„Nur noch“ um zehn Prozent gewachsen
Chinas Exportwachstum hat sich im März mehr als halbiert. Die Ausfuhren legten nur noch um 10,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, teilte die Zollbehörde am Mittwoch in Peking mit. Befragte Ökonomen hatten mit einem Plus von 10,5 Prozent gerechnet, nachdem die Exporte im Februar noch um 21,8 und im Jänner sogar um 25,0 Prozent gestiegen waren.
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Dem Exportweltmeister machen vor allem die Schuldenkrise in Europa und die schleppende Erholung in den USA zu schaffen. Dort schrumpfte die Nachfrage nach Produkten „made in China“. Dagegen legten die Importe überraschend deutlich zu, was als Signal für eine kräftigere Binnennachfrage gilt. Sie erhöhten sich um 14,1 Prozent, während Ökonomen nur ein Plus von 5,2 Prozent erwartet hatten.
Die Handelsbilanz - die Differenz zwischen Aus- und Einfuhren - wies dadurch ein Defizit von 884 Mio. Dollar (677,9 Mio. Euro) auf. Noch im Februar hatte es einen Überschuss von 15,4 Milliarden Dollar gegeben. „Wenn die Binnennachfrage stärker ausfällt als erwartet, so ist das definitiv positiv für den Konjunkturausblick“, sagte Ökonom Haibin Zhu von JPMorgan in Hongkong.
Größte Handelsnation der Welt
China ist laut Informationen der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg zur größten Handelsnation weltweit aufgestiegen. Erstmals seit Jahrzehnten stehen damit nicht mehr die USA an der Spitze der größten Handelsnationen, wie Bloomberg Anfang Februar berichtete.
In den USA wurden 2012 demnach Waren und Dienstleistungen im Wert von 3,82 Billionen Dollar (knapp 2,9 Billionen Euro) ein- und ausgeführt, wie das US-Handelsministerium bekanntgab. Chinas Importe und Exporte beliefen sich im Vorjahr hingegen auf 3,87 Billionen Dollar. Während die USA ein Handelsdefizit von mehreren hundert Milliarden Dollar verzeichnen, hatte die Volksrepublik einen Überschuss von 231 Milliarden Dollar (173 Mrd. Euro).
Bald wichtiger als europäische Handelspartner?
Die Bedeutung Chinas als Handelspartner wird damit für westliche Nationen immer größer: Goldman-Sachs-Fondsmanager Jim O’Neill rechnet damit, dass europäische Länder wie Deutschland mit Ende des Jahrzehnts bereits doppelt so viel nach China exportieren werden wie etwa in eigene Nachbarstaaten wie Frankreich. „China wird mit großer Geschwindigkeit zum wichtigsten bilateralen Handelspartner für viele Länder weltweit“, so O’Neill. Zwar geht das Tempo von Chinas Wachstum seit mehreren Jahren zurück - im vergangenen Jahr wuchs die chinesische Wirtschaft um 7,8 Prozent, im Jahr 2010 war die Wirtschaft noch um 10,4, im Jahr 2011 um 9,3 Prozent gewachsen.
Die USA sind nichtsdestotrotz nach Angaben der Weltbank mit großem Vorsprung die größte Volkswirtschaft weltweit. So betrug das Bruttoinlandsprodukt, also der Gesamtwert aller Güter, die innerhalb der Landesgrenzen hergestellt wurden, in den USA 2011 15 Billionen Dollar (etwa elf Billionen Euro) - und in China 7,3 Billionen Dollar (fünf Billionen Euro). „Es ist bemerkenswert, dass eine Wirtschaftsnation mit einem Bruchteil der Größe der USA ein größeres Handelsvolumen hat“, sagte Nicholas Lardy vom Peterson Institute for International Economics in Washington gegenüber Bloomberg.
Hauptexporte: Elektronik und Bekleidung
Schon seit 2009 ist China der weltgrößte Exporteur, während die USA weiterhin die Nummer eins bei den Importen sind. Die wichtigsten Exportgüter Chinas sind nach Angaben des deutschen Auswärtigen Amts: elektronische Erzeugnisse, Textilien und Bekleidung, Elektrotechnik, Maschinen und chemische Erzeugnisse. Die EU ist Chinas größter Abnehmer, gefolgt von den USA, Hongkong und Japan. Laut O’Neill zeigen die Zahlen jedenfalls die Notwendigkeit, China stärker in die globale Finanz- und Handelsarchitektur einzubeziehen. Alles andere sei schlicht „dumm“, so O’Neill.
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