Nachahmungstat oder Terrorismus?
Ein Unbekannter hat am Samstag in Paris einen französischen Soldaten mit einem Messer angegriffen. Der Soldat, der in Uniform im Viertel La Defense im Westen der französischen Hauptstadt patrouilliert hatte, wurde im Nacken verletzt, wie aus Polizeikreisen verlautete.
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Staatschef Francois Hollande sagte, derzeit gebe es keinen Hinweis auf einen unmittelbaren Zusammenhang mit der Ermordung eines britischen Soldaten in London am Mittwoch durch zwei mutmaßliche Islamisten. Die genauen Umstände der Messerattacke seien noch nicht bekannt, sagte Hollande im äthiopischen Addis Abeba, wo er sich anlässlich des 50. Jahrestags der Gründung der Afrikanischen Union aufhielt. Man müsse aber allen Hypothesen nachgehen, so Hollande.
„Kampf gegen den Terrorismus“ fortsetzen
Das Verteidigungsministerium geht unterdessen davon aus, dass der Unbekannte sein Opfer töten wollte. „Man hat einen Soldaten töten wollen, weil er ein Soldat ist“, sagte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Samstag nach einem Besuch des Verletzten in Paris. Le Drian versicherte zugleich, er und Innenminister Manuel Valls würden den „unerbittlichen Kampf gegen den Terrorismus“ fortsetzen. Der Zustand des im Nacken verletzten Soldaten sei „beruhigend“, sagte Le Drian weiter. Er habe viel Blut verloren, schwebe aber nicht in Lebensgefahr.
Der 23-jährige Soldat gehörte einer dreiköpfigen gemischten Militär-Polizei-Patrouille an, wie sie der französische Anti-Terror-Plan Vigipirate vorsieht. Gegen 17.50 Uhr wurde der Mann im Bereich des Untergrundbahnhofs von La Defense laut Staatsanwaltschaft mit einer „Stichwaffe“ attackiert. Um welche Art von Messer es sich handelte, blieb zunächst unklar, womöglich nutzte der Täter ein Teppichmesser, auch von einem Cutter war die Rede.
Mit Überwachungskamera aufgezeichnet
Innenminister Valls verwies auf Parallelen zum Fall in London, warnte aber vor voreiligen Schlüssen. „Es wird gerade alles daran gesetzt, den Täter zu fassen.“ Ein Sprecher der Polizeigewerkschaft sagte, der Angreifer sei von einer Überwachungskamera aufgezeichnet worden.

APA/AP/Remy de la Mauviniere
Der Tatort im Pariser Vorort La Defense wurde abgesperrt
Angreifer flüchtig
Die Identität des Angreifers, der flüchtig ist, sei noch unbekannt. Es würden jedoch alle Hinweise verfolgt. Nach ersten noch unbestätigten Ermittlungsergebnissen war der Angreifer etwa 1,90 Meter groß, Bartträger und mit einem schwarzen Pullover und einer schwarzen Hose bekleidet. Der Staatsanwalt von Nanterre, Robert Gelli, teilte mit, der Fall werde von Anti-Terror-Ermittlern der Pariser Staatsanwaltschaft übernommen. Die Ermittler werteten am Sonntag das Material mehrerer Videokameras in der Umgebung des Tatorts aus.
Ähnlicher Vorfall in London
Am Mittwochnachmittag war der 25-jährige Soldat Lee Rigby im Londoner Stadtteil Woolwich vor einer Kaserne auf offener Straße brutal ermordet worden. Der mutmaßliche Täter Michael A. sagte anschließend Passanten, er habe den Soldaten als Vergeltung für die Tötung von Muslimen ermordet. A. und sein ebenfalls nigerianisch stämmiger mutmaßlicher Komplize wurden von der Polizei angeschossen und festgenommen. Der britische Premierminister David Cameron sprach von einer terroristischen Handlung.
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