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Blick von außen „längst fällig“

Sonntagabend sind erste Ergebnisse der historischen Kommission zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der Wiener Philharmoniker präsentiert worden. Dieser Blick von außen sei „längst fällig“ gewesen, sagte Clemens Hellsberg, Vorstand des Orchesters. Das weltberühmte Orchester war immer wieder in die Kritik geraten, sich der eigenen Verstrickung in den Nationalsozialismus nicht zu stellen.

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„Wir wissen, dass wir gemeinsam auf einem Weg sind“, so Hellsberg im Rahmen der Präsentation der Ergebnisse. Einer breiten Öffentlichkeit wolle man die Ergebnisse via ORF-Fernsehdokumentation („Schatten der Vergangenheit - Die Wiener Philharmoniker im Nationalsozialismus“) und auf der Website des Orchesters zugänglich machen.

Aufarbeitung nach beharrlicher Kritik von außen

Während der Arbeit der unabhängigen Historikerkommission bestehend aus Bernadette Mayrhofer, Fritz Trümpi und Oliver Rathkolb seien auch neue Quellen und Dokumente aufgetaucht. Mayrhofer und Tümpi, der bereits die Studie „Politisierte Orchester“ über die NS-Vergangenheit der Wiener und der Berliner Philharmoniker veröffentlicht hatte, wollten bereits früher in den Archiven des privaten Vereins der Wiener Philharmoniker recherchieren.

Erst beharrliche Kritik von außen, etwa durch den Bildungssprecher der Grünen, Harald Walser, ermöglichte das offenbar nun. Walser hatte Hellsberg vorgeworfen, er verhindere „seit Jahren eine kritische Aufarbeitung der Geschichte der Philharmoniker“ und reagiere „nur auf Druck und gibt sein Archiv immer nur zum Teil frei“.

Ungewöhnlich viele NSDAP-Mitglieder

60 von 123 Orchestermitgliedern hatten NS-Parteimitgliedschaft, ergaben die Recherchen. Das waren weit mehr als der Bevölkerungsdurchschnitt. Bereits vor dem „Anschluss“ sei etwa ein Drittel der Mitglieder des Vereins der Wiener Philharmoniker illegale Nationalsozialisten gewesen, erklärte Rathkolb. Die Entnazifizierung nach 1945 habe praktisch nicht stattgefunden: Nur vier Musiker wurden nach Kriegsende aufgrund ihrer Nazi-Vergangenheit gekündigt, sechs pensioniert.

Wiener Philharmoniker im Jahr 1943

picturedesk.com/Ullstein Bild

Neue Details zur Ehrenringübergabe an Schirach

Zu den zwei, die später wieder aufgenommen wurden, gehörte auch der Trompeter Helmut Wobisch (1912 bis 1980), der bereits 1933 Partei- und SS-Mitglied war, am 1. Mai 1945 fristlos entlassen und 1951 wieder eingestellt wurde. 1954 bis 1968 war er Geschäftsführer der Wiener Philharmoniker, 1967 erhielt er das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Wobisch sei es auch gewesen, der Kriegsverbrecher Baldur von Schirach bald nach dessen Entlassung aus Spandau 1966 ein Duplikat des 1942 verliehenen Philharmoniker-Ehrenrings nach München gebracht habe, enthüllt Historiker Wilhelm Bettelheim im Film ein bisher sorgsam gehütetes Geheimnis. Das habe er ein Jahr später von Dirigent Josef Krips erfahren. „Eine Einzelaktion“, sagt Hellsberg.

Noch kein Schlusspunkt in der Aufarbeitung

„Es ist immer ein Schmerz, wenn man weiß, dass man in der eigenen Familie Schlechtes getan hat. Da ist es natürlich extrem schwierig, Aufklärung voranzutreiben. Aber Fakten sind Fakten, Geschichte kann man nicht rückgängig machen. Daher ist es wichtig, dass man die Wahrheit weiß, auch wenn es Zeit braucht“, sagte Staatsoperndirektor Dominique Meyer. Er betonte zudem, dass die Aufarbeitung „nicht erst seit gestern“ laufe und dass es sich sicher nicht um den Schlusspunkt, aber um eine „wichtige Etappe“ handle. Die Arbeit werde weitergehen, betonte auch Rathkolb. In den nächsten Monaten werde sicher noch einiges auftauchen: „Wir werden weiter korrigieren, verfeinern und ergänzen.“

Regisseur Neumüller: „Mir stand alles offen“

Immer wieder wurde in der Vergangenheit auch eine Behinderung der Arbeit der Historiker kritisiert, etwa der fehlende Zugang zum Archiv des Vereins der Wiener Philharmoniker. Daher stellte der Regisseur von „Schatten der Vergangenheit“, Robert Neumüller, gleich zu Beginn klar: „Ich wurde von keiner Seite behindert. Mir stand alles offen, es gab keinerlei Einflussnahme.“ Seine Intention sei es gewesen, die Emotionen, die dieses Thema hervorrufe, „endlich dorthin zu lenken, wo sie auch hingehören: zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus“.

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