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„Wir fahren auf Sicht“

Bereits seit 110 Jahren wird Paris mit dem Mondial de l’Automobile zum Zentrum der Autowelt. Der mittlerweile traditionsreiche Jahresausklang der großen Autosalons endet am Sonntag. Auch wenn die Branche schon bessere Zeiten erlebt hat, will man zumindest in Paris von einer Krise nichts wissen.

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Dabei leiden immer mehr Hersteller unter den verschärften Marktvorgaben, in deren Sog neben den bereits bekannten Sorgenkindern wie Opel, Peugeot Citroen und Fiat zuletzt etwa mit Daimler selbst die bisher als krisenresistent angesehenen deutschen Premiumhersteller zu geraten scheinen. Selbst beim Volkswagen-Konzern, der nach wie vor mit Zuwächsen in allen Bereichen glänzt, wurde zuletzt laut „Focus“ eingestanden, dass man sich auch „auf einige negative Überraschungen“ vorbereite.

Die zunehmende Tristesse in der Autobranche dürfte in Paris somit nur kurz unterbrochen werden, wie etwa der „stern“ feststellte: Erklärtes Motto für den Autosalon sei dem Nachrichtenmagazin zufolge dennoch, „mit einer großen Show ‚Lust auf Auto‘ zu machen“.

Kein Platz zum Trübsalblasen

Auch für das US-Branchenblatt „Autonews“ steht außer Frage, dass ungeachtet des in Paris versprühten Optimismus viele Autokonzerne vor einer ungewissen Zukunft stehen. Der Autosalon sei aber der falsche Platz zum Trübsalblasen. Dort gelte vielmehr „The show must go on“, weswegen die Hersteller erneut versuchen werden, mit neuen Modellen zu punkten und mit E-Autos und spektakulären Prototypen seine Visionen für die Zukunft zu präsentieren.

Besucher des Pariser Autosalons

APA/EPA/Ian Langsdon

Autosalon von Paris gestartet: Volle Hallen bereits am ersten Tag

Neue Bescheidenheit

Dennoch vermisst etwa das „Handelsblatt“ beim diesjährigen Pariser Autosalon nicht nur die wahren Knalleffekte, sondern ortet angesichts der großen Palette an neuen Klein- und Kompaktwagen eine auffallende Bescheidenheit. Von zwei Gesichtern ist auch in der „Financial Times Deutschland“ („FTD“) die Rede: „Vordergründig werden tolle Autos und fantastische Ideen präsentiert“ - gleichzeitig müssten sich die Manager aber 2013 auf „ein Schreckensjahr“ einstellen.

„Wir fahren auf Sicht“, sagte in diesem Zusammenhang etwa VW-Vertriebsvorstand Christian Klingler am Donnerstag in Paris. Diese Aussage erinnert an die letzte schwere Branchenkrise 2008/2009. Dabei steht der VW-Konzern angesichts seiner breiten weltweiten Aufstellung noch gut da. Dagegen stecken Hersteller wie PSA Peugeot Citroen, Opel und Fiat in einer tiefen Krise, weil sie abhängig von der Entwicklung in Europa sind.

Überkapazitäten und Werksschließungen

Der angeschlagene französische Autohersteller PSA etwa rechnet wegen der Absatzkrise in Europa mit weiteren Verlusten in Milliardenhöhe. Das Unternehmen werde vermutlich bis 2014 monatlich einen dreistelligen Millionenbetrag an Cash verbrennen, sagte Konzernchef Philippe Varin in Paris. Wie bereits angekündigt stehen bei PSA bereits der Abbau von 8.000 Arbeitsplätzen und zumindest eine Werksschließung auf dem Programm. Wegen der Überkapazitäten in Europa erwartet Varin aber auch Standortschließungen bei anderen Konzernen.

Geht es nach dem Experten Ferdinand Dudenhöffer, wird 2013 noch härter als dieses Jahr. Er rechnet mit dem schlechtesten Verkaufsjahr in Westeuropa seit 1993 - mit 11,6 Millionen Autoverkäufen nach 11,9 Millionen in diesem Jahr. Experte Marcus Berret von der Unternehmensberatung Roland Berger sieht auch Fehler bei den Herstellern. Manche Autobauer hätten sich „falsch aufgestellt“.

Verschärfter Wettbewerb in China

Auch aus Sicht des europäischen Branchenführers VW wird sich der europäische Automarkt nur langsam erholen. „Wir erwarten in den nächsten ein bis zwei Jahren keine fundamentale Verbesserung“, sagte Vertriebsvorstand Klingler. Eine angespanntere Wettbewerbssituation wird in diesem Zusammenhang auch auf dem bisherigen Zukunftsmarkt China geortet.

Die schlechteren Entwicklungen in China und Europa hatte auch Daimler als Grund für ein Sparprogramm genannt. Erst vergangene Woche kündigte Daimler-Chef Dieter Zetsche überraschend an, dass der operative Gewinn der Autosparte 2012 unter dem Vorjahresniveau von rund 5,2 Mrd. Euro liegen werde und aus diesem Grund auch bei Daimler Sparmaßnahmen notwendig seien.

Im Gegensatz zu Daimler läuft es bei den anderen deutschen Oberklasseherstellern BMW und Audi noch rund. BMW sieht anders als Daimler keinen Grund, auf die Kostenbremse zu steigen. „Wir haben in diesem Jahr Mitarbeiter eingestellt, und alle unsere Werke weltweit sind voll ausgelastet“, sagte BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson. Auch Audi-Chef Rupert Stadler bestätigte in Paris die Prognosen, in diesem Jahr 1,4 Millionen Autos zu verkaufen. Dass Westeuropa aktuell in einer schwierigen Phase stecke, wurde aber auch von Stadler bestätigt.

270 Aussteller aus 20 Ländern

Hoffnungen setzen die Autohersteller in eine Vielzahl neuer Modelle. Auf dem Autosalon werden etwa der neue VW Golf, der Renault Clio und der Opel Adam präsentiert. Ford stellt den neuen Mondeo vor, Citroen ein DS3-Cabrio und Toyota einen Auris-Kombi.

Der alle zwei Jahre stattfindende Autosalon in Paris gilt als eine der besucherstärksten Messen der Welt. Die diesjährige Schau ist bis Freitagabend zunächst nur für Fachbesucher geöffnet. Von Samstag an bis zum 14. Oktober steht die Messe dann allen Autointeressierten offen. Insgesamt werden 270 Aussteller aus rund 20 Ländern erwartet.

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