Europäer bleiben hinter Boeing zurück
Trotz eigener Erfolgsmeldungen und des Desasters beim „Dreamliner“ des Rivalen Boeing verzichtet der Flugzeugbauer Airbus auf Schadenfreude. Mit Blick auf das Flugverbot für die Konkurrenz hielt sich die Airbus-Spitze bei ihrer Jahresbilanz Mitte Jänner auffällig zurück, auch weil Boeing nach dem letzten Jahr wirtschaftlich deutlich besser dasteht als Airbus.
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Er wolle „nicht auf die Probleme der Konkurrenz wetten, um den eigenen Erfolg zu sichern“, sagte Konzernchef Fabrice Bregier in Toulouse. Für das laufende Jahr zeigte sich Airbus optimistisch: Der Flugzeughersteller rechnet mit Bestellungen für 700 Passagiermaschinen und 30 Militärflugzeuge. Mehr als 600 Flugzeuge sollen ausgeliefert werden. Bregier kündigte für 2013 rund 3.000 Neueinstellungen an, nachdem 2012 bereits 5.000 zusätzliche Beschäftigte angeheuert wurden.
A320 als „Cash Cow“
Nach einem neuerlichen Rekordjahr will Airbus die Zahl seiner ausgelieferten Flugzeuge weiter kontinuierlich steigern. Im vergangenen Jahr übergab die wichtigste Tochter des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS 588 Maschinen an ihre Kunden. Im Jahr 2011 hatte Airbus laut Bregier 534 Modelle abgeliefert. Insgesamt seien 89 Kunden beliefert worden, darunter 17 neue. In den Büchern hat Airbus nun 4.682 Bestellungen im Wert von 638 Mrd. US-Dollar (480,5 Mrd. Euro).
Im laufenden Jahr will Airbus die Zahl der Auslieferungen auf mehr als 600 steigern. Trotzdem lag der europäische Konzern 2012 beim Marktanteil erstmals seit neun Jahren hinter dem US-Rivalen Boeing. Für die verkauften Flugzeuge errechnete Verkaufschef John Leahy einen Airbus-Anteil von 41 Prozent 2012. Grundlage des Erfolgs bleibt der A320, von der 455 Maschinen ausgeliefert wurden - 34 mehr als im bisherigen Rekordjahr 2011.
Bescheidene Nachfrage nach Riesenairbus
Auf dem Markt der „Single-Aisle-Flugzeuge“ (Flugzeugklasse mit nur einem Mittelgang) sieht sich Airbus deutlich vor der Konkurrenz, bei den Bestellungen insgesamt mit 62 Prozent des neuen A320neo vor 38 Prozent der 737 MAX von Boeing. Beim Flaggschiff, dem riesigen A380, schaffte Airbus das eigene Ziel von 30 ausgelieferten Flugzeugen, vier mehr als im Vorjahr. Allerdings gab es nach den Haarrissen in den Tragflächen, fälligen Reparaturen und dem damit verbundenen Imageschaden nur neun neue Bestellungen.
Für dieses Jahr erwarte Airbus rund 25 Bestellungen für den Superjumbo. Ebenso viele Maschinen sollten ausgeliefert werden. Die Probleme mit dem Riesenairbus sind laut Bregier nun jedoch überwunden. Von 2014 an will Airbus jährlich 60 dieser Flugzeuge mit zwei Passagierdecks an die Kunden ausliefern. Für einen A380 müssen Kunden künftig einen Listenpreis von 403,9 Mio. US-Dollar hinblättern. Allerdings sind in der Branche satte Abschläge üblich, bei Großaufträgen auch 50 Prozent und mehr.
„Boeing wird Problem in den Griff bekommen“
Die Entwicklung des neuen A350 sieht Bregier auf gutem Weg. Nach den anfänglichen Verzögerungen sei der erste Flug weiterhin für Mitte des Jahres geplant. Konsequenzen aus den Problemen der „Dreamliner“ von Boeing für die Mittelklasseflugzeuge von Airbus sieht Bregier zunächst nicht. So habe der A350 von Airbus gegenüber der 787 von Boeing eine komplett andere Architektur der Flugzeugelektrik. Zudem werde „Boeing dieses Problem in den Griff bekommen.“
Im Militärbereich soll der A400M nach zahlreichen Verzögerungen nun im ersten Quartal seine Zulassung bekommen und Einkünfte auch abseits des Zivilbereichs schaffen. Die erste Auslieferung an die französische Armee plant Bregier für das zweite Quartal. Im Hinblick auf die Mitarbeiterzahl baut Airbus nach einem Abbau von gut 10.000 Stellen in den Jahren 2007 bis 2009 seinen Personalbestand nun wieder aus. Seit 2011 wurde die Zahl der Beschäftigten um 7.000 auf derzeit 59.000 aufgestockt.
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