Ein neuer Freund und viele neue Feinde
Der französische Filmstar Gerard Depardieu ist offiziell Russe. Der 64-Jährige holte sich Anfang Jänner seinen neuen russischen Pass persönlich in Russland ab. Es habe ein „kurzes Treffen“ des Schauspielers mit Staatschef Wladimir Putin in dessen Ferienresidenz in Sotschi am Schwarzen Meer gegeben, sagte Putins Sprecher Dimitri Peskow der Nachrichtenagentur AFP.
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Außerdem sei Depardieu sein neuer Pass ausgehändigt worden. Auf die Frage, ob Putin das Dokument überreicht habe, antwortete sein Sprecher schlicht mit „Nein“, ohne weitere Angaben zu machen.
„Über weitere künstlerische Pläne gesprochen“
Das russische Fernsehen zeigte Bilder von dem Treffen. Zu sehen war, wie Depardieu und Putin einander umarmten und zusammen aßen. Laut Übersetzung sprach Depardieu seinen Gastgeber auf einen Film an, in dem er den mysteriösen russischen Mönch Rasputin verkörperte, der großen Einfluss auf Russlands letzten Zar Nikolaus II. hatte. „Der Präsident hat mit Herrn Depardieu über dessen weitere künstlerische Pläne und eine Reihe weiterer Fragen gesprochen“, sagte Peskow. „Anlässlich des Aufenthalts wurde ihm der russische Pass übergeben.“

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Neben Putins Gastfreundschaft dürfte Depardieu vor allem der russische Einheitssteuersatz von 13 Prozent auf alle Einkommen gelockt haben
Putin hatte Depardieu am Donnerstag per Dekret die russische Staatsbürgerschaft zugesprochen. Zuvor hatte der Filmstar im Streit mit der französischen Regierung über hohe Steuern ein Haus in Belgien gekauft, um weniger Abgaben zahlen zu müssen. Putin hatte Depardieu bei einer großen Pressekonferenz am 20. Dezember halb im Scherz einen russischen Pass angeboten. Die Affäre schlägt in Frankreich hohe Wellen.
Depardieu äußert sich nicht zu Vorgängen
Bisher hatte sich der Schauspielstar nicht persönlich zu seinen Staatsbürgerschaftsplänen geäußert. Letzte Woche geisterte lediglich ein angeblich von ihm verfasster Brief durch die Medien, in dem es hieß, Depardieu freue sich, dass seiner Bitte um die russische Staatsbürgerschaft „stattgegeben“ worden sei.
Danach spielte er sein Katz-und-Maus-Spiel mit der Presse, die ihm seither dicht auf den Fersen war, weiter - nicht anders am Samstag. Da hieß es erst, Depardieu sei per Charterflug auf dem Weg nach Russland, bis tatsächlich Peskow einen anstehenden Termin beim Präsidenten gegenüber dem Radiosender Echo Moskwy bestätigte. Danach herrschte wieder Funkstille. Nur so viel: „Wir schließen die Möglichkeit nicht aus“, dass Depardieu bei dem Treffen mit dem Kreml-Chef auch seine neuen russischen Reisedokumente in Empfang nehmen werde. Diese seien jedenfalls schon fertig.
Steuerstreit als Auslöser
Der 64-jährige Depardieu und die französische Regierung liegen sich wegen der hohen Steuern in seiner Depardieus bisheriger Heimat in den Haaren. In dem vergangene Woche aufgetauchten Brief hieß es auch, Depardieu habe mit Frankreichs Staatspräsidenten Francois Hollande über seinen Staatsbürgerschaftswechsel gesprochen.

Reuters/Jean-Paul Pelissier
Depardieu gilt als barocker Genussmensch
„Ich habe ihm all das gesagt. Er weiß, dass ich Ihren Präsidenten Wladimir Putin sehr schätze und dass das gegenseitig ist“, hieß es in dem Text. Russland sei kein Land, in dem der Regierungschef einen Bürger „erbärmlich“ nenne. Der französische Premier Jean-Marc Ayrault hatte Depardieus Plan, aus Protest gegen eine geplante Reichensteuer von 75 Prozent auf Einkommen von mehr als einer Million Euro im Jahr auszuwandern, als „ziemlich erbärmlich“ kritisiert. In Russland gilt allgemein ein Steuersatz von 13 Prozent.
