Gewerkschaften: „Nur Werbung“
Obwohl seit bereits 27 Jahren im Land, ist dem erfolgsverwöhnten US-Fast-Food-Konzern McDonald’s der erhoffte Durchbruch in Italien bisher verwehrt geblieben. Dennoch wird nun ausgerechnet in dem krisengeschüttelten südeuropäischen Land einer der größten Wachstumsmärkte der Zukunft geortet.
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Wie von McDonald’s angekündigt, sollen aus diesem Grund im Rahmen einer 457 Millionen US-Dollar (350 Mio. Euro) schweren Expansionsoffensive über hundert neue Filialen errichtet werden. Allein bis 2015 sollen in dem von einer Rekordarbeitslosigkeit geplagten Land 3.000 neue Jobs entstehen, wie in einer derzeit laufenden Werbekampagne versprochen wird.
Kaum Investitionen aus Ausland
Während McDonald’s laut eigenen Angaben groß in den italienischen Markt investieren will, zeigen sich andere ausländische Konzerne derzeit abwartend: Seit 2007 brach das Volumen ausländischer Investments um rund 30 Prozent ein.
„Wir glauben an Italien“
Man glaube an Italien, so die Botschaft in den von Oscar-Preisträger Gabriele Salvatores produzierten Werbespots. Betont patriotisch zeigt sich McDonald’s mit dem abgedruckten ersten Verfassungsartikel (Italien ist eine demokratische, auf die Arbeit gegründete Republik, Anm.) zudem in ganzseitigen Anzeigen in den großen Zeitungen des Landes.
Überzeugt vom Wachstumspotential zeigte sich im Reuters-Interview auch McDonald’s-Italien-Chef Roberto Masi. Selbst in der US-Zentrale werde Italien mittlerweile auf eine Stufe mit den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China und somit mit jenen Ländern gereiht, in denen in den kommenden zehn Jahren das größte Wachstum erwartet werde, so Masi. Auf der Liste findet sich den Angaben zufolge mit Spanien ein weiteres Euro-Krisenland, in dem McDonald’s mit zehn Prozent Marktanteil allerdings bereits viel stärker integriert ist als mit zwei Prozent in Italien.
Der Marktanteil in Italien soll nun in einem ersten Schritt auf zumindest drei Prozent gesteigert werden. Deutlich nach oben zeigen laut Reuters mit zuletzt rund einer Milliarde jedenfalls bereits die Umsatzzahlen der derzeit rund 450 italienischen Filialen. Auch die Belegschaft wurde in den letzten drei Jahren um 15 Prozent auf mittlerweile rund 20.000 erhöht.
Scharfe Kritik von Gewerkschaft
Von Letzterem wenig erfreut zeigen sich aber die Gewerkschaften. Von der größten Arbeitnehmervereinigung des Landes (Confederazione Generale Italiana del Lavoro, CGIL) wurde etwa kritisiert, dass es sich hier größtenteils um Teilzeitjobs handle - und damit das überhandnehmende Problem der Jugendarbeitslosigkeit kaum gelöst werden könne. Skeptisch betrachtet CGIL aber auch die angekündigten Expansionspläne des US-Konzerns und bezeichnete diese laut der Zeitung „Il Messaggero“ als reine Werbung.

APA/EPA/Roberto Ritondale
Italiens exklusivste McDonald’s-Filiale musste Prada Platz machen
Zu kämpfen habe McDonald’s in Italien laut Reuters aber auch nach wie vor mit einer „kulturellen Hürde“. Erst im vergangenen Oktober musste McDonald’s auf Druck der Mailander Stadtregierung in der nahe dem Dom gelegenen Galleria Vittorio Emanuele II einem Geschäft der Nobelmarke Prada Platz machen. Wohl nicht zuletzt wegen der angebotenen Gratisburger drängten sich zum Abschied rund 5.000 Menschen in die bis dahin wohl exklusivste Mc-Donald’s-Filiale des Landes.
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