei Geheimdiensten

Großbritannien hat drei Geheimdienste: den für das Inland zuständigen MI5, den Auslandsgeheimdienst MI6 und das für sämtliche technischen Bereiche zuständige GCHQ. Die Ursprünge des GCHQ liegen im Ersten Weltkrieg. Im Zweiten Weltkrieg spielten die dort entwickelten Entschlüsselungstechniken eine große Rolle. Heute ist das GHCQ vor allem mit der Erfassung und Auswertung von Daten und mit technischen Spionagemethoden befasst. Der Dienst hat nach eigenen Angaben rund 5.500 Mitarbeiter. Der Hauptsitz ist im englischen Cheltenham.

Firmen wurden für Aufwand bezahlt

Dem Bericht zufolge erfolgt die Spähaktion mit Hilfe von vorerst ungenannten Firmen. Sie seien per Gerichtsbeschluss zur Zusammenarbeit gezwungen worden und müssten die Anordnungen geheim halten. Laut „Guardian“ sollen einige Firmen für ihren Aufwand auch Geld erhalten haben. Außenminister William Hague sagte kürzlich, der GCHQ halte sich bei der Auswertung von Spähaktionen immer an britisches Recht. Über eine Zusammenarbeit mit US-Geheimdiensten machte er keine Angaben.

Gegenüber dem „Guardian“ sagte eine ungenannte Quelle aus britischen Sicherheitskreisen, dass die Daten legal gesammelt würden. Sie sollen auch bei der Aufklärung und Verhinderung schwerer Straftaten geholfen haben. Demnach haben die Beauftragten nach den Kriterien Sicherheit, Terror, organisiertes Verbrechen und wirtschaftliches Wohlergehen nach der Nadel im Heuhaufen gesucht. Die Millionen täglicher E-Mails seien dabei nicht gelesen worden, vielmehr ausgesuchte Inhalte.

GCHQ lehnte Kommentar ab

Der britische Geheimdienst arbeitet seit Jahrzehnten mit der NSA eng zusammen. Beide Behörden kooperieren zudem mit Geheimdiensten in Kanada, Australien und Neuseeland. Die Enthüllung dürfte den Druck auf die britische Regierung erhöhen, zu erklären, wie sie Daten sammelt und nutzt. Ein GCHQ-Sprecher lehnte einen Kommentar ab.

Laut Bericht sollen erste Tests für für „Tempora“ bereits 2008 durchgeführt worden sein. Im Mai 2012 sollen demnach 300 Datenanalysten von GCHQ und 250 NSA-Mitarbeiter direkten Zugang zu den Daten erhalten haben. Insgesamt sollen 850.000 Mitarbeiter der NSA und ihrer Subfirmen Zugang zu den Daten haben.

Snowden hatte in diesem Monat weltweit für Aufregung gesorgt, weil er dem „Guardian“ und der „Washington Post“ Informationen über ein US-Spähprogramm namens „Prism“ zuspielte. Dabei werden mit Hilfe von Internetkonzernen wie Google, Facebook und Microsoft große Mengen von Daten ausgewertet. Snowden ist in Hongkong untergetaucht. Er wurde am Freitag in den USA offiziell der Spionage beschuldigt. Laut unbestätigten Quellen sollen die USA auch einen Auslieferungsantrag vorbereiten.

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