Zum großen Russland-Fan avanciert
Depardieu ist in Russland, wo er regelmäßig Filme dreht, Galas besucht und als Werbefigur gefragt ist, äußerst populär. Putin bezeichnete ihn unlängst als „Freund“. In seinem angeblichen Schreiben versprach Depardieu auch, Russisch zu lernen. „Mein Vater war Kommunist und hat Radio Moskau gehört. Das ist ein Teil meiner Kultur.“ Der Brief „an die russischen Journalisten“ endet mit dem auch bei Nationalisten beliebten Ruf „Ehre sei Russland“.
„Die russische Opposition hat kein Programm, nichts“, sagte Depardieu in einem Interview im russischen Fernsehen vom Sonntag. Zwar gebe es dort „intelligente Leute“ wie den ehemaligen Schachweltmeister Garri Kasparow - „aber nur wenn es um Schach geht“. Die Politik sei dagegen viel komplizierter, sagte Depardieu bei dem in Aserbaidschan geführten Interview, wo er sich zu Filmarbeiten aufhält, nach Angaben der Agentur RIA Nowosti.
Kritik an Pussy Riot
In einem Teil der Sendung, die offenbar mit versteckter Kamera aufgenommen wurde, äußerte sich Depardieu auch zur Verurteilung von Mitgliedern der Punk-Band Pussy Riot wegen eines Putin-kritischen Protests in einer Moskauer Kathedrale. Die Franzosen kritisierten gern wie im Fall der Frauen von Pussy Riot, sagte der Schauspieler. „Stellen Sie sich vor, dass diese Mädchen zum Beispiel in eine Moschee gegangen wären. Sie wären da nicht mehr lebend rausgekommen. Selbst in der katholischen Welt wäre das schrecklich geworden. Aber wenn ich das in Frankreich sage, dann hält man mich für einen Idioten.“
Pariser Luxusdomizil vor Verkauf
Wegen seiner Steuerflucht aus Frankreich besitzt Depardieu jenseits der nördlichen Landesgrenze im belgischen Örtchen Nechin ein schmuckloses altes Zollhaus. Der Bonvivant Depardieu („Einzig der Luxus ist dem Menschen angemessen“) ist auch für seinen exzessiven Lebensstil bekannt. Er trinkt gern und besitzt Weingüter. Er isst gern und besitzt Edelrestaurants in Paris. Rund 80 Angestellte sollen mittlerweile für den 64-Jährigen arbeiten. Seine Villa Hotel de Chambon in Paris Saint-Germain steht nun zum Verkauf.
Auch Bardot findet Gefallen an Russland
Zuletzt schloss nun auch die französische Schauspielerin und Tierschützerin Brigitte Bardot ein baldiges Treffen mit Putin nicht aus. Der sei „sehr human“ und habe „mehr für den Tierschutz getan als alle unsere Präsidenten“, sagte sie der Zeitung „Nice-Matin“. Die 78-Jährige droht damit, wie Depardieu die russische Staatsbürgerschaft zu beantragen, falls zwei Zirkuselefanten im französischen Lyon getötet würden. Bei den Tieren besteht Verdacht auf Tuberkulose. Putin hatte sich in Medien - etwa mit sibirischen Tigern - mehrfach als Tierschützer inszeniert.
Depardieu und Bardot müssen für ihre lobenden Worte für Putin allerdings auch heftige Kritik einstecken. In dem Brief, den das russische Fernsehen veröffentlicht hatte, hatte Depardieu auch gemeint, Russland sei „eine große Demokratie“. Dazu sagte der Journalist Matwei Ganapolski im oppositionellen Radiosender Echo Moskwy: „Wir werden es niemals vergessen und ihm diesen Satz niemals verzeihen.“
Scharfe Kritik äußerte auch der französisch-deutsche Grünen-Europapolitiker Politiker Daniel Cohn-Bendit. Er nannte Depardieu und Bardot „ausgesprochene Dummköpfe“. Wenn sie sich „zu Putin ins Bett legen wollen, dann sollen sie es tun, damit ist die Angelegenheit geregelt“, sagte er dem Sender BFMTV. Die spanische Zeitung „El Mundo“ titulierte Depardieu als einen „Diktatorenfreund“.
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