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Auf der Suche nach frischem Kapital

Der chinesische Solarriese Suntech Power hat Insolvenz angemeldet und strebt nun eine Reorganisation an. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch. Das Unternehmen war durch Überkapazitäten und den Preisverfall auf dem Markt für Sonnenkollektoren in Schieflage geraten. Auch der deutsche Hersteller Solarworld schwächelt - vor allem wegen der Dumpingpreise aus China.

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Suntech Power gehört zu den zwei weltweit größten Herstellern von Sonnenkollektoren. Das private, in New York börsennotierte Unternehmen mit Sitz in Wuxi in der ostchinesischen Provinz Jiangsu konnte eine am 15. März fällige Anleihe in der Höhe von 541 Millionen Dollar (418 Mio. Euro) nicht fristgerecht bezahlen, wie Anfang der Woche bekanntwurde. Nach der Mitteilung rutschten die Aktien um 50 Prozent auf ein Rekordtief von 0,24 Euro.

Suntech-Firmensitz

Reuters

Suntech Power mit Firmensitz in Wuxi in der ostchinesischen Provinz Jiangsu

Suntech-Chef spricht von Neupositionierung

Ein kleiner Trost für den Solarkonzern: 60 Prozent der Anleiheeigner wollen vorerst auf rechtliche Schritte verzichten. Inzwischen unternimmt die Suntech-Geschäftsführung das Nötigste im Krisenmanagement: Es werden Produktionskosten reduziert, Lieferverträge neu verhandelt und frisches Kapital bei Investoren gesucht.

Der Suntech-Chef David King spricht von einer „sehr schwierigen Zeit“, die Produktion werde aber fortgesetzt. Gleichzeitig solle die Zeit genutzt werden, die Firma neu zu positionieren. Laut Agenturmeldung dürften die Arbeiter in den chinesischen Suntech-Fabriken ihre Arbeitsplätze behalten. Kritisch wird es hingegen für die Aktionäre. Die Verschuldung des Konzerns sei zu massiv, und die Überkapazitäten in der Branche seien weiterhin enorm.

Geringe Nachfrage und Preisrückgang

Der Aktienkurs des Unternehmens war schon länger in den Keller gesackt. Die Insolvenz ist nach Ansicht von Experten ein Zeichen, dass die Konsolidierung in der Solarindustrie in Europa und den USA jetzt auch China erreicht hat. Die Förderung der Solarindustrie in China hatte zu einem Boom geführt. Doch sorgten Überproduktion und geringere Nachfrage für einen starken Preisrückgang auf dem Weltmarkt. Zu Monatsbeginn hatte Suntech bereits die Schließung seines Werks im US-Bundesstaat Arizona angekündigt und den Unternehmensgründer Shi Zhengrong von seinen Aufgaben entbunden.

Handelsstreit mit der EU

Im vergangenen Jahr hatten die USA Strafzölle gegen chinesische Produzenten verhängt, denen Preisdumping vorgeworfen wurde. Auch in Europa ermittelt die EU-Kommission wegen wettbewerbsverzerrender Subventionen in China. Im Handelsstreit mit der EU hat auch China endgültige Strafzölle auf Importe des wichtigen Kunststoffvorprodukts TDI erhoben. Zu den betroffenen Chemieunternehmen zählen der deutsche Konzern Bayer, eine europäische Tochter des US-Chemieriesen Dow Chemical und Perstorp France, wie das chinesische Handelsministerium am Dienstag mitteilte.

China und die EU werfen sich gegenseitig Protektionismus und unfaire Preispolitik vor. Analysten bestätigten die Vorwürfe der EU indirekt am Mittwoch, als sie die Pleite auf Suntechs Billigpreisstrategie zurückführten. Die aggressive Markteroberung unter Herstellungskosten habe dazu geführt, dass Suntech „beinahe kein Produkt mehr mit Gewinn verkaufen“ könne, sagte der Analyst Ben Cavender der Nachrichtenagentur AFP in Schanghai. Der Insolvenzantrag durch die Banken sei ein Zeichen, dass „die Regierung offensichtlich eingeschritten ist“, fügte der Analyst Liu Wenping hinzu.

Anti-Dumping-Verfahren in China

Auf der anderen Seite läuft seit einem Jahr auch in China ein Anti-Dumping-Verfahren gegen europäische Hersteller von Solarzellen und -modulen. Im Februar hatte China vorläufige Strafzölle auf Importe der Chemikalie Toluidin aus der EU festgelegt. Toluidin kommt unter anderem in der Agrarchemie zum Einsatz, wird aber auch in Bleichmitteln verwendet.

Suntech Power war einer der Führer der Industrie in China und galt 2011 sogar als der weltgrößte Hersteller. Auch andere chinesische Hersteller wie Yingli Green Energy, LDK Solar Company und Trina Solar leiden unter den schwierigen Marktbedingungen und sollen nach Presseberichten ebenfalls Verluste gemacht haben.

Deutsche Solarworld strauchelt

Indes kämpft auch der deutsche Branchenprimus Solarworld ums Überleben. Vorstandschef Frank Asbeck ringt mit den Banken und Gläubigern seit Wochen um eine Lösung. Der Konzern ist mit über einer Milliarde Euro verschuldet. Ihm macht auch die Billigkonkurrenz aus China zu schaffen. Die Branche kämpft zudem mit dem Abbau staatlicher Zuschüsse, Überkapazitäten und einem Preisverfall. Equinet-Analyst Stefan Freudenreich erwartet, dass Solarworld seine Verschuldung um ein Drittel zurückfahren muss. „Die Zinslast ist derzeit zu hoch.“

Für Gläubiger bedeute das zwar einen herben Verlust. Doch sollte die Firma an die Wand fahren, bliebe ihnen möglicherweise noch weniger. Neben dem Schuldenabbau hält Freudenreich aber auch einen Konzernumbau für nötig. Solarworld sei mit seinen Werken in Deutschland nicht konkurrenzfähig, sagte Freudenreich. Der norwegische Konkurrent REC habe dagegen konsequent den Schritt nach Asien gewagt, um der Pleitewelle zu entkommen.

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