Hoffnungen und Einladungen
Der neue Papst Franziskus ist nach seiner Wahl am Mittwochabend mit vielen Glückwünschen und Einladungen aus aller Welt bedacht worden. Der israelische Präsident Schimon Peres lud Jorge Mario Bergoglio, der am Mittwochabend in einem der kürzesten Konklaven der Geschichte zum neuen Papst gewählt worden war, ins Heilige Land ein.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Russlands Präsident Wladimir Putin schrieb in einem Telegramm an den 76-Jährigen, er wünsche Franziskus gute Gesundheit und Erfolg bei der Förderung des Friedens und des Dialogs zwischen Zivilisationen und Religionen. US-Präsident Barack Obama sagte, er freue sich darauf, mit dem neuen Papst zusammenzuarbeiten. Er nannte Franziskus einen „Vorkämpfer für die Armen und die Verletzlichsten unter uns“. Die Wahl eines Lateinamerikaners belege die Stärke und Vitalität einer Region, die die Welt zunehmend forme.
Ban: Weise Führung
Der Jüdische Weltkongress in New York drückte seine Hoffnung aus, die „engen Beziehungen weiterzuführen“, ebenso äußerte sich der Zentralrat der Juden in Deutschland. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon setzt auf eine Fortführung der Zusammenarbeit zwischen den Vereinten Nationen und dem Vatikan „unter der weisen Führung“ von Papst Franziskus.
EU-Ratspräsident Herman van Rompuy und EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Durao Barroso werden am Dienstag in Rom an der Messe zur Amtseinführung von Franziskus teilnehmen. Das teilte eine Kommissionssprecherin am Donnerstag in Brüssel mit. Aus Polen, dem Heimatland des 2005 gestorbenen Papstes Johannes Paul II., kündigten sich Staatspräsident Bronislaw Komorowski sowie die Präsidenten von Parlament und Senat an.
Gratulationen aus Österreich
Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) äußerte die Hoffnung, „dass Franziskus den Dialog in den Mittelpunkt seines Pontifikats stellen“ und sich „für Frieden, für arme Menschen und den Kampf gegen die Armut“ einsetzen werde. Als „Zeichen der Hoffnung und Beweis für die Einheit der katholischen Kirche“ bezeichnet Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) die rasche Einigung im Kardinalskollegium. Spindelegger hofft, dass der neue Heilige Vater so wie die beiden vorigen Päpste Österreich besuchen werde.
Österreichs Bischöfe zeigen sich durch die Bank angenehm überrascht von der Wahl des neuen Papstes Franziskus. Vor allem seinen Einsatz für Arme hoben die Bischöfe in ihren Stellungnahmen hervor - mehr dazu in religion.ORF.at. Kardinal Christoph Schönborn streute Franziskus Rosen - mehr dazu in religion.ORF.at.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte, „weit über die katholische Christenheit hinaus erwarten viele von ihm Orientierung, nicht nur in Glaubensfragen, sondern auch, wenn es um Frieden, Gerechtigkeit, die Bewahrung der Schöpfung geht“.
Kirchner: „Fruchtbare Amtszeit“
Brasiliens Bischöfe reagierten mit großer Freude auf den Papst aus dem Nachbarland Argentinien. „Wir erwarten ihn mit viel Liebe und Warmherzigkeit zum Weltjugendtag (im Juli) in Rio de Janeiro“, sagte der Generalsekretär der brasilianischen Bischofskonferenz, Leonardo Steiner. Im argentinischen Kongress unterbrach der Vorsitzende der Abgeordnetenkammer, Julian Dominguez, die Sitzung. Er rief aus: „Es gibt einen Papst, und der ist Argentinier!“
Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner wünschte Franziskus eine „fruchtbare“ Amtszeit. Sie will zur feierlichen Amtseinführung nach Rom kommen. Das erklärte Regierungssprecher Alfredo Scoccimarro. Die Präsidentin hatte zu dem bisherigen Erzbischof von Buenos Aires ein eher gespanntes Verhältnis, weil er öffentlich gegen die Regierungspolitik etwa in Sachen Homosexuellenehe und Abtreibungsrecht Front machte. Sie wünsche sich, dass Franziskus ein höheres Maß an Brüderlichkeit zwischen den Völkern und den Religionen schaffen könne, ließ Kirchner am Mittwochabend (Ortszeit) erklären.
„Heute ist ein historischer Tag (...): Das erste Mal in 2.000 Jahren haben wir einen Papst, der aus Lateinamerika stammt“, so Kirchner. Sie erwarte, dass der Papst eine „bedeutsame“ Aufgabe für Lateinamerika erfülle und die Großmächte zum Dialog aufrufe. Sie spielte damit auf die Weigerung Großbritanniens an, mit Argentinien über den Status der Falkland-Inseln zu verhandeln.
Seltsame These rund um Chavez
Der venezolanische Interimspräsident Nicolas Maduro hingegen ist sich sicher, dass der vor mehr als einer Woche verstorbene venezolanische Staatschef Hugo Chavez bei der Papst-Wahl seine Hände im Spiel hatte. „Wir wissen, dass unser Kommandant (Chavez) in diese Höhen aufgestiegen ist und Christus gegenübersteht. Er muss einen Einfluss auf die Wahl eines südamerikanischen Papstes gehabt haben“, sagte Maduro am Mittwoch (Ortszeit) in Caracas.
China: Nicht in innere Angelegenheiten einmischen
Chinas Regierung gratulierte dem neuen Papst zur Wahl, bekräftigte zugleich aber seine Forderungen für eine Annäherung. Der Vatikan müsse seine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan aufgeben und dürfe sich nicht in innere Angelegenheiten Chinas einmischen, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Hua Chunying, am Donnerstag vor der Presse in Peking.
Die chinesische Haltung habe sich nicht geändert. China hoffe, dass die katholische Kirche unter dem neuen Papst eine „praktischere und flexiblere Haltung“ einnehme, um Bedingungen für eine Verbesserung der Beziehungen zu schaffen, sagte die Sprecherin. Ihr Hinweis auf Einmischung im Namen der Religion bezog sich auf die Ernennung von Bischöfen, da Chinas Regierung und Staatskirche die Autorität des Papstes nicht anerkennen. Auch betrachtet die kommunistische Führung in Peking die demokratische Inselrepublik Taiwan nur als abtrünnige Provinz.
Angespannte Situation
Der Vorsitzende der vom kommunistischen Staat kontrollierten „patriotischen“ katholischen Kirche Chinas, Liu Bainian, gratulierte dem neuen Papst zur Wahl und will für ihn beten. „Gott segne den neuen Papst, schenke ihm Klugheit und Weisheit“, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz in China der Nachrichtenagentur dpa in einer persönlichen Reaktion, die nach seinen Angaben nicht im Namen der Staatskirche erfolgte. Er hoffe, dass der neue Papst „die Souveränität der chinesischen Regierung und Kirche respektiert und die Beziehungen zwischen dem Vatikan und China bald verbessert“, betonte Liu.
Die Patriotische Katholische Vereinigung, wie Chinas Staatskirche heißt, erkennt die Autorität des Papstes nicht an. So gibt es immer wieder Streit über die Ernennung von Bischöfen und die Verfolgung von Christen in der papsttreuen Untergrundkirche. Allerdings sind nach Einschätzung westlicher Experten die meisten chinesischen Bischöfe entweder offen oder stillschweigend auch von Rom anerkannt. Wegen der Differenzen hat aber bis heute kein Papst jemals China besucht.