Mehr Schein als Sein im Kühlregal
Fische sollen im Wasser sein und nicht umgekehrt. Genau dieses Tricks bedienen sich aber offenbar viele Hersteller von tiefgekühltem Fisch: Sie werden künstlich mit Wasser angereichert - und damit schwerer und teurer. Das berichtete der NDR in seinem Verbraucher- und Wirtschaftsmagazins „Markt“.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Laut NDR seien Stichproben von 23 Packungen von tiefgefrorenen Fischen und Garnelen eingekauft worden, um sie auf Fremdwasser und Zusatzstoffe untersuchen zu lassen. Zwölf davon waren auffällig und wurden ins Labor geschickt - bei fünf sei ein künstlich erhöhter Wassergehalt festgestellt worden.
Kennzeichnung fehlte meist
Fast jede vierte Stichprobe von Scholle, Pangasius und Garnelen war mit Fremdwasser aufgeschwemmt, wird in dem TV-Magazin berichtet. Bei einigen Produkten betrug der Anteil von zugesetztem Wasser mindestens 15 Prozent. In einem Fall, einem Pangasiusfilet, waren es gar 44 Prozent.
„Es ist nicht verboten, einem Produkt Wasser zuzusetzen“, erklärte Elke Müller-Hohe von der Gesellschaft Deutscher Chemiker, die zugleich im Landesuntersuchungsamt in Freiburg tätig ist. „Aber man muss es kenntlich machen, sodass der Verbraucher diese Produkte klar von unbehandelten unterscheiden kann.“ Bei den „gepanschten“ Produkten aus der „Markt“-Stichprobe hatte jedoch lediglich ein Hersteller den Einsatz von Zusatzstoffen deklariert.
Mehrere Zusatzstoffe möglich
So war beim überwässerten Pangasiusfilet Zitronensäure als „Säureregulator“ angegeben. Tatsächlich ist Zitronensäure aber neben Natriumkarbonat und Phosphat einer der möglichen Zusatzstoffe, die das Wasser im Fisch binden. Ein Hersteller gab auf Nachfrage an, dass das Produkt in ein "Kochsalzbad eingelegt werde, „um den Geschmack abzurunden“. Die entsprechenden Stoffe sind auch als Stabilisatoren bekannt. Man erkennt sie möglicherweise an den E-Nummern in der Zutatenliste: Bei E 450 und E 451 handelt es sich um wasserbindende Phosphate, bei E 330 um ebenso wirkende Zitronensäure.
Bei teuren Garnelen besonders beliebt
Jörg Oehlenschläger, ehemaliger wissenschaftlicher Direktor der deutschen Bundesforschungsanstalt für Fischerei, sagte: „Vor allem bei Garnelen werden bewusst Zusatzstoffe zugesetzt, um Wasser zu binden, weil das eben eine sehr hochpreisige Ware ist.“ In der Sendung demonstriert der niederländische Lebensmittelchemiker Ijsbrand Velzeboer eindrucksvoll, wie einfach sich das Gewicht steigern lässt.
Nur für zehn Minuten legt Velzeboer, der ein Blog zu den Tricks von Nahrungsmittelherstellern betreibt, ein Fischfilet in ein Natriumkarbonatbad. Deutlich ist danach zu sehen, dass das Stück erkennbar an Größe gewonnen hat. „Markt“ berichtet außerdem, dass etliche Hersteller verschiedene Methoden bewerben, wie in der Fischverarbeitung das Gewicht durch Wasseranreicherung gesteigert werden kann. Dabei heißt es auch vor allem, dass die Manipulationen nicht nachweisbar seien.
Links: