„Das letzte Hurra für die NASA“
Am Montag um exakt 7.30 Uhr MESZ ist der Eintritt des Roboterfahrzeugs „Curiosity“ in die Marsatmosphäre geplant. Geht alles gut, soll das Marsmobil sieben Minuten später auf der Oberfläche aufsetzen. Bange Minuten für die NASA-Ingenieure, denn ein Scheitern der 1,9 Mrd. Euro teuren Mission könnte das Ende der Vormachtstellung der USA im Weltall einläuten.
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Das komplizierte Landemanöver wurde von NASA-Ingenieure jahrelang geprobt. Mit Fallschirm, Korrekturdüsen und einem Kran soll die „Curiosity“ sicher aufsetzen und nach den Rovern „Sojourner“ (1997) sowie den Zwillingen „Spirit“ und „Opportunity“ (2004) zur dritten großen Marserkundung aufbrechen. Für die US-Raumfahrtbehörde steht dabei einiges auf dem Spiel: Nach Budgetkürzungen ist die Mission wohl „das letzte Hurra im Planetenprogramm der NASA für einige Jahre“, wie es die „New York Times“ formulierte.

Reuters/NASA/JPL-Caltech
„Curiosity“ ist mit drei Metern Länge so groß wie ein Kompaktklassewagen und mit 900 kg etwa fünfmal so schwer wie die Vorgängermodelle
Keine weiteren Missionen in Planung
Geht auch nur eine Kleinigkeit beim Landemanöver schief, ist nicht nur die „Curiosity“ ein Haufen Schrott und die 1,9 Mrd. Euro teure Mission eine Blamage, auch die von US-Präsident Barack Obama für 2030 angekündigte bemannten Marsmission stünde damit in den Sternen. Denn so bald dürfte es keine amerikanische Nachfolgemission geben. Eine gemeinsame Kooperation mit der Europäischen ESA wurde aus Geldmangel gecancelt. Damit würde die Vormachtstellung an Indien fallen, die am 26. November 2013 eine eigene Marssonde auf die Reise schicken wollen.

AP/NASA/JPL-Caltech
Eine Krankonstruktion soll die Landung ermöglichen
„Verrücktes“ Landemanöver
Dementsprechend genau wurde das Landemanöver durchgeplant. Statt Airbags wie bei den deutlich kleineren Rovern „Spirit“ und „Opportunity“ wurde ein komplizierter Kran konstruiert, der das 900 Kilogramm schwere Gefährt, dass sich mit 21.000 km/h auf den Mars zubewegt, abstoppt und es die letzten Meter zur Oberfläche „abseilt“. Es möge sich vielleicht „verrückt“ anhören, erklärte NASA-Ingenieur Adam Steltzner vor Journalisten. "Aber ich versichere Ihnen, dass es die am wenigsten verrückte Methode ist, mit der man einen Rover, der so groß ist wie ‚Curiosity‘, auf dem Mars landen kann.
Langes Warten auf erlösende Bestätigung
Die Kommunikation während der Landung ist schwierig, da die „Curiosity“ selbst aus der Marsatmosphäre zunächst nur wenige Informationen an die Erde schicken kann. Stattdessen sendet der Rover nach jedem erfolgreichen Teil des Landemanövers Ultrahochfrequenztöne an die Raumsonde „Odyssey“, die den Mars umkreist. „Odyssey“ leitet diese weiter an die Antennen des Deep Space Networks, unter anderem in der australischen Hauptstadt Canberra, wie die NASA und die Empfangsstation in Canberra mitteilten. Von dort aus werden die Signale ins Kontrollzentrum der NASA im US-Bundesstaat Kalifornien geschickt.
Da eine derart aufwendige Kommunikation im All aber nicht immer reibungslos verläuft, warnt die NASA, dass es im schlimmsten Fall auch Tage dauern könnte, bis man sicher wüsste, dass die Landung geglückt sei. Auch Bilder von der Landung wird es zunächst nicht geben. Frühestens 15 Stunden nach der Landung würden die ersten von „Curiosity“ geknipsten Fotos auf der Erde erwartet, sagte ein NASA-Sprecher. Ein Video, das eine Kamera am Boden des Rovers während der Landung aufzeichnet, werde wahrscheinlich erst in ein paar Tagen eintrudeln.
Windige Ankunft
Seit Wochen wird auch das Wetter auf dem „roten Planeten“ genau studiert, um den passenden Zeitpunkt für die Landung auszurechnen. Auch auf dem Mars gibt es - ähnlich wie auf der Erde - Jahreszeiten. So bewegt sich das als Landeplatz erkorene Gebiet rund um den Gale-Krater jetzt genau in die südliche Atmosphäre, also aus dem Winter hinaus in den Frühling. In dieser Zeit kann der Wind dichte Staubwolken aufwirbeln. Erst vergangene Woche wurde rund 1.000 km vom Landeplatz entfernt ein großer Sturm beobachtet, doch pünktlich zur Landung hat sich das Wetter gebessert.
Organische Moleküle im Gale-Krater?
Mit der Landung geht einerseits die 228 Millionen Kilometer lange Reise des Rovers von der Erde zum Mars zu Ende, andererseits fängt nun die lange Suche nach Spuren von Leben auf dem Planeten an. Zentimeter für Zentimeter soll der Rover vor allem den Gale-Krater erforschen, wo Tonminerale gefunden wurden, die Spuren organischen Materials enthalten können. Wie Forscher des Goddard Space Flight Center im Magazin „Geophysical Research Letters“ spekulieren, könnten organische Moleküle bereits knapp unter der Oberfläche gefunden werden.

AP/NASA/JPL-Caltech
Die Reise von „Curiosity“ begann bereits im November 2011
Morse-Code im Marsstaub
Damit das rollende Labor eine längere Lebensdauer hat, wurde „Curiosity“ statt mit Solarpanelen mit einer Plutoniumbatterie ausgestattet. Sie soll dem Gefährt auf seiner fast zweijährigen Reise die nötige Energie für lange Fahrten liefern. Bis zu 300 Meter soll das Gefährt an einem Tag zurücklegen, und das bei Temperaturen bis zu minus 150 Grad.
Auf seiner Fahrt über den Planeten wird der Roboter auch sichtbare Spuren hinterlassen, wie der deutsche „Spiegel“ berichtet. Denn die Konstrukteure des Jet Propulsion Laboratory (JPL), die den Rover steuern, haben es sich nicht nehmen lassen, ein witziges Detail am Gefährt einzuplanen. So drücken die Reifen von „Curiosity“ beim Abrollen den Morse-Code des Instituts in den Marsstaub.
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