Von Burn-out bis Zahnspangen
Letzte Woche ist Hans Jörg Schelling für weitere vier Jahre als Vorstandsvorsitzender des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger bestätigt worden. In den kommenden vier Jahre will er an der Gesundheitsreform, der Implementierung der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) und nicht zuletzt an der Kassenkonsolidierung weiterarbeiten. Das eingesparte Geld soll in neue Leistungen fließen.
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Die Bedeutung seiner letzten vier Jahre versuchte der Wirtschaftskammer-Vizepräsident und frühere ÖVP-Mandatar vor seiner Wahl ins beste Licht zu rücken. Die Sozialversicherung sei Reformmotor und wichtigster Player im Gesundheitswesen. Das nicht ungetrübte Verhältnis zu Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) blitzte dabei einmal mehr durch. „Wir haben ihn sehr bei seinem Erfolg unterstützt“, sagte Schelling im Hinblick auf die Gesundheitsreform. Man sei der Politik „dankbar, dass sie uns hat arbeiten lassen“.
Sanierungsziele mehr als erfüllt
Angesichts der Einigkeit in der politischen Steuerungsgruppe für die Reform wäre man auch mit noch stärkerem Widerstand aus der Ärztekammer zurande gekommen, zeigte sich Schelling bei dem Hintergrundgespräch mit Journalisten überzeugt. Erfolgsfaktor sei gewesen, dass Kommunen, Länder und der Bund durch die Finanzkrise in Geldnot gekommen seien und daher geschlossen den Ausgabenanstieg bei der Gesundheit bremsen wollten.
Größter Erfolg der vergangenen vier Jahre ist aus Schellings Sicht die Konsolidierung der Kassenfinanzen. Um 1,725 Mrd. Euro sollte der Kostenanstieg zwischen 2010 und 2013 gedämpft werden, dieses Ziel werde man um zumindest 500 Mio. Euro übererfüllen. Bis Jahresende sollen alle Kassen mit Ausnahme der Wiener Gebietskrankenkasse schuldenfrei sein, so der Hauptverbandschef. Bis 2016 soll dieser Kurs weitergehen, die Kassen wollen die Ausgabendynamik um weitere 1,35 Mrd. Euro drücken, die Länder um zwei Mrd. Euro.
100 Mio. jährlich für neue Leistungen
Mit den eingesparten Geldern sollen die Kassen beginnen, Rücklagen zu bilden, um Konjunkturschwankungen künftig eigenständig durchzustehen. Auch für anfallende Überschüsse gebe es durchaus Verwendung, brauche man doch deutlich über 100 Mio. Euro jährlich, um neue Leistungen zu finanzieren. Es gehe dabei um den psychischen Bereich wie etwa Burn-out-Therapien, um medizinische Rehabilitation, Disease Management, aber auch Zahnbehandlungen.
Nachgedacht werde etwa über Zahnspangen und festsitzenden Zahnersatz auf Kassenkosten, sofern eine medizinische Notwendigkeit dafür bestehe. Widerstand gebe es hier allerdings einmal mehr von einer Kammer, in diesem Fall jener der Zahnärzte, so Schelling. Die Zahnärzte wiesen diese Aussage jedoch umgehend in einer Aussendung zurück: Widerstand und Blockaden bei einer Neuabfassung der zahnärztlichen Kassenleistungen kämen „ausschließlich von den Krankenkassen“.
In niederösterreichischer ÖVP verwurzelt
Hans Jörg Schelling wurde am 27. Dezember 1953 in Hohenems in Vorarlberg geboren. Er studierte in Linz Betriebswirtschaftslehre, war Geschäftsführer des Möbelhändlers XXXLutz und engagierte sich - von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) geholt - politisch zunächst auf Kommunal-, später auf Bundesebene. Chef des Hauptverbandes ist der passionierte Winzer und Schnauzbartträger seit Anfang 2009.
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