Weiche Knie und Dankbarkeit
Die zwei österreichischen Nominierten bei der Golden-Globe-Gala haben es geschafft: Sowohl Christoph Waltz als auch Michael Haneke konnten ihren Erfolg von 2010 wiederholen und die Auszeichnung der Hollywood-Auslandspresse entgegennehmen. Beide sind auch für Oscars nominiert.
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Der Wiener Schauspieler Waltz (56) musste nicht lange auf seinen Nebenrollen-Globe warten: Die Trophäe für die beste Nebenrolle, die er für den Kopfgeldjäger King Schultz in dem Western „Django Unchained“ von Quentin Tarantino (der Regisseur erhielt überraschend den Drehbuchpreis) erhielt, war der erste Preis, der in der Nacht auf Montag bei der von den Komikerinnen Tina Fey und Amy Poehler pointiert moderierten Filmgala im Beverly Hilton Hotel in Beverly Hills vergeben wurde. Waltz gab sich backstage kurz nach der Verleihung überrascht: „Ich habe das nicht erwartet. Als mein Name aufgerufen wurde, haben meine Knie nachgegeben. Es ist unglaublich.“
Waltz jubiliert: „Ta-da!“
Waltz, dessen steile internationale Karriere mit Tarantinos „Inglourious Basterds“ begonnen hatte, hatte zuvor in seiner Rede der Hollywood-Auslandspresse gedankt und bewegt gesagt: „Es ist außergewöhnlich. Und, Quentin, Du weißt, dass meine Schuld Dir gegenüber und meine Dankbarkeit keine Worte kennen. Ich meine, Du hast mir diese Rolle anvertraut und mich auf diese Reise mitgenommen ... Tatsächlich ist das (der Golden Globe, Anm.) ein gutes Symbol für eine Reise.“
Danach dankte Waltz seinen zahlreichen „Reisegefährten“, darunter seinen Schauspielerkollegen Jamie Foxx, Leonardo DiCaprio und Samuel L. Jackson. Auch ein etwas kryptischer Dank folgte: „Und ich habe zwei Leuten zu danken, Bill Clark und Jeff Dashnell. Sie haben mir aus einer ziemlichen Klemme geholfen und mich buchstäblich wieder in den Sattel gesetzt. Und diese Reise war unglaublich. Um einen Satz meiner Figur auszuborgen, falls zufällig Astronomie-Aficionados unter Ihnen sein sollten: Der Polarstern ist es! Ta‐da!“
Haneke-Globe von Schwarzenegger und Stallone
Auf den Regisseur Haneke (70) wartete eineinhalb Stunden später eine Überraschung: Den Golden Globe für den besten nicht englischsprachigen Film, den Haneke mit seinem französischsprachigen Altersdrama „Amour“ (Liebe) erringen konnte, überreichten Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone, die beide Scherze über ihr schlechtes Englisch machten, das sie für diese Kategorie prädestiniere.

AP/NBC, Paul Drinkwater
Haneke widmet den Preis seinen Schauspielern
Haneke ging in seiner Dankesrede darauf ein: „Ich habe nie gedacht, dass ich eine Auszeichnung in Hollywood von einem Österreicher bekomme.“ Neben der Auslandspresse dankte er zahlreichen Mitarbeitern seines Teams - von der Promotion bis zur Produktion. Vor allem aber galt sein Dank den „Haupt-Hauptdarstellern“ Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva: „Ich glaube, ohne sie würde ich nicht hier sein. Und wenn dieser Preis in meiner Hand ist, glaube ich: Der Sockel ist vielleicht für mich und mein Team - aber der goldene Globus ist für diese überaus fantastischen Schauspieler. Vielen Dank!“
Hohe Oscar-Wahrscheinlichkeit
„Amour“, der im Rahmen des Film-Fernseh-Abkommens vom ORF kofinanziert wurde, ist bei den Oscars sowohl als bester Film als auch als bester nicht englischsprachiger Film im Rennen, der Regisseur selbst ist für die beste Regie und das beste Drehbuch nominiert. Seine Hauptdarstellerin Riva hat als beste Hauptdarstellerin die Chance, an ihrem 86. Geburtstag als älteste Oscar-Preisträgerin in die Geschichte einzugehen.
Die Golden Globes stellen ein verlässliches Zeichen für spätere Oscar-Ehren dar: Seit der ersten Vergabe 1944 durften sich 46 Globe-Sieger auch bei den Academy Awards über die wichtigste Auszeichnung freuen. Waltz ist für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert.
Zeitige Faymann-Gratulation
Kurz vor 5.30 Uhr trafen offenbar bereits vorbereitete Presseaussendungen mit Gratulationen von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) ein: „Michael Haneke gehört nicht erst jetzt zu den bedeutenden Protagonisten seiner Branche. Aber durch eine solche Auszeichnung muss nun wirklich jedem klar sein, dass er in einem Atemzug mit den ganz großen Filmschaffenden zu nennen ist“, hieß es in seinen Aussendungen. Und: „Ich freue mich sehr, dass die schauspielerische Leistung von Christoph Waltz in ‚Django Unchained‘ mit einem so prestigeträchtigen Preis gewürdigt wurde.“
Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) lobte in ihrer Würdigung den „herausragenden Erfolg“ und gratulierte „von ganzem Herzen“. Auch Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle reihte sich in den Gratulantenreigen ein und sah in Hanekes Erfolg einen Beleg für „die hohe Qualität der Lehrenden und der Ausbildung an den heimischen Hochschulen“. Haneke hält eine Professur an der Wiener Filmakademie. Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) dachte in seiner Gratulation schon weiter: „Den Oscars steht nun nichts mehr im Wege.“ Auch Bundespräsident Heinz Fischer gratulierte den beiden Preisträgern.
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz sprach in seiner Würdigung der beiden Künstler von „hochverdienter“ Anerkennung, ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner von einer Auszeichnung „für Unbeirrbarkeit und einen eigenständigen Weg“.
Argo großer Gewinner - Spielberg enttäuscht
Abgesehen von den Österreichern wurde bei den Golden Globes der Film „Argo“ als bestes Filmdrama ausgezeichnet. Der Streifen von Ben Affleck, der auch den Regie-Globe entgegennehmen durfte, gewann den prominentesten Globe des Abends und stach damit den großen Favoriten aus - Steven Spielbergs Historiendrama „Lincoln“ mit sieben Nominierungen. Doch bei der Preisgala in der Nacht auf Montag gab es nur eine Goldene Weltkugel für „Lincoln“-Darsteller Daniel Day-Lewis.
Als beste Hauptdarstellerin wurde Jessica Chastain für ihre Rolle als CIA-Agentin in dem Politthriller „Zero Dark Thirty“ von Kathryn Bigelow ausgezeichnet. Als beste Komödie/Musical wurde Tom Hoopers Filmmusical „Les Miserables“ nach dem Roman von Victor Hugo geehrt. Auch die „Miserables“-Darsteller Hugh Jackman und Anne Hathaway wurden mit Goldenen Weltkugeln belohnt.
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