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„Geld in Österreich versteuert“

Paukenschlag im Zuge der „Offshore-Leaks“-Affäre: Der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenbank International (RBI), Herbert Stepic, kündigte am Freitag überraschend seinen Rücktritt an. Stepic war in die Kritik geraten, weil er drei Wohnungen in Singapur über zwei Offshore-Firmen gekauft und den Deal nicht seinen Gremien mitgeteilt hatte.

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Bei einer eilig anberaumten Pressekonferenz verteidigte er am Freitag wiederholt die Vorgehensweise. Es handle sich bei den beiden eingeschalteten Firmen nicht um Offshore-Konstruktionen, beteuerte er. „Aus Verantwortung und Verbindung zu meiner Organisation biete ich aber alle meine Funktionen an - unter Umständen, die ich mir anders vorgestellt hatte, aber im Bewusstsein, das Beste gegeben zu haben“, sagte Stepic vor Journalisten in Wien.

Stepic sagte zu den beiden Offshore-Firmen, die in seinen Augen allerdings keine sind, knapp, dass es sich bei diesen „um private Veranlagungen der Jahre 2006 und 2008“ handle. „Die aktuellen Fragen dazu resultieren aus Informationen aus dem Offshore-Leaks-Pool“, sagte der scheidende RBI-Chef. „Die Investitionen sind erstens aus in Österreich versteuerten Geldern und Einkünften erfolgt, und zweitens handelt es sich um Invests in echte Immobilien in Fernost.“

Kein Schaden für „Lebenswerk“

Trotzdem will Stepic „einen Imageschaden für die ganze Raiffeisen-Gruppe verhindern“ und teilte RBI-Aufsichtsratschef Walter Rothensteiner daher mit, dass er seine Funktion als RBI-Vorstandschef zur Verfügung stellt. Der Rückzug sei Stepics „Beitrag dazu, dass das, was ich als mein Lebenswerk erachte, nicht in einer emotionalen Diskussion nachhaltigen Schaden nimmt“. Das sei er sich selbst und Raiffeisen schuldig, so der Noch-Vorstandschef, dessen Nachfolger noch unklar ist.

Raiffeisen Bank International-Chef Herbert Stepic

APA/Georg Hochmuth

Seit 30 Jahren habe er mindestens einen „14-Stunden-Arbeitstag“, so Stepic

Er sei schließlich ein „Oldtimer“ bei Raiffeisen, „seit 40 Jahren in der Organisation, den Werten verbunden“ und habe gestalten dürfen. „Damit bin ich groß geworden“, sagte Stepic, der „mit großer Dankbarkeit und stolz auf Erreichtes“ zurückblickt. Er gehe, weil er wisse, wie emotional nun debattiert werde, und er Schaden „aus Verantwortung zu Raiffeisen“ verhindern wolle. Nach seiner Stellungnahme verließ er ohne die Möglichkeit für Journalisten, Fragen zu stellen, den Raum.

Aufsichtsrat nimmt Rücktritt an

Der RBI-Aufsichtsrat „anerkennt diesen Schritt (Rücktritt, Anm.) Stepics als Zeichen der großen Verbundenheit mit dem Unternehmen“, hieß es in einer Aussendung. Man wolle „umgehend“ weitere Schritte beraten. Ein Raiffeisen-Sprecher sagte, „in den nächsten Tagen“ werde über die Nachfolge entschieden. Stepic sei es „hoch anzurechnen, dass er mit dieser schwierigen Entscheidung Bereitschaft zeigt, Reputationsschäden abzuwenden“, hieß es von den Mitgliedern des RBI-Aufsichtsratspräsidiums, bestehend aus Rothensteiner, Stellvertreter Erwin Hameseder, Heinrich Schaller und Markus Mair.

Nach APA-Informationen soll der Personalausschuss zur Findung eines Nachfolgers am Montag tagen und dem Aufsichtsrat des Unternehmens einen Vorschlag für die Nachbesetzung vorlegen. Der Aufsichtsrat beschließt auf dieser Basis die Postenbesetzung.

Ins Rollen brachte den Fall die Enthüllungen dubioser Finanztransaktionen von rund 130.000 Vermögenden weltweit mit Hilfe des „Offshore-Leaks“-Datensatzes, den Medien aus rund 50 Ländern auswerten. Den Berichten zufolge taucht Stepics Name als wirtschaftlich Berechtigter der Briefkastenfirmen Yatsenko International Limited (Britische Jungferninseln) und Takego Holdings Limited (Hongkong) in den „Offshore-Leaks“-Daten auf.

Deal in Serbien für FMA korrekt

Für Stepic war es auch nicht der erste Deal mit einer schiefen Optik. Ebenfalls diese Woche wurde bekannt, dass die FMA ihre Prüfung seines Immodeals in Serbien beendet habe. Die FMA leitete kein formelles Verfahren ein, er konnte daher seinen Job als CEO weiter ausüben. Ins Visier der FMA war Stepic wegen der Finanzierung eines privaten Immobiliendeals in Serbien geraten, den der Banker - bzw. sein Treuhänder - mit anderen Investoren über die Kärntner Hypo Alpe-Adria gemacht hatte.

Dabei hatte es eine ungewöhnliche Wertsteigerung des Objektes gegeben. Aber Stepic konnte der FMA nachweisen, dass er aus der Finanzierung ausgestiegen sei. Hypointern laufen laut „Standard“ die Ermittlungen weiter.

Seit zwölf Jahren an RBI-Spitze

Der 66-jährige Stepic ist einer der bekanntesten Bankmanager des Landes. Er hatte in den vergangenen Jahrzehnten die Osteuropa-Geschäfte der Raiffeisen-Gruppe sukzessive ausgebaut und die Bank zu einem der größten Kreditgeber der Region gemacht. Stepic ist seit 2001 Chef der damals noch unter Raiffeisen International firmierenden Bank. Sein Vertrag wäre noch bis Ende 2015 gelaufen.

Aktien mit Knick

Die RBI-Aktien gaben als Reaktion auf den Rücktritt kurzfristig um bis zu 3,3 Prozent nach. Der für die RBI zuständige Analyst der Erste Group, Günther Hohberger, sagte, er habe eine noch stärkere Marktreaktion erwartet. Aktuell notierten die RBI-Scheine nur noch um 1,4 Prozent tiefer. Die Nachricht sei überraschend gekommen, so der Aktienanalyst.

Im Schatten der Schlagzeilen rund um den Stepic-Rücktritt wird der börsennotierte Bankkonzern nächsten Dienstag die Ergebnisse aus dem ersten Quartal 2013 bekanntgeben. Auch da drohen den Analysten zufolge negative Nachrichten. RBI hat laut Konsensus-Schätzung nicht mit dem ersten Quartal 2012 mithalten können und einen massiven Gewinneinbruch erlitten.

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