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Regeln auf „Dreamliner“ hingeschrieben

Japan hat vor der Erstauslieferung von Boeings „Dreamliner“ die Sicherheitsstandards für die Maschine gelockert. Das geht aus Unterlagen und Berichten von Teilnehmern der damals entscheidenden Expertenrunde hervor, auf die sich die Nachrichtenagentur Reuters exklusiv beruft. Damit sollten japanische Firmen unterstützt werden, die rund 35 Prozent der Bauteile der 787 liefern.

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Es sind genau jene Komponenten des Flugzeugs, die nun nach einer Pannenserie mit unklarem Grund die US-Ermittler beschäftigen: Vom Karbon in den Flügeln des neuartigen Flugzeugs über die Elektronik bis zu den Batterien und ihrer komplexen Steuerung und Überwachung ist die 787 ein „japanisches Flugzeug“. Ungeklärt ist allerdings, ob die eigens für das Flugzeug gelockerten Vorschriften tatsächlich ursächlich für die Pannenserie sind.

Zugeständnisse nach Lobbying

Fest steht laut Reuters jedenfalls, dass die Zugeständnisse, die das Beratergremium des japanischen Verkehrsministeriums in Sicherheitsfragen damals machte, auf Druck der beteiligten Firmen und auch der späteren „Dreamliner“-Kunden All Nippon Airways (ANA) und Japan Airlines (JAL) erfolgten. Dabei ging es etwa um manuelle Inspektionen des Flugzeugs nach Flügen sowie um die beschleunigte Zulassung von Piloten für Flüge mit der 787.

Die beiden japanischen Fluggesellschaften haben rund die Hälfte aller weltweit ausgelieferten 50 „Dreamliner“ im Dienst. Der „Dreamliner“ ist derzeit auf Anordnung mehrerer Flugbehörden auf unbestimmte Zeit auf dem Boden, nachdem es Probleme mit den Batterien gegeben hatte. ANA strich am Wochenende alle „Dreamliner“-Flüge bis 18. Februar. Die Fluggesellschaft rechnet demnach nicht mit einer schnellen Lösung der Probleme.

Fluglinien schweigen zu offenen Fragen

„Ich glaube, dass die anfänglichen Anfragen für Änderungen von den Fluggesellschaften kamen. Letztlich war es eine Diskussion, um die operativen Kosten für die Fluggesellschaften zu senken“, zitierte Reuters den damals involvierten Berater Masatoshi Harigae. Laut Angaben der Nachrichtenagentur wollten ANA und JAL nicht Stellung dazu beziehen. Die japanischen Behörden argumentieren, man habe die Standards lediglich dem in anderen Ländern üblichen Niveau angeglichen.

In den Unterlagen findet sich laut den Angaben jedoch der explizite Verweis darauf, dass die niedrigeren Sicherheitsvorschriften dazu führen sollten, dass man „die Vorteile der Einführung der 787 schnell umsetzen kann“. 40 Vorschriften wurden damals neu abgefasst, von zumindest fünf profitierte die japanische 787-Fertigung direkt. In vier davon wird direkt auf den „Dreamliner“ verwiesen. Die nun als Fehlerquelle ausgemachte Akkumulatorarchitektur der 787 ist von den Vorschriften allerdings nicht im Besonderen betroffen.

Causa beschäftigt schon Diplomaten

Allerdings zeigen die Vorgänge, wie eng die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Boeing und seinen japanischen Zulieferern sind - und auch wie einflussreich die Fluggesellschaften. Japan - und da im Speziellen Mitsubishi Heavy Industries Ltd. - ist inzwischen zu einem vollwertig risikobeteiligten Partner von Boeing herangewachsen: Bei der Flugzeugserie 767 betrug der japanische Anteil ein Fünftel, bei der 777 schon ein Viertel. An der nunmehr 35-prozentigen Partnerschaft bei der 787 hängen in Japan 65 Firmen mit 22.000 Jobs.

Entsprechend schief hängt derzeit der Haussegen zwischen Japan und den USA - umso mehr, als sich die US-Untersuchungsbehörde zumindest nach außen hin nur auf japanische Komponenten als mögliche Fehlerquelle für die 787-Pannen konzentriert. Dabei hatte man zuerst den Akkuzulieferer im Visier, nun aber den Hersteller der Akkusteuerungseinheiten. Die Causa beschäftigt auch bereits Diplomaten: Bei einem Treffen letzte Woche seien die „Konsequenzen auf wirtschaftlicher und politischer Ebene“ besprochen worden, so Reuters.

Boeing mit dem Rücken zur Wand

Konsequenzen bedeutet das Fiasko vor allem für Boeing. Immer lauter rufen die betroffenen Fluglinien nach Entschädigungen. Man stehe in Gesprächen mit den Kunden, erklärte dazu Boeing am Montag, „aber die Details sind vertraulich“. Allfällige Entschädigungen dürften aber kaum ins Gewicht fallen, sollte sich das Problem bei der 787 als grundsätzlich herausstellen - denn noch immer lässt Boeing aus wirtschaftlichem Druck heraus die Produktion weiterlaufen, in unverändertem Design und im vollen Wissen, dass man damit ein fehlerhaftes Flugzeug herstellt.

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