Alternativen zu russischem Gas
Europa ist von russischem Gas abhängig. Erst kürzlich fand der Spatenstich zum zweiten großen russischen Gasprojekt, der Pipeline „South Stream“, statt. Doch die russische Dominanz zu umgehen, ist für die europäischen Staaten mehr als schwierig. Das Pipelineprojekt „Nabucco“ kommt seit Jahren nicht in die Gänge, Alternativpläne gibt es so gut wie keine - sehr zum Unmut der USA.
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Zu gut in Erinnerung ist noch der „Gaskrieg“ 2009 zwischen der Ukraine und Russland, als Moskau, respektive der russische Gasriese Gasprom, den Gashahn zudrehte und es zu wochenlangen Engpässen in der EU kam. Danach hatten die EU-Staaten ihre Lager ausgebaut und nach Alternativen wie etwa dem Projekt „Nabucco“ gesucht.

AP/Mikhail Metzel
Arbeiter bei der Spatenstichzeremonie für die Pipeline „South Stream“
Senator: Möglicher Erpressung entgehen
Der scheidende republikanische US-Senator Richard Lugar drängt nun die Regierung des demokratischen US-Präsidenten Barack Obama, Europa dabei zu helfen, sich aus der Energieabhängigkeit Moskaus zu befreien, wie die „Washington Post“ schreibt. Lugar schwebt dabei zuerst Unterstützung für die europäischen NATO-Partner vor. So sollen laut seinen Vorschlägen die USA Gas nach Europa liefern, um einer möglichen Erpressung einzelner Länder durch Russland zu entgehen.
Lugar spricht sich auch für eine neue Pipeline aus, die Gas aus Asien nach Europa mit der Umgehung Russlands liefert. Auch hier sollten die USA Europa unterstützen und Hilfestellungen - eben etwa bei „Nabucco“ - bieten. Auch die scheidende US-Außenministerin Hillary Clinton sieht die europäische Abhängigkeit als Problem an und rät den USA zur „Energiediplomatie“.
Flüssiggas aus USA soll Europa helfen
In einer kürzlich von Lugar vorgestellten Studie wird argumentiert, dass der Aufwind in der US-Erdgasproduktion in Kombination mit in Asien realisierbaren Gaspipelines bald die Möglichkeit gewähren werde, über verschiedene Wege Gas zu den europäischen NATO-Partnern zu liefern.
In den USA wird immer mehr Schiefergas gefördert. Schätzungen zufolge dürften die USA bis 2015 Russland als größten Erdgasproduzenten überholen. Durch die neue Förderungsmethode wurde der US-Gasimport drastisch reduziert, dadurch wurden auch die Preise für Europa reduziert. Der Zuwachs bei US-Gas soll nun nach dem Willen des US-Senators als Flüssiggas in Tankschiffen von den USA nach Europa geliefert werden.
„Nabucco“ äußerst wichtig
Die Studie streicht auch heraus, dass die USA die europäische Abhängigkeit ernster nehmen sollten. Die bisherige Linie sei, dass durch die vermehrte US-Produktion die russische Vorherrschaft auf dem Gasmarkt unterlaufen werde. Doch laut Lugar blieben auch dann europäische Staaten abhängig von Russland, denn ohne weiteren Ausbau und Unterstützung würden diese neuen Quellen nie ihre Märkte erreichen. Lugar sieht deshalb das „Nabucco“-Projekt als äußerst wichtig an.
Moskau stößt weiter auf Energiemarkt vor
Währenddessen stößt die Energiegroßmacht Russland mit dem Baubeginn für die rund 2.400 Kilometer lange Pipeline „South Stream“ weiter auf den europäischen Energiemarkt vor. Durch die Leitung soll ab 2015 Gas fließen. Die Gesamtkosten werden auf 16 Mrd. Euro geschätzt.
Durch insgesamt vier Stränge sollen dann jährlich bis zu 63 Mrd. Kubikmeter Gas strömen. Russland will wie mit der Ostseepipeline „Nord Stream“ vor allem den wachsenden Energiehunger in Europa stillen, der durch den Atomausstieg entsteht. Bedenken des Westens wegen einer immer größeren Abhängigkeit von Gas aus dem Riesenreich weist die Machtführung in Moskau freilich zurück.
2013 durch das Schwarze Meer
Offiziell heißt es bei Gasprom, „South Stream“ stille wie die bisher nicht ausgelastete Ostseepipeline „Nord Stream“ den wachsenden Energiehunger in der EU. Herzstück der „South Stream“-Leitung ist ein 925 Kilometer langer Abschnitt durch das Schwarze Meer, der Baubeginn ist erst im Laufe des nächsten Jahres angepeilt. Die 1.455 Kilometer lange Landleitung beginnt in dem bulgarischen Badeort Warna und endet an der italienischen Grenze in Tarvis.
Das maßgeblich von Wladimir Putin vorangetriebene Projekt gilt als Konkurrenz für das lange von der EU favorisierte „Nabucco“-Vorhaben, mit dem die Abhängigkeit von Russland gemindert werden soll. Experten sehen angesichts von „South Stream“ aber kaum Chancen für das Projekt, durch das Gas aus dem Kaspischen Meer unter Umgehung Russlands nach Europa transportiert werden sollte. Als wichtigster Partner hatte die Ex-Sowjetrepublik Aserbaidschan zuletzt eine kleinere Variante des Vorhabens ins Spiel gebracht.
„Nabucco“ kämpft ums Überleben
Bei dem einstigen Prestigeprojekt kämpft die OMV - sie ist federführend bei „Nabucco“ - mittlerweile ein Rückzugsgefecht. „Nabucco“ ist seit längerem von Verzögerungen gekennzeichnet, das Projekt kommt seit Jahren nicht recht voran. Das ursprüngliche Pipelineprojekt, das Gas aus dem kaspischen Raum nach Europa bringen sollte, bezeichnete OMV-Chef Gerhard Roiss Mitte Dezember im Klub der Wirtschaftspublizisten als „politische Pipeline“, während das nun als „Nabucco West“ bezeichnete kleinere Projekt eine „kommerzielle Pipeline“ sei.
Auch Partner traut Projekt nicht mehr
Das Gas für „Nabucco“ soll vor allem aus einem Gasfeld in Aserbaidschan kommen - Lieferverträge gibt es aber auch noch nicht. Die Pipeline soll Gas über die Türkei nach Europa leiten und damit Russland umgehen. Wegen der Schwierigkeiten erwägt der deutsche Energiekonzern RWE schon seit längerem, aus dem Projekt auszusteigen. Offenbar sollen die RWE-Anteile an die OMV gehen. Es sei „sehr unwahrscheinlich“, dass die ursprünglichen Geschäftsziele erreicht würden, so ein RWE-Sprecher erst kürzlich.
Zum „Nabucco“-Konsortium gehören außerdem der ungarische Konzern MOL, Transgaz aus Rumänien, Bulgargas aus Bulgarien und Botas aus der Türkei. EU-Energiekommissar Günther Oettinger hatte im Juli gesagt, „Nabucco“ könne zumindest von der Türkei aus nach Österreich gebaut werden.
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