Polizei sichert Keksspuren
Das goldene Keks ist wieder da: Dienstagfrüh hat der Ulk um das „entführte“ Wahrzeichen des deutschen Großbäckers Bahlsen, der das ganze Land beschäftigte, ein glückliches Ende genommen. Das seit Jänner gesuchte Keks tauchte am Hals des Niedersachsenpferd-Denkmals vor der Leibniz Universität in Hannover auf - hübsch mit roter Schleife verziert.
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Die Kekssichtung rief ein Großaufgebot der Exekutive auf den Plan. Kriminaltechniker waren im Einsatz. Feuerwehrmänner befreiten das Pferd schließlich vom Keks. Journalisten waren an Ort und Stelle, Augenzeugen berichteten auf dem Kurzmeldungsportal Twitter von der Keksbergung. Die Polizei wollte vorerst nicht offiziell bestätigen, dass es sich tatsächlich um das vermisste Firmenwahrzeichen handelt. „Es könnte so sein“, meinte ein Polizeisprecher. Das Gewicht von etwa 20 Kilo spreche dafür.
Polizei bestätigt Echtheit
Die Einheimischen waren sich schon anfangs alle sicher: Es ist das Originalkeks. Schließlich gab auch die Polizei nach eingehender Untersuchung am Nachmittag bekannt, dass es sich um das vermisste Firmensignet handelt. Größe, Gewicht und Beschaffenheit stimmten überein, sagte ein Polizeisprecher in Hannover. „Augenscheinlich ist es dieser Keks.“ Die Ermittler überprüfen inzwischen Aussagen von Augenzeugen, wonach das Keks schon am Montagnachmittag dem Pferd umgehängt worden war.
Ein PR-Geschenk der Sonderklasse
Das Fehlen des rund 100 Jahre alten vergoldeten Firmenwahrzeichens war Ende Jänner entdeckt worden. Wie lange es tatsächlich zu diesem Zeitpunkt schon abhanden gekommen war, könne man nicht sagen, räumte Bahlsen ein. Nach dem Bekanntwerden des Diebstahls tauchte jedenfalls ein „Erpresserbrief“ auf, in dem von Bahlsen verlangt wurde, Vollmilchkekse an ein Kinderkrankenhaus und 1.000 Euro an ein Tierheim zu spenden.
Sollte Bahlsen der Forderung nicht nachkommen, drohte der Absender in der Identität der gefräßigen Kinder-TV-Figur „Krümelmonster“ mit der Entsorgung des etwa einen halben Meter hohen Kekses „in der Mülltonne“. Firmenchef Werner Bahlsen reagierte zuerst unwirsch und erkannte erst nach einer Schrecksekunde, dass ihm ein PR-Geschenk der Sonderklasse gemacht worden war. Er bot in Anspielung auf das 52-fach gezahnte Keks an, 52.000 Kekspackungen an 52 karitative Einrichtungen zu spenden, sollte das Keks unversehrt zurückkehren.

APA/EPA/SURREY/HAZ
Der zweite „Erpresserbrief“
Mitleid mit „weinendem Werni“
Nicht wenige vermuteten hinter der Aktion überhaupt einen PR-Gag des Großbäckers - die meisten anderen einen Studentenulk. Unklar war allerdings, ob der Brief von dem oder den tatsächlichen „Entführern“ kam oder von einem Trittbrettfahrer. Die Polizei ermittelte jedenfalls - Fasching und Ulk hin oder her - tatsächlich wegen Diebstahls und versuchter Erpressung. Da dürfte es das echte „Krümelmonster“ offenbar mit der Angst bekommen haben.
Am Montag tauchte ein - nach klassischem Klischee aus Zeitungsbuchstaben zusammengeschnipselter - weiterer Brief auf, in dem es hieß: „Weil der Werni den Keks so lieb hat wie ich und der jetzt immer weint und den Keks ganz dolle vermisst, geb ich den zurück.“ Dass das Keks schließlich vor der Uni deponiert wurde, die nach dem deutschen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz benannt ist, war offenbar als Schlussscherz in Anspielung auf die Keksmarke gedacht.
Ende gut, fast alles gut
„Krümelmonster“ hat damit jedenfalls Wort gehalten. Wer hinter dem Streich steckt, der Schlagzeilen bis in die USA gemacht hatte, wird aber wohl weiterhin in Deckung bleiben: Die Polizei behandelt die Causa weiterhin als Kriminalfall und erklärte am Dienstag, die Spurensicherung sei mit dem Keks beschäftigt. Firmenchef Bahlsen erklärte am Dienstagnachmittag, er freue sich „sehr und hoffe, dass dies wirklich unser Keks ist und wir ihn bald wieder anbringen können“. Das Versprechen der Keksspende werde man „selbstverständlich einlösen“.
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