Die ganze Welt genarrt
Teddybären gegen Diktatoren, brennende Geldnoten und Sexunterricht: Die schwedische Marketing- und Werbeagentur Studio Total hat schon für eine Reihe von aufsehenerregenden Aktionen gesorgt. Auch in Österreich sind die findigen Werbestrategen keine Unbekannten.
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Schweden und Weißrussland führen seit Wochen einen diplomatischen Kleinkrieg, der mittlerweile sogar die EU auf den Plan gerufen hat. Auslöser waren harmlose Teddybären, die es illegalerweise auf dem Luftweg ins Hoheitsgebiet des Landes von Staatschef Alexander Lukaschenko schafften. „Teddybear Airdrop Minsk 2012“ betitelte die Agentur ihre jüngste Aktion und wies nicht ohne Stolz darauf hin, dass dabei in den militärischen Luftraum einer Diktatur eingedrungen wurde und die Aktion „wirklich gefährlich“ war.
10.417 Euro verbrannt
Nicht immer waren die Aktionen in der Vergangenheit so gefährlich, für Aufsehen sorgten sie jedoch alle. Erstmals tauchte Studio Total 2005 auf, als es die politische Partei „Kulturpartiet“ gründete und bei der schwedischen Parlamentswahl damit antrat. Erst später wurde bekannt, dass die Partei nur erfunden war.
Auch als Feministinnen 2010 aus Protest gegen den Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern Geldscheine im Wert von 100.000 Kronen (10.417 Euro) öffentlich verbrannten, stammte die Idee dazu von Studio Total. Die Werbeagentur hatte die Geldscheine zuvor gesammelt und schließlich in einem gewöhnlichen Gartengriller von der Vorsitzenden der Partei Feministische Initiative, Gudrun Schyman, angezündet.
Kuriose Sexschule in Österreich
Weltweit für Schlagzeilen sorgten die Agentur in Österreich. Hier warb sie mit einer täuschend echt aussehenden Website für eine internationale „Sexschule“. An der „Austrian International School of Sex“ sollten Interessierte alles rund um das Liebesspiel lernen, wurde auf der Website geworben. In fünf Basiskursen und speziellen Intensivseminaren sowie Wochenendkursen sollten Paare für die intimen Stunden fit gemacht werden.
Gelehrt werde sowohl Theorie als auch Praxis, wobei der Schwerpunkt auf den praxisnahen Unterricht gelegt werde. Von Sexpositionen bis Zärtlichkeitsschulungen sei alles dabei. Das Vergnügen solle 1.400 Euro pro Semester kosten und mit Prüfungen abgeschlossen werden. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. „Es war faszinierend zu sehen, wie Zeitungen von überall auf der Welt über eine Schule geschrieben haben, die noch niemand gesehen hat“, erzählte Tomas Mazetti, einer der zwei Gründer der Agentur, der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“ („DN“). Über 300 Millionen Mal wurde die Geschichte gelesen, schätzt Mazetti.
Protest gegen Pensionssystem
Erst als die Empörung über diese Einrichtung überzukochen drohte, deckten die Auftraggeber, die Junge Industrie, den Schwindel auf. Unter dem Namen „The BirdBase“ habe man auf das schlechte Pensionssystem hinweisen wollen, erklärte die Junge Industrie in einer Stellungnahme via Facebook. Ideenlieferant war Studio Total.
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