Kosten bis zu 300 Mio. Euro möglich
Eigentlich hatten Experten schon das Ende der Grippewelle verkündet, nun ist die Zahl der Neuerkrankungen - vor allem in Wien - aber noch einmal kräftig gestiegen. Österreichweit dürften sich in diesem Winter rund 500.000 Menschen krankmelden. Der Wirtschaft entsteht dadurch ein enormer Schaden.
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Eine Grippewelle gehört zum Jänner wie trübes Wetter und glatte Straßen. Aber heuer dürfte der Wert der Neuerkrankungen vom vergangenen Winter deutlich überschritten werden. In der Wintersaison 2011/2012 meldeten sich rund 400.000 Personen krank, in diesem Jahr dürften es bis zu 500.000 werden, schätzt die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).
Besonders kleine Betriebe leiden
„Ein Krankenstandstag kostet die Unternehmen 200 Euro“, rechnet Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit bei der WKÖ, vor. „Geht man von drei Ausfallstagen aus, dann belaufen sich die Kosten auf 200 bis 250 Mio. Euro.“ Und das sei noch vorsichtig geschätzt, so Gleitsmann. Für diesen Winter könnten insgesamt Kosten von bis zu 300 Mio. Euro anfallen. „Gerade den Jänner und Februar merkt man stark“, erklärte Gleitsmann gegenüber ORF.at. Wenn zu den vielen Ausfällen, zum Beispiel durch Urlaube, noch eine Grippewelle dazukomme, sei das schon eine Belastung für die Volkswirtschaft.
Besonders betroffen sind dabei kleinere Betriebe. „Für große Unternehmen ist es leichter, einen Ersatz zu finden, aber wenn in einem Betrieb mit elf Mitarbeitern fünf ausfallen, dann ist das schon problematisch“, so Gleitsmann. Bei Einpersonenunternehmen könne das überhaupt existenzgefährdend werden. Auch wegen des latenten Fachkräftemangels würden Ausfälle zunehmend zu einem Problem, so Gleitsmann. In der WKÖ verspüre man einen wachsenden Druck vonseiten der Betriebe, die in diesem Bereich auf neue Regeln pochen.
Komplikationen durch mutierte Viren
Dabei ist nicht nur die Grippe ein Problem, sondern es gesellten sich bei vielen Erkrankten heuer noch hartnäckige Entzündungen von Nase, Rachen und Kehlkopf hinzu, wie Bernhard Mühl, stellvertretender Chefarzt der Salzburger Gebietskrankenkasse erklärt. „Die Therapie ist relativ schwierig, weil ein Antibiotikum in der Regel wenig Sinn macht, da es sich um virale Infektionen handelt“, so Mühl.
Grund für die vermehrten Kehlkopfentzündungen sind laut Mühl mutierte Viren. Ausgestanden sollte die Grippewelle in spätestens drei Wochen sein, sagt Mühl. Dass sie heuer ungewöhnlich lange dauert, wie aus Niederösterreich gemeldet wird, könne er in Salzburg noch nicht beobachten - mehr dazu in salzburg.ORF.at. Auch in Oberösterreich wurden heuer im Vergleich zum Vorjahr mehr Grippefälle gemeldet, fast verdoppelt hat sich die Zahl der grippalen Infekte.
Grippewelle stärker als 2012
In Wien, wo man das schlimmste schon überstanden glaubte, ist die Zahl der Neuerkrankungen Ende Februar noch einmal sprunghaft angestiegen. Laut der Magistratsabteilung 15 (MA 15), dem Gesundheitsdienst der Stadt Wien, haben sich allein in der vergangenen Woche 17.000 Menschen neu angesteckt. Seit Anfang Jänner sind insgesamt 98.000 Personen in Wien mit dem Grippevirus infiziert worden, die Wiener Gebietskrankenkasse verzeichnete bis 26. Februar 55.000 Krankmeldungen.
Damit zeigt sich ein anderes Bild als im vergangenen Jahr, als die Grippewelle um diese Zeit schon am Abklingen war. Auch dürfte die Grippewelle in diesem Jahr deutlich stärker ausfallen als 2012. Damals lag der Höhepunkt bei 15.000 Neuerkrankungen in einer Woche. Die Grippewelle dürfte jedoch nicht an das Jahr 2011 heranreichen, als in einer Woche bis zu 20.000 Neuerkrankungen registriert wurden.
Dass heuer die Grippe stärker ist, zeigt sich auch bei der Nachfrage nach Medikamenten. So verzeichnete der Hauptverband der Sozialversicherungsträger im Jänner einen deutlichen Anstieg bei den Rezepten von 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und auch dort weiß man aus Erfahrung, dass die Nachfrage nach Medikamenten erst im Februar den Höhepunkt erreicht, bevor sie im März wieder abflacht.
„Das Schlimmste ist im März vorbei“
Für eine Grippeimpfung ist es jetzt jedoch bereits zu spät. „Wenn die Grippewelle schon so weit fortgeschritten ist, ist die Wahrscheinlichkeit, sich bereits angesteckt zu haben, zu groß“, erklärt Ursula Karnthaler, Ärztin bei der MA 15. Spätestens Ende März sollte es aber mit der Grippewelle endgültig vorbei sein, wenn man „von einem normalen Verlauf aufgeht“, so Karnthaler. All jenen, die noch das Krankenbett hüten, rät die Ärztin, auf jeden Fall zu Hause zu bleiben und sich zu schonen. Vor einer Ansteckung helfe vor allem eines: „Hygiene der Hände!“
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