Druck liegt auf Romney
Kopf an Kopf in der Wählergunst gehen US-Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney in ihr drittes und letztes Fernsehduell vor der Wahl am 6. November. Die Debatte am Montagabend (21.00 Uhr Ortszeit, Dienstag 3.00 Uhr MESZ) in der Lynn University in Boca Raton (Florida) dreht sich ausschließlich um die Außenpolitik.
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Obama gilt als Favorit, da Romney als Ex-Gouverneur von Massachusetts und Unternehmer nur sehr geringe Erfahrung auf diesem Gebiet hat. Der Druck liege klar auf dem Republikaner, kommentierten am Sonntag viele Medien. Die erste rein wirtschafts- und innenpolitische Debatte am 3. Oktober hatte Romney gegen einen überraschend passiven Obama gewonnen. Am Dienstag vergangener Woche machte Obama dann im zweiten Duell mit einem kämpferischen Auftritt Boden gut.
„Romnesia“
Nach einer am Sonntag vom TV-Sender NBC gemeinsam mit dem „Wall Street Journal“ („WSJ“) veröffentlichten Umfrage liegen Obama und Romney mit je 47 Prozent gleichauf. Eine Rasmussen-Umfrage sieht den Republikaner mit zwei Prozentpunkten vorn. In den Vortagen veröffentlichte Erhebungen verschiedener Institute hatten ähnlich knappe Ergebnisse erbracht. Nur eine Gallup-Umfrage bescheinigt Romney einen Vorsprung von sechs Punkten.
Beide Kandidaten zogen sich am Wochenende zur Vorbereitung auf das TV-Duell aus der Öffentlichkeit zurück. Zuvor hatten sie bei Wahlkampfauftritten noch einmal ausgeholt. Der Republikaner müsse an einer Krankheit namens „Romnesia“ leiden, durch die er seine früheren politischen Aussagen vergesse, scherzte Obama in Fairfax (US-Bundesstaat Virginia) mit Blick darauf, dass Romney im Wahlkampf wiederholt Positionen geändert hat.
Der Präsident setzte seine Wortschöpfung aus Romney und Amnesia (deutsch: Amnesie, Anm.) zusammen. Der medizinische Begriff beschreibt eine Gedächtnisstörung. „Romnesia“ sei aber kurierbar - man müsse am 6. November nur Obama wählen. Romney sprach in Daytona Beach (Florida) von einer „unglaublich zusammengeschrumpften Kampagne“ seines Gegners. „Es ist absolut bemerkenswert: Sie haben keine Agenda“, hielt er den Demokraten vor.
Iran, Syrien, Afghanistan und China
Der außenpolitischen Debatte beim TV-Duell räumen Experten allgemein begrenzte Bedeutung für den Wahlausgang ein, weil die Themen Wirtschaft und Arbeitslosigkeit im Wahlkampf so stark dominieren. Außerdem unterscheiden sich die außenpolitischen Positionen der beiden Kandidaten nicht so stark wie die innenpolitischen. Der Iran, Syrien, Libyen, Nahost, Afghanistan und China werden nach Angaben der Veranstalter im Mittelpunkt der Debatte stehen.
Generell wirft Romney Obama Schwäche in der Außenpolitik vor, mit der er die US-Führungsrolle in der Welt gefährdet habe. Als Beispiel nennt er Obamas Iran-Kurs. Der Republikaner will das nach eigenen Angaben ändern, hat aber bisher kaum Einzelheiten seiner eigenen Pläne genannt. Nach Experteneinschätzung muss er das in der Debatte am Montag tun, wenn er beweisen will, dass er das Zeug zum Oberbefehlshaber und zum Weltpolitiker habe. Erwartet wird ein wenig heftigerer Schlagabtausch als in der zweiten Debatte. Die Kandidaten werden gemeinsam an einem Tisch sitzen. Moderator ist Bob Schieffer vom Sender CBS.
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