Gut fürs Prestige - schlecht für die Bilanz
Auch wenn mit einem elektrobetrieben VW Up, einem Mercedes SLS und dem i3 von BMW gleich eine Reihe von Elektroautos noch in diesem Jahr in den Startlöchern steht - der Elektrohype in der Automobilbranche ist zuletzt deutlich abgeflaut. Mit Audi stampfte bereits ein erster Hersteller seine einst hochgesteckten Pläne bis auf Weiteres ein. Ungewohnten Klartext gab es zuletzt auch von BMW-Seite.
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Der Grund scheint naheliegend: Die Elektrooffensive taugte bisher vor allem fürs Prestige - doch rentable Modelle werden von den Herstellern nach wie vor vergeblich gesucht. Zu hohe Kosten gelten nun auch als der eigentliche Grund für den Rückzieher von Audi, wo nach dem Sportwagen R8 E-tron nun das für 2015 geplante Elektroauto A2 eingestellt wurde. Offiziell will Audi seinen Fokus laut Medienberichten künftig verstärkt auf größere Baureihen und eben nicht Nischenprodukte setzen.
„Das ist Konsens unter Herstellern“
Aufhorchen ließ kurz darauf aber auch BMW-Vorstand Klaus Draeger in einem Interview mit der „WirtschaftsWoche“ („WIWO“). Bei den deutschen Autobauern stehen demnach zwar weiterhin Elektroautos für die Kurzstrecke auf dem Programm - für die Langstrecke wolle man sich aber auf andere Antriebe konzentrieren. Draeger zufolge sei das „inzwischen Konsens unter den deutschen Herstellern und im Verband der Automobilindustrie“. Kleineren, rein elektrisch betriebenen Autos wird somit weiterhin eine Zukunft, etwa als Stadtauto, prophezeit.
Neben herkömmlichen Antrieben wird auf Langstrecken aber immerhin noch auf Plug-in-Hybride und somit mit Benzin- und per Steckdose aufladbarem Elektromotor ausgestattete Fahrzeuge gesetzt. Erst in einem zweiten Schritt sollen dann mit Brennstoffzellen und mit Wasserstoff betankbare Autos folgen.
In der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ wurde in diesem Zusammenhang daran erinnert, dass sich kaum ein Hersteller in der Etablierung der Elektromobilität „derart weit aus dem Fenster gelehnt“ habe wie BMW mit seiner groß angekündigten i-Reihe. Aber auch Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hatte die Elektromobilität als „Jahrhundertaufgabe“ bezeichnet.
„Futuristische Einzelstücke“
VW war es auch, das auf dem Autosalon in Genf mit dem Ökomobil XL1 nicht nur einen weiteren Ausblick auf die umweltfreundlichere Zukunft des Autos geben wollte, sondern auch dessen Marktstart ankündigte. Von einer absehbaren Serienproduktion könne aber auch hier keine Rede sein, so die „Süddeutsche Zeitung“ („SZ“): „Nur 50 Exemplare soll es geben.“
Festgehalten wurde zudem, dass Ökomodelle auf dem ersten großen europäischen Autosalon des Jahres ohnehin rar geworden seien. Bei den wenigen verbliebenen Fahrzeugen habe es sich zudem „weniger um serienreife Hoffnungsträger als futuristische Einzelstücke und teure Miniserien“ gehandelt.
Kaum Interesse bei Kundschaft
Und während es deutschen Regierungsplänen zufolge bis 2020 eine Million E-Autos auf den Straßen geben soll, hält sich das Interesse der Kundschaft weiter in Grenzen. Darauf verwiesen Ende vergangenen Jahres etwa die Verkaufszahlen des Kraftfahrtbundesamts und des Centers Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen.
Abschreckender Faktor dürfte hier laut Beobachtern nicht zuletzt der Preis bleiben. Auch Audi-Entwicklungschef Wolfgang Dürheimer gestand bereits im Jänner in einem „Welt“-Interview ein: „Wenn Sie heute ein rein elektrisch angetriebenes Automobil kostendeckend und gewinnbringend am Markt positionieren wollen, müssen Sie derzeit einen Preis definieren, bei dem die Kaufbereitschaft der Kunden relativ gering ist und für den Hersteller keine großen Stückzahlen übrig bleiben.“
„Brauchen langen Atem“
Trotz nach wie vor geringer Zulassungszahlen ortete die deutsche Autoindustrie weiter keinen Grund für Zweifel am Erfolg des Elektroautos. „Wir haben von Anfang an gewusst, dass wir für die Elektromobilität einen langen Atem brauchen“, sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann. Aber: „Elektroautos werden kommen, da habe ich keine Zweifel.“ Der Markt für Elektrofahrzeuge „beginne erst“, sich zu entwickeln.
Wenn die Nachfrage nach Elektroautos richtig anziehe, werde die deutsche Autoindustrie Modelle haben, die den Kundenwünschen entsprächen, zeigte sich Wissmann überzeugt. Weit mehr als Stadtautos seien aber auch nach Wissmanns Aussagen zunächst nicht zu erwarten, da nur dort Elektroautos „ihre Vorteile ausspielen“ könnten.
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