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Ein „Heimathafen“ für die Sängerknaben

Vor über 500 Jahren hat Kaiser Maximilian I. mit der Bestellung der Hofsängerknaben den Grundstein für die Wiener Sängerknaben gelegt. Nun bekommt einer der ältesten Bubenchöre der Welt erstmals ein eigenes Musiktheater: Unter dem Namen MuTh wird das lange von Bürgerinitiativen bekämpfte Konzert- und Theaterhaus im Wiener Augarten nun eröffnet.

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Der „Konzertkristall“ (wie das MuTh in der Konzeptionsphase genannt wurde) ist quasi ein Kontrastprogramm zu den hellgelb-weißen Mauern des denkmalgeschützten Altbaus, an die es direkt angebaut ist. Das von der Oberen Augartenstraße sichtbare alte Pförtnerhäuschen wurde außen als Barockbau erhalten und innen renoviert, mit einem modernen Kassabereich und einem Pausencafe in das Nutzungskonzept eingebunden.

Konzertsaal der Wiener Sängerknaben: Außenansicht

ORF.at/Thomas Hangweyrer

Das Eingangsportal auf der Augartenseite

Ein Musikbunker an barocker Mauer

Typisch für moderne Architektur dominieren am Neubau Glas, dunkle Schindeln und schräge Dachflächen. Entgegen der von außen eher kühlen, fast bunkerartigen Ästhetik entpuppt sich das Gebäude im Inneren jedoch als helles und luftiges Platzwunder: Auf drei Ebenen befinden sich neben dem Konzertsaal, der Bühne, Pausenfoyers und einem Cafe auch modern ausgestattete Garderoben, Toilett- und Duschanlagen, Büros und Lagerräume.

Das Herzstück des Gebäudes ist eine zwölf mal neun Meter große Bühne, die je nach Bedarf als Konzert- oder Theaterspielstätte verwendet werden kann, erklärt die Direktorin des neuen Betriebs gegenüber ORF.at. Durch einen Beamer und eine Leinwand kann der Saal auch für Filmvorführungen benutzt werden, der Orchestergraben lässt sich komplett abdecken oder zur Bühnenerweiterung anheben. Für die Akustik im 400 Zuschauer fassenden Saal zeichnet Karl Bernd Quiring verantwortlich, der etwa bereits den Gläsernen Saal im Musikverein und das neue Musiktheater in Linz konzipiert hat.

Finanzierung über Privatstiftung

Veranschlagt wurden zwölf Millionen, gekostet hat der Saal schließlich 15 Millionen Euro. Finanziert wird der Bau über die Wiener Sängerknaben Privatstiftung, hinter der Investor Peter Pühringer steckt. Das künstlerische Budget muss das Musiktheater langfristig jedoch selbst erwirtschaften. Steuergelder seien, so Hesse, weder für den Bau noch für die Bespielung des Hauses aufgewendet worden, kontert Hesse Kritikern des Sängerknaben-Saals.

Konzertsaal der Wiener Sängerknaben

ORF.at/Thomas Hangweyrer

Imagepolitur der Sängerknaben

Mit der Eröffnung geht für Hesse auch eine Neupositionierung der Sängerknaben in Österreich einher. Gängige Klischees, wie das Bild vom Knabenchor als reinem Tourismusexport will man so entkräften. Szenische Projekte der vier Knabenchöre habe es immer gegeben, bisher aber weitgehend unter Ausschluss der heimischen Öffentlichkeit - und vor allem ohne eine entsprechend ausgestattete Bühne.

„Benjamin Britten hat für die Sängerknaben ‚The Golden Vanity geschrieben‘, eine Kinderoper“, erzählt Hesse. Überhaupt: Auch moderne Musik bildet einen wesentlichen Bestandteil des Sängerknaben-Repertoires. „Es ist auch ein großer Wunsch, mit Wien Modern zusammenzuarbeiten. Ich glaube, der Raum mit den 400 Plätzen ist ideal für moderne Musik.“

Konzertsaaldirektorin Elke Hesse

ORF.at/Thomas Hangweyrer

Die Wienerin Elke Hesse ist als Direktorin für das neue Theater verantwortlich

Fokus auf Nachwuchsförderung

Als zweite Säule des Betriebs sieht Hesse die Nachwuchsförderung - nicht nur für Schüler und Schülerinnen der Sängerknaben-Einrichtungen. Geplant ist etwa die Gründung eines eigenen Orchesters für den Saal, verschiedene Workshops und die Austragung von Wettbewerben.

Auf dem Programm steht auch die Entwicklung, Komposition und Realisierung einer Oper durch Jugendliche des Oberstufenrealgymnasiums der Sängerknaben im Rahmen einer Opernwerkstatt - „theoretisch kann da Hip-Hop auf Avantgarde treffen“. Als dritten Schwerpunkt nennt Hesse Kooperationen mit anderen Kulturinstitutionen wie dem Dschungel Wien, der Volksoper und dem ImPulsTanz-Festival. Komplett wird das Programm durch Vermietungen für Events unterschiedlichster Natur.

„Mut“-Kongress im MuTh

„MuTh soll für das Verbindende stehen. Zwischen Jung und Alt, zwischen arrivierten Künstlern und dem Nachwuchs“, wünscht sich die Direktorin, und richtet Mitte Dezember in der Eröffnungssaison einen Kongress zum Thema „Mut“, kuratiert von Carmen Brucic, aus.

TV-Hinweis

Das Eröffnungskonzert wird am 16. Dezember in der „Matinee“ in ORF2 und um 15.45 in ORF III gezeigt.

Die offizielle Eröffnung findet am 9. Dezember statt, neben einem Konzert der Sängerknaben mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Franz Welser-Möst lädt das MuTh zu einem Tag der offenen Tür, Installationen von Christine Haller und Wolfgang Schmitke verwandeln den Garten vor dem Saal in einen „Kinder Winter Zauber Klang Garten“ (bis 9. Jänner).

Sophia Felbermair, ORF.at

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