Anfänge von Affäre liegen Jahre zurück
Die außereheliche Affäre, die CIA-Chef David Petraeus das Amt gekostet hat, wirft viele Fragen auf - vor allem jene, ob dadurch die US-Sicherheit gefährdet wurde. Doch auch Unklarheiten über das Ausmaß und die Zahl der Beteiligten und darüber, ob der Skandal bis nach der US-Präsidentenwahl bewusst geheim gehalten wurde, bleiben vorerst. Eine Chronologie laut Aussagen offizieller Stellen:
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Frühling 2006: Die Militärreservistin und Harvard-Studentin Paula Broadwell trifft auf Petraeus, der dort als damaliger Generalleutnant einen Vortrag über Taktiken gegen die Unruhen im Irak hält.
Jänner 2007: Petraeus wird vom US-Senat als befehlshabender General für die US-Truppen im Irak bestätigt.
2008: Broadwell wählt als Dissertationsthema eine Fallstudie über Petraeus’ Führungsqualitäten. Er lädt sie ein, an einem seiner üblichen „Teamläufe“ - Langstreckenläufen und zugleich Besprechungen - entlang des Potomac-Flusses teilzunehmen.
Oktober 2008: Petraeus wird zum Oberkommandierenden des US-Militärs ernannt. Sein Lebensmittelpunkt verlagert sich in die MacDill-Luftwaffenbasis bei Tampa, Florida. Dort schließen Petraeus und seine Ehefrau Holly Kontakt zur jungen Jill Kelley und deren Ehemann, die Teil des Gesellschaftslebens der dortigen US-Militärelite sind.
30. Juni 2010: Der US-Senat bestätigt Petraeus als Einsatzverantwortlichen für Afghanistan. Im Laufe der folgenden zwölf Monate wächst sich Broadwells Dissertationsprojekt zu einer autorisierten Biografie über Petraeus aus. Sie reist mehrmals nach Afghanistan und hat dort Zugang zu Petraeus und der gesamten US-Militärführung in Afghanistan.
6. September 2011: Petraeus wird zum CIA-Direktor bestellt. Bei der Angelobung ist seine Frau Holly an seiner Seite. Broadwell bleibt mit Petraeus in Kontakt und wird auch in sein Büro eingeladen, unter anderem für einen PR-Auftritt von Schauspielerin Angelina Jolie.
November 2011: Petraeus und Broadwell beginnen laut Angaben des früheren Militärkollegen Steve Boylan eine Affäre.
24. Jänner 2012: Broadwells Biografie „All In: The Education of General David Petraeus“ erscheint.
30. Jänner 2012: In einem Interview mit einer Lokalzeitung aus ihrer Heimatstadt schwärmt Broadwell von Petraeus als „inspirierende Figur“, die sich immer um ihre Untergebenen kümmere.
Mai 2012: Kelley bekommt die ersten von mehreren anonymen und herabwürdigenden Droh-E-Mails. Sie wendet sich an das FBI, das eine Untersuchung beginnt.
Sommer 2012: Das FBI verfolgt die Mailspur zurück bis zu Broadwell. Das FBI stößt auf ein privates Gmail-Konto mit einem Alias-Namen, das Petraeus gehört. Der Mailverkehr führt zum Verdacht, dass die beiden eine Affäre haben. FBI-Chef Robert Mueller wird verständigt. Im Verlauf der Untersuchung werden auch Petraeus und Broadwell vernommen.
Juli 2012: Laut Petraeus’ Freund Boylan endet die Affäre zwischen dem CIA-Chef und Broadwell.
Spätsommer 2012: US-Justizminister Eric Holder wird informiert. Das FBI sieht es zu diesem Zeitpunkt als gesichert an, dass die US-Sicherheit nicht in Gefahr gewesen sei. Die Untersuchung zu den Droh-E-Mails an Kelley wird jedoch fortgesetzt.
27. Oktober 2012: Der republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Eric Cantor, wird von einem Informanten aus dem FBI telefonisch über den Fall informiert. In die Wege leitete das - wenige Tage vor der US-Präsidentschaftswahl - der Republikaner Dave Reichert, der einen Tipp aus der US-Bundespolizeibehörde erhalten hat.
29. Oktober bis 4. November 2012: In dieser Woche werden Petraeus und Broadwell nochmals vom FBI vernommen und geben schließlich beide die Affäre zu.
31. Oktober 2012: Cantors Büro informiert das FBI, dass man von dem Fall wisse.
6. November 2012: Während die US-Bürger ihre Stimmen bei der Präsidentschaftswahl abgeben, informiert das Justizministerium den Nationalen Geheimdienstdirektor James Clapper von der Untersuchung. Clapper ruft Petraeus an und fordert ihn zum Rücktritt auf.
7. November 2012: Das Weiße Haus wird informiert. Petraeus feiert an diesem Tag seinen 60. Geburtstag.
8. November 2012: Präsident Barack Obama wird nach seiner Rückkehr aus Chicago, wo er seinen Wahlsieg feierte, von der Affäre in Kenntnis gesetzt. Er trifft sich mit Petraeus und fordert ihn zum Rücktritt auf.
9. November 2012: Obama akzeptiert Petraeus’ Rücktrittsgesuch. Informationen über den Fall gelangen an die Medien, bevor der Kongress davon erfährt. Broadwells Ehemann informiert per E-Mail eine Vielzahl von Gästen über die Absage der Feier zum 40. Geburtstag seiner Ehefrau an diesem Tag. Auch viele Pressevertreter waren eingeladen, da der Verkaufserfolg ihres Buches dabei mitgefeiert hätte werden sollen.
10. November 2012: Beim Onlinehändler Amazon springt Broadwells Buch von Verkaufsrang 76.792 auf Rang 111.
11. November 2012: Mehrere US-Abgeordnete verleihen gegenüber den Medien ihrer Empörung Ausdruck darüber, dass sie von der Affäre nicht informiert wurden. Kelleys Name wird erstmals öffentlich genannt. Sie bittet in einem Pressestatement darum, ihre Privatsphäre zu respektieren.
12. November 2012: Am späten Abend findet eine FBI-Razzia im Haus der Broadwells statt. Kistenweise Dokumente, ein Stand-PC, ein Laptop, ein Drucker und eine Aktentasche werden beschlagnahmt.
13. November 2012: Das Pentagon bestätigt Presseberichte, wonach es auch zwischen Kelley und dem US-General John Allen, Kommandeur der Afghanistan-Schutztruppe ISAF, zu ausgedehntem „nicht statthaftem“ Mailwechsel gekommen sei, der in Hinblick auf die militärische Sicherheit des Landes von Bedeutung sein könnte.
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