Fast 200 neue Arten in zehn Jahren
Kaum eine Region der Welt beherbergt derart viele seltene Tiere wie Borneo. Auf der drittgrößten Insel der Welt, die zwischen den drei Staaten Indonesien, Malaysia und Brunei aufgeteilt ist, wurden alleine in den letzten zehn Jahren fast 200 bis dahin unbekannte Arten entdeckt.
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Darunter etwa der Mulu-Flugfrosch, der sowohl die Farbe seiner Haut als auch die Augenfarbe verändern kann, wie die Umweltstiftung WWF berichtete. Der Frosch wechselt seine Farbe je nach Tageszeit von hellgrün in der Nacht zu braun am Tag. Er gehört zu den fliegenden Fröschen Borneos. Diese sind zu kurzen Gleitflügen von Baum zu Baum in der Lage. Flughäute zwischen den Fingern und Zehen machen das möglich.

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Gut 400 Reptilien- und Amphibienarten wurden bereits in Borneo gesichtet
Auch die Kopstein-Bronzerückennatter ist eine Art Farbenkünstler. Die flammenfarbige Schlange, die ein deutscher Forscher 2008 erstmals beschrieb, wurde nach dem Österreicher Felix Kopstein benannt. Der Arzt und Zoologe arbeitete in den 1920er Jahren mit dem Naturhistorischen Museum in Wien zusammen. Die Flanken der neuen Schlange sind mit leuchtenden blauen, grünen und braunen Schuppen gesprenkelt. Bei Gefahr „errötet“ der Nacken der Giftschlange und zeigt ein flammendes Rot.
Auch der Borneo-Barbourfrosch ist etwas Besonderes: Er hat keine Lungen, eine Atmung geschieht allein über die Haut. Sein Körperbau erscheint aufgrund der fehlenden Lungenorgane flachgedrückt. Diese Form erlaubt es dem Frosch, sich in schnellfließenden Bächen gegen den Wasserstrom zu bewegen.
Mehr als 30 Säugetiere nur auf Borneo heimisch
Auf Borneo leben rund 221 Säugetierarten, mehr als 30 davon sind nirgends sonst auf der Welt zu finden. Das inoffizielle Wappentier Borneos ist der Orang-Utan (den es sonst nur im Norden Sumatras gibt) und Gibbons sowie der nur auf Borneo vorkommende Nasenaffe. Als besonders gefährdet gilt auch der Borneo-Zwergelefant. Von diesem gibt es laut Schätzungen lediglich 1.000 bis 1.500 Exemplare.

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Der Nasenaffe lebt ausschließlich auf Borneo. Auffälligstes Merkmal ist die große, gurkenförmige Nase, die allerdings nur die Männchen besitzen.
Noch viel seltener ist das mit etwa 30 Tieren vom Aussterben bedrohte Sumatra-Nashorn, das zwar früher ebenfalls über weite Teile Südostasiens verbreitet war, jedoch heute nur noch in letzten Rückzugsgebieten in Festland-Malaysia, auf Sumatra und Borneo überlebt - dort mutmaßlich nur noch in zwei Schutzgebieten in Sabah. Die Tiere (Dicerorhinus sumatrensis harrissoni) sind derart scheu, dass kaum ein Mensch sie je in der Wildnis gesehen hat. 2006 wurde das erste Foto überhaupt von den Dickhäutern geschossen.
Stinkdachs und Otterzivette
Auch seltene Katzenarten finden sich auf Borneo. Dazu gehören der 2006 als eigene Art klassifizierte Sunda-Nebelparder und die scheue, seltene Borneokatze. Weitere Kleinraubtiere sind nach WWF-Angaben der Borneo-Sonnendachs, der Sunda-Stinkdachs, die Otterzivette und der Haarnasenotter.
Die Vielfalt erscheint paradiesisch, doch der Dschungel Borneos ist in großer Gefahr: Gnadenlose Abholzung lässt den Lebensraum für Orang-Utans, Elefanten und Sumatra-Nashörner dramatisch schrumpfen. In Südostasien - und dabei vor allem in Indonesien - schwindet jedes Jahr so viel Forst wie in Afrika und Südamerika zusammen.
Umweltschützer schlagen immer lauter Alarm. Der Inselstaat war noch bis vor 50 Jahren von dichten Regenwäldern bedeckt. Die Hälfte ist aber seither abgeholzt worden, um den Weltmarkt mit Bauholz, Zellstoff, Papier und Palmöl zu versorgen.
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