Europaweiter Trend
Ganztägige Schulformen sind in Europa mittlerweile an der Tagesordnung. Das zeigte im November eine Aufstellung der Datenbank Eurypedia. Mittlerweile gibt es kein Land mehr, das nur noch auf die Halbtagsschule setzt - entweder sind ganztägige Schulformen flächendeckend implementiert oder zumindest teilweise.
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Als bisher letzte Staaten haben demnach Österreich, Deutschland und Griechenland ihre Systeme umgewandelt und werden nun als „teilweise ganztägig“ geführt. „Ganztägig“ sind laut Eurypedia jene Schulsysteme, die grundsätzlich Unterricht und Betreuung sowohl vormittags als auch nachmittags ausweisen. Darunter fallen Belgien, Finnland, Großbritannien, Irland, Island, Malta, die Niederlande, Norwegen, Portugal, Schweden, Spanien und Tschechien.
Spezialfall Frankreich
Als „teilweise ganztägig“ werden jene Schulsysteme bezeichnet, die erhebliche Anteile an solchen über den Tag verteilten Zeiten ausweisen, auch wenn das nicht flächendeckend passiert. Darunter fallen Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Griechenland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Polen, Rumänien, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Ungarn und Zypern.
Einen Sonderfall stellt Frankreich dar, das (wegen der lokalen Autonomie in Schulzeitfragen) als „meist ganztägig“ gewertet wird. In der oft als Musterland der Ganztagsschule betrachteten „Grande Nation“ plant Präsident Francois Hollande (auch aus Kostengründen) derzeit eine Verkürzung der Schultage und schwimmt damit gegen den europäischen Trend.
Angebote für Nachmittag in jedem Land
Prinzipiell gibt es kein Land, in dem nicht in irgendeiner Weise (Nachmittagsunterricht, Nachmittagsbetreuung etc.) ganztägige Angebote vorhanden sind. Eine genaue Einordnung ist aber oft schwierig: Bisweilen existieren auch innerhalb der Staaten Unterschiede zwischen einzelnen Regionen, zwischen Schultypen und Schulstufen sowie in der Art der Angebote und Aktivitäten. Keine Unterscheidung trifft die Aufstellung darüber, in welchen Ländern die „echte“ Ganztagsschule in verschränkter Form mit einem ganztägigen Wechsel von Unterricht und Freizeit vorherrschend ist.
Hohe Hürden für echte Ganztagsschule
In Österreich gibt es derzeit für die Führung einer „echten“ Ganztagsschule - also mit einem mehrmaligen Wechsel von Unterrichts-, Lern- und Freizeit am Tag („verschränkte“ Form) bzw. von einzelnen Klassen in dieser Form - noch hohe Hürden. Laut Schulorganisationsgesetz müssen dafür alle Schüler einer Klasse für den Betreuungsteil während der ganzen Woche angemeldet sein, außerdem müssen die Erziehungsberechtigten von zwei Dritteln der betroffenen Schüler sowie zwei Drittel der betroffenen Lehrer einverstanden sein.
Kommt es derzeit nicht zur nötigen Zustimmung der Eltern bzw. Lehrer, sind Unterrichts- und Betreuungsteil zu trennen - also Unterricht am Vormittag und reine Betreuung am Nachmittag. In dieser Form ist es etwa möglich, dass manche Schüler nur an einzelnen Tagen der Woche die Betreuung in Anspruch nehmen bzw. Schüler verschiedener Klassen am Nachmittag zu Gruppen zusammengefasst werden.
Entscheidung nicht bei Eltern oder Lehrern
Diese Variante kann übrigens nicht blockiert werden: Die Entscheidung, welche öffentliche Volks-, Haupt-, Polytechnische und Neue Mittelschulen überhaupt ganztägig geführt werden, trifft der jeweilige Schulerhalter (im Regelfall die Gemeinde) und bedarf der Bewilligung der Landesregierung nach Anhörung des Landesschulrats. Eltern und Lehrer haben hier nur ein Anhörungsrecht.
„Unter Bedachtnahme auf die räumlichen Voraussetzungen“ und andere regionale Betreuungsangebote wie etwa Horte ist laut Gesetz eine klassen-, schulstufen- oder schul- und schulartenübergreifende Tagesbetreuung jedenfalls ab 15 angemeldeten Schülern zu führen, in bestimmten Fällen ab zwölf Schülern. Im Bereich der AHS-Unterstufe sind die Erziehungsberechtigten lediglich zu informieren.
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