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Neuer Stil erwartet

Im niederländischen Königshaus steht ein Generationswechsel an. Auf Königin Beatrix folgt mit ihrem Sohn Willem-Alexander ein Monarch, der als lockerer und volksnaher gilt. Am 30. April, dem Krönungstag seiner Mutter und Geburtstag seiner Großmutter, wird er als König Willem IV. den Thron besteigen.

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Willem-Alexander wird der erste König seit dem Tod von König Willem III. 1890 sein, seitdem haben immer Frauen das niederländische Königshaus geführt. Von ihm wird ein neuer Stil erwartet, er soll sich im Gegensatz zu seiner Mutter etwa weniger in die Politik einmischen. Stattdessen soll er sich mehr an seiner Großmutter Königin Juliana orientieren, die für ihre Zurückhaltung bekannt war.

Kronprinz Willem-Alexander mit Königin Beatrix

AP/Peter Dejong

Kronprinz Willem-Alexander und Königin Beatrix

Willem-Alexander (45) ist der älteste Sohn aus Beatrix’ Ehe mit dem 2002 verstorbenen Prinzen Claus. Der zweitälteste Sohn Friso verunglückte 2012 schwer im österreichischen Skiort Lech und liegt seitdem im Koma. Der jüngste Sohn heißt Constantijn. Willem-Alexander hat mit seiner Frau Prinzessin Maxima (41) drei Kinder: Amalia (9), Alexia (7) und Ariane (5). Amalia ist auf Platz zwei der niederländischen Thronfolge.

„Perfekt vorbereitet“

Als Student war Willem-Alexander für seine Liebe zum Bier bekannt, das brachte ihm den Spitznamen „Prinz Pilsje“ ein. Mittlerweile ist er UNO-Experte für Wasser- und Umweltschutz und vertritt seine Mutter bereits seit Jahren bei verschiedensten Verpflichtungen im In- und Ausland. Seit 2002 ist er mit der als bodenständig geltenden Argentinierin Maxima verheiratet. Sie gilt als das beliebteste Mitglied des Königshauses.

Willem-Alexander und Maxima seien „bestens auf ihre zukünftige Aufgabe vorbereitet“, so Königin Beatrix am Montagabend bei ihrer im TV ausgestrahlten Ankündigung, als Königin abdanken zu wollen und das Amt am 30. April an Willem-Alexander zu übergeben. Auch der niederländische Regierungschef Mark Rutte zollte dem künftigen König Respekt: „Er und Prinzessin Maxima sind perfekt vorbereitet für diese Aufgabe.“

200 Jahre Monarchie

Doch nicht nur offizielle Stellen sind von seinen Fähigkeiten überzeugt, auch die Niederländer selbst vertrauen Willem-Alexander: „Er kann es“, sagte ein Mann am Montagabend im niederländischen Radio. Umfragen zufolge glauben die meisten Niederländer, dass Kronprinz Willem-Alexander gut auf seine Funktion als König vorbereitet ist.

Beatrix verstand sich als politische Monarchin. Sie schaltete sich wiederholt in die Politik und in gesellschaftliche Debatten ein und beriet sich mit Ministern, Botschaftern und Vertretern der Zivilgesellschaft. Ihr eigener Geburtstag und der 200. Geburtstag der Monarchie seien für sie der Anlass zum Rücktritt, so die Monarchin bei ihrer TV-Ansprache am Montagabend.

„In die Hände einer neuer Generation“

„Ich trete nicht ab, weil mir das Amt zu schwer geworden ist, sondern aus der Überzeugung, dass die Verantwortung für unser Land nun in den Händen einer neuen Generation liegen muss“, sagte Beatrix. Sie übergebe „mit der größten Zuversicht“ an ihren Sohn. Auch Beatrix’ Mutter Juliana war nicht bis zu ihrem Lebensende Königin, sondern hatte zugunsten von Beatrix abgedankt.

Niederländische Königin Beatrix

APA/EPA/Giorgio Benvenuti

Königin Beatrix beim „Koninginnedag“

Beatrix wurde am 30. April 1980, dem Geburtstag ihrer Mutter, zur Königin gekrönt. Am „Koninginnedag“ feiert das ganze Land mit Volksfesten und riesigen Flohmärkten den Geburtstag der Königin, der eigentlich am 31. Jänner ist. Den heurigen 75. Geburtstag will Beatrix laut eigenen Angaben ruhig und nur im kleinen Kreis feiern.

Geordnete Übergabe

Bereits seit einiger Zeit mehrten sich Hinweise auf einen anstehenden Thronwechsel. Wichtige Funktionen am königlichen Hof wurden neu besetzt, der Einfluss der Königin auf die Politik wurde eingeschränkt. Offiziell ist Beatrix als Staatsoberhaupt noch Mitglied der Regierung. Im vergangenen Jahr entzog ihr allerdings das Parlament die Initiative bei der Bildung einer Koalition.

Der Moment scheint günstig. Nach zehn Jahren mit fünf Parlamentswahlen scheint nun wieder mehr politische Stabilität im Land eingekehrt zu sein. Beatrix selbst hatte in einem ihrer seltenen Interviews angegeben, dass sie ihrem Sohn einen leichten Start ermöglichen will. Der niederländische Regierungschef Rutte würdigte unmittelbar nach ihrer Ansprache den unermüdlichen Einsatz der Monarchin für das Land: „Sie ist zu einer niederländischen Ikone geworden."

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