Die Hollywood-Auslandspresse hat den Film „Argo“ als bestes Filmdrama ausgezeichnet. Der Film von Ben Affleck - in Österreich als Viennale-Eröffnungsstreifen zu sehen - durfte auch den Regie-Globe für sich verbuchen. Damit gewann er die prominentesten Golden Globes des Jahres 2013.
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Der Film thematisiert Ereignisse während der iranischen Revolution in den Jahren 1978 und 1979. Damals wurde die US-Botschaft in Teheran gestürmt, 52 Angehörige der US-Botschaft in Teheran gerieten in Geiselhaft. Sechs konnten sich allerdings rechtzeitig heimlich in die Residenz des kanadischen Botschafters retten.
Aberwitzig - und dennoch wahr
Was folgt, klingt wie ein Drehbuch, ist aber historisch belegt. Das US-Außenministerium beauftragte einen CIA-Agenten damit, eine Möglichkeit zu finden, wie man mitten aus Teheran sechs Amerikaner herausholen kann, die noch dazu sehr amerikanisch ausschauen, ohne dass sie wie viele andere Opfer der Revolution öffentlich gelyncht werden. Er schlug einen aberwitzigen Plan vor: Die sechs sollten mit gefälschten kanadischen Pässen unter seiner Anleitung ein Filmteam spielen, das ausgerechnet in Teheran nach einer Drehlocation sucht.
Der Agent wird von Regisseur Affleck selbst gespielt. Als Schauspieler kennt man ihn aus so unterschiedlichen Filmen wie „Dazed and Confused“ und „Armageddon“. Für das Drehbuch von „Good Will Hunting“ heimste er einen Oscar ein. Als Regisseur war Affleck bisher halbwegs erfolgreich mit einem Krimi („Gone Baby Gone“) und einem Actionfilm („The Town“). Nicht zu vergessen: Ben Afflecks längst beendete Beziehung zu Jennifer Lopez („Bennifer“).
Im falschen Film
Wäre „Argo“ eine Hausübung in der Volksschule, die Lehrerin hätte dem kleinen, 1972 geborenen Ben ein „brav!“ ins Heft geschrieben. Der Film ist enorm spannend - auch lustig, aufgrund des absurden Fake-Science-Fiction-Films, für den der Agent gemeinsam mit einem Maskenbildner, grandios verkörpert von John Goodman, und einem Produzenten (Alan Arkin) in nur einer Woche sämtliche Vorbereitungen, inklusive einer Pressekonferenz mit Kostümen, aus dem Boden stampft. Die Story mit den Location Scouts soll für die Iraner ja glaubhaft sein.
Affleck hielt sich in weiten Teilen an die historischen Fakten. Er castete sogar, bis hin zu Goodman, Schauspieler, die den historischen Figuren ähnlich sehen. Das Handwerk passt, Spaß und Spannung passen, die Story ist großartig - die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben selbst. Aber ein bisschen bieder ist Afflecks „Argo“ geraten. Der Film hätte genauso schon in den 70ern gedreht werden können - die Machart passt zu den Kostümen. „Argo“ ist ein Film aus dem Lehrbuch und hält als solcher keine großen Überraschungen bereit.
Patriotenkitsch mit kritischem Anstrich
Der reale CIA-Agent war mit Sicherheit ein mutiger Held, und so ist Afflecks Version der Geschichte auch ein Heldenepos. Die US-Außenpolitik wird kritisiert, weil sie Mitschuld hat an der Revolution im Iran, dann aber werden Amerika und die CIA umso mehr gefeiert, mit allen filmischen Mitteln, die Affleck zur Verfügung stehen. Auch sonst sollte man sich, vor allem gegen Ende, vor Kitsch nicht fürchten: Der Regisseur hat mit beiden Händen beherzt in die Gefühlskiste gegriffen.