Obduktion zeigt Vergiftungssymptome
Zehn im malaysischen Teil der Insel Borneo tot aufgefundene Zwergelefanten sind vermutlich an einer Vergiftung gestorben. Das teilte die Tierschutzbehörde des nordöstlichen Bundesstaates Sabah am Dienstag mit. Ob die Tiere vorsätzlich umgebracht worden sind, ist noch nicht geklärt.
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Eine Einsatzgruppe, an der auch die Naturschutzorganisation WWF beteiligt ist, soll die Vorfälle nun aufklären. Sabahs Umweltminister, Masidi Manjun, kündigte harte Strafen an, sollten sich der Verdacht bestätigen und die Täter gefunden werden. „Es ist ein sehr trauriger Tag für den Umweltschutz“, erklärte der Minister. „Der Tod der majestätischen und ernsthaft gefährdeten Tiere ist ein großer Verlust für das Land.“

AP/Sabah Wildlife Department
Eine extra einberufene Einsatztruppe arbeitet an der Aufklärung der Todesfälle
Die Umweltbehörde veröffentlichte am Mittwoch anrührende Fotos der toten Tiere - darunter von einem Elefantenjungen, das seine tote Mutter mit dem Rüssel liebkost. Das drei Monate alte Kalb sei gerade noch gerettet worden, bevor es auf sich allein gestellt ebenfalls gestorben ist, so die Tierschützer. Man vermutet, dass die Elefanten, die zwischen vier und 20 Jahre alt gewesen sein sollen, aus einer Herde stammten.
Bei den obduzierten Tieren hätte man Blutungen und Geschwülste im Magen-Darm-Bereich gefunden. „Wir vermuten, dass es eine Form der akuten Vergiftung sein könnte, die durch etwas hervorgerufen wurde, das die Elefanten gefressen haben“, bestätigt Sen Nathan, der Veterinärarzt des Ministeriums. Noch warte man jedoch auf die Laborergebnisse.
Herkunft der Borneo-Zwergelefanten umstritten
Die Borneo-Zwergelefanten werden nur 2,5 Meter groß, weisen kindliche Gesichter auf und verhalten sich weniger aggressiv als ihre asiatischen Artgenossen. In der Wildnis von Borneo leben nur noch knapp 1.500 bis 2.000 der vom Aussterben bedrohten Zwergelefanten. Ihr natürlicher Lebensraum verkleinert sich zunehmend durch Rodungen der Wälder, vor allem die Palmölindustrie hat in den letzten Jahren hektarweise Dschungel in Malaysia vernichtet. Die Herkunft der Tiere ist nach wie vor umstritten. Es könnte sich laut WWF um die letzten Java-Elefanten der Erde handeln.

ORF.at/Sophia Felbermair
Der Lebensraum der maximal 2.000 Zwergelefanten schrumpft durch Rodungen der Wälder
Eine Veröffentlichung des Sarawak-Staatsmuseums auf Borneo scheint demnach zu belegen, dass einer unter der einheimischen Bevölkerung lange gehegten Legende Wahrheit anhaftet: Bevor die „Urväter“ der Borneo-Zwergelefanten auf Java im 16. Jahrhundert ausstarben, gelangten offenbar einige von ihnen in die heutige philippinische Provinz Sulu nahe Borneo. Der Sultan von Sulu nahm im 17. Jahrhundert Elefanten als Gastgeschenk nach Borneo mit, wo sie sich vermehrten und augenscheinlich bis heute überlebt haben, berichtete der WWF. Auf Sulu selbst wurden die Dickhäuter im 18. Jahrhundert durch Bejagung ausgerottet.
Es gab lange Zeit weder eine Erklärung dafür, dass die Zwergelefanten auf keinem anderen Teil der Insel zu finden sind noch dafür, dass jegliche archäologische Nachweise für das Vorkommen von Elefanten auf Borneo fehlen. Dass die Tiere vom asiatischen Festland oder von der Insel Sumatra stammen könnten, hatten Wissenschaftler der US-amerikanischen Columbia Universität gemeinsam mit dem WWF mittels DNA-Tests bereits 2003 ausgeschlossen.
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