Obamas erste Attacke
Knapp vier Monate vor der US-Präsidentenwahl gehen die Kandidaten in den ersten Infight. Amtsinhaber Barack Obama trieb seinen designierten Herausforderer Mitt Romney am Wochenende mit Wahlkampfveranstaltungen mit Fernsehspots in die Enge, wonach dieser für die Verlagerung von Jobs ins Ausland verantwortlich sein soll. Romney dagegen wehrt sich vehement gegen die Kritik an seiner Vergangenheit.
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Die Vorwürfe gegen Romney konzentrieren sich vor allem auf den Zeitraum 1999 bis 2002, in dem er entgegen eigener Aussagen weiterhin in der Firma Bain Capital tätig gewesen sein soll. Die Zeitung „Boston Globe“ war bei Recherchen zu dem Fall auf offizielle Dokumente gestoßen, die das belegen sollen. Der Zeitraum könnte deshalb eine Rolle spielen, weil Bain Capital in Firmen investiert haben soll, die nach 1999 Jobs ins Ausland verlagerten.
Frontalangriff Obamas
Obama will Romney angesichts der Vorwürfe nun als Vernichter von Arbeitsplätzen darstellen. In dem in neun US-Staaten und im Onlineportal YouTube ausgestrahlten Wahlwerbespot greift Obamas Team die Vorwürfe zu Bain Capital auf und wirft Romney zugleich vor, auch als Gouverneur von Massachusetts Jobs ins Ausland verlagert zu haben. Daneben wird Romney vorgeworfen, „Millionen auf Schweizer Konten“ zu haben und sein Geld in Steuerparadiesen in der Karibik anzulegen.
Romney verweigert Offenlegung
Romney weigert sich bisher, seine Einkünfte vor 2010 offenzulegen und Auskunft über sein Vermögen im Ausland zu geben. Üblicherweise legen Präsidentschaftskandidaten ihre Steuerdaten über den Zeitraum der vergangenen zwölf Jahre offen.
Anfang Juli hatte das Magazin „Vanity Fair“ berichtet, dass Romney mit Hilfe von Bain Capital ein auf rund 250 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) geschätztes Vermögen angehäuft haben soll. Ein Obama-Spot(www.youtube.com/watch?v=uMo5pykT4uw), der am Dienstag ausgestrahlt wurde, ließ durchklingen, dass Romney einige Jahre keine Steuern bezahlt habe.
Herausforderer in der Defensive
Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Virginia griff Obama am Samstag frontal an. „Als die US-Autoindustrie unterzugehen drohte, und mein Herausforderer sagte: ‚Lasst Detroit pleitegehen‘, setzte ich auf die Arbeiter (...), und jetzt ist GM wieder Nummer eins“, sagte Obama mit Blick auf die Automobilhochburg in Michigan und den Autobauer General Motors.
Romney hatte sich am Freitag in mehreren Interviews zunächst gegen die Vorwürfe im Zusammenhang mit Bain Capital gewehrt. Nach Februar 1999 habe er in der Firma „absolut keine Rolle“ mehr gespielt, sagte Romney CNN. Die Behauptungen seien „falsch, irreführend und verquer“. Dem Sender ABC News sagte Romney, Obama müsse sich „für die Art von Attacken seines Teams entschuldigen“.
Später Gegenangriff
Romney brauchte einige Tage, um aus der Defensive zu kommen. Erst am Dienstag schlug der Republikaner zurück und unterstellte Obama Leistungsfeindlichkeit: Er sei überzeugt, Obama wolle, dass sich Amerikaner für ihre Erfolge schämen, sagte Romney am Dienstag in Pittsburgh. Es sei schockierend, dass ein US-Präsident die Kraft von Unternehmertum und Innovationen nicht verstehe. „Das ist ein Angriff auf alle Grundprämissen, die Amerika zu einer so starken Wirtschaftskraft macht.“
Romneys Reichtum kommt im Wahlkampf immer wieder zur Sprache, und Obama versucht, seinen Herausforderer als weit entfernt vom Normalbürger darzustellen. Romney dagegen stellt seine Erfahrungen in der Privatwirtschaft in den Vordergrund, um sich somit als Beschaffer von Jobs zu präsentieren