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Oberfläche statt Oberflächlichkeit

Alex Katz wird 85 Jahre alt - und das Essl Museum in Klosterneuburg gratuliert mit einer Jubiläumsausstellung, in der die unterkühlten Porträts des Künstlers ebenso Raum finden wie seine neueren Landschaftsdarstellungen.

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Wie umfangreich die Sammlung des Ehepaars Essl sein muss, zeigt sich alleine daran, mit welcher Mühelosigkeit man eine derart umfangreiche Personale aus eigenen Beständen bestücken kann: mehr als 30 Werke - darunter Gemälde, vorbereitende Ölskizzen und Kartons.

Essl, der die Ausstellung selbst kuratiert hat, entschied sich gegen eine chronologische Hängung und gruppierte die Werke stattdessen thematisch - quasi in Form eines „Parcours“, wie er bei der Presseführung am Freitag erklärte.

Die Ehefrau als „das perfekte Modell“

Zu sehen sind unter anderem zahlreiche Porträts, die in Katz’ Oeuvre ein zentrales Element darstellen. Etwa von seiner Ehefrau Ada, die er als sein meist gemaltes Modell bereits seit mehreren Jahrzehnten immer wieder porträtiert. „Sie ist das perfekte Modell - eine europäisch-amerikanische Schönheit“, streut der Künstler seiner Muse Rosen. „Die arme Ada muss ständig posieren.“

Werk "Ada in the dark" des Künstlers Alex Katz im Essl Museum in Klosterneuburg

APA/Robert Jäger

„Ada in the Dark“ entstand im Jahr 2000 und ist Teil einer umfangreichen Serie von Porträts seiner Frau, die Katz in den letzten Jahrzehnten angefertigt hat

Radikale Bildausschnitte und plakative Farben

Katz, New Yorker mit russischen Eltern, hat bereits ab Mitte der 1950er - noch vor dem Aufkommen von Pop-Art und Minimalismus - seinen eigenen Weg in der gegenständlichen Malerei eingeschlagen. Mit radikalen Bildausschnitten und plakativen Farben orientieren sich vor allem die früheren Werke an der Direktheit von Plakatwänden, erinnern an Sujets aus Film, Fernsehen und Werbung.

Während Katz in den USA schon jahrzehntelang zu den wichtigsten Malern seiner Generation zählte, dauerte sein Durchbruch in Europa wesentlich länger. Erst in den 1990er Jahren stieg das Interesse an seinen Werken, die früher in ihrer Zweidimensionalität eher auf Unverständnis stießen. Tatsächlich geht es Katz nicht um Wahrhaftigkeit und Naturalismus, sondern viel mehr um die Betonung der Oberfläche - was ihm nicht selten den Vorwurf der Oberflächlichkeit einbrachte.

Künstler Alex Katz vor dem Werk "Beach Stop" im Essl Museum in Klosterneuburg

APA/Robert Jäger

Alex Katz vor seinem Werk „Beach Stop“ im Essl Museum

Klare Trennung zwischen Motiv und Hintergrund

Oft sind es ungewöhnliche Bildausschnitte und Kompositionen, die die Spannung in den Porträts erzeugen. Großzügig flächig aufgetragene Farben korrespondieren darin mit klaren Linien und erzeugen so präzise Motive, die weniger von Individualität denn von Reduktion geprägt sind.

Den Hintergrund lässt er bewusst einfarbig, oft auch sehr dunkel, sodass die Figuren wie ausgeschnitten wirken. Dass die Bilder dennoch nicht flach erscheinen, dafür sorgt der Einsatz von gezielt gesetztem Licht, das Katz anstelle von Schattierungen einbringt.

Ausstellungshinweis

Alex Katz von 14. September bis 6. Jänner, Essl Museum, Klosterneuburg, dienstags bis sonntags 10.00 bis 18.00 Uhr, mittwochs bis 21.00 Uhr. Zur Ausstellung ist ein Katalog (112 Seiten, 23 Euro) erschienen.

„Es geht um das unmittelbare Licht. Es ist niemals perfekt, aber mit der Malerei kann das zumindest versucht werden“, sagt Katz, der zwar viel Zeit in die Vorbereitung seiner Werke steckt, den eigentlichen Malvorgang dann aber in schneller Nass-in-Nass-Technik hinter sich bringt. „Das Entscheidende ist, das Unbewusste zu nutzen, um den Spielraum festzulegen“, so der Künstler. „Das ist jedenfalls die Idee, die ich mehr oder weniger verfolge. Du kannst es Instinkt nennen. Das ist es.“

Sophia Felbermair, ORF.at

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