Rücktritt von „Mr. Osteuropa“
Herbert Stepic, Raiffeisens „Mr. Osteuropa“ und einer der profiliertesten Banker des Landes, hat nach Turbulenzen um einen Immobiliendeal in Asien seinen Hut nehmen müssen. Der langjährige Generaldirektor der Raiffeisen Bank International (RBI), ein Osteuropa-Pionier der ersten Stunde in der österreichischen Bankenlandschaft, galt als „Turbo“ für die Auslandsexpansion der Raiffeisen Zentralbank (RZB).
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2006 wurde er zum europäischen Banker des Jahres gekürt. Gestolpert ist der Manager nun über den Ankauf von drei Wohnungen in Singapur über zwei Offshore-Firmen. Ab 2010 war Stepic Vorstandsvorsitzender der RBI, die aus der RZB und der damaligen Osteuropa-Bank Raiffeisen International (RI) entstanden war. Die RI, deren Vorstandsvorsitzender er seit 2001 war, hatte Stepic 2005 erfolgreich an die Börse gebracht.
Die Ost- und Südosteuropa-Expansion ist das „Lebenswerk“ des Bankers, von dem er sich nun verabschiedet. Nicht nur durch seine zahlreichen Aufenthalte in allen Ländern Zentral- und Osteuropas mit Kontakten zu den höchsten wirtschaftlichen und politischen Machthabern dieser Länder gilt er seit mehr als 20 Jahren als „Turbo“ für die Auslandsexpansion. Den Grundstein für das weitreichende Netzwerk legte er schon lange vor dem Fall des Eisernen Vorhangs.
Seit 1973 bei Raiffeisen
Stepic, am 31. Dezember 1946 in Wien geboren, trat nach Studium und Promotion zum Doktor der Handelswissenschaften und nach einem Jahr in der Privatindustrie 1973 in die RZB - damals Genossenschaftliche Zentralbank AG (GZB) - ein. In den ersten Jahren baute er die Abteilung für Außenhandel der GZB auf und war gleichzeitig Geschäftsführer des internationalen Handelshauses und GZB-Tochtergesellschaft F. J. Elsner.
Osteuropa-Expansion begann in Ungarn
Ab 1978 entwickelte Stepic das internationale Korrespondenzbanken-Netzwerk der GZB und trug damit wesentlich zur Internationalisierung der Bank bei. Zum Mitglied des Vorstandes der GZB, die 1989 in RZB umbenannt wurde, wurde Stepic 1987. Ab diesem Zeitpunkt widmete er sich schwerpunktmäßig dem Aufbau des Osteuropa-Netzwerkes, das 1986 in Ungarn seinen Anfang nahm. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit die Raiffeisen International, die in die Raiffeisen Bank International mündete. 1995 wurde Stepic zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der RZB sowie 2001 zum Vorstandsvorsitzenden der Raiffeisen International bestellt.
Abseits der Bankgeschäfte gilt seine Leidenschaft der afrikanischen Kunst. Im Jahr 2011 wurden rund 200 Exponate seiner rund 400 Objekte umfassenden Sammlung afrikanischer Stammeskunst im Bank Austria Kunstforum der Öffentlichkeit präsentiert. Für Stepic, der die Schau als Privatmann organisierte, „eine Herzensangelegenheit“, wie er damals sagte.
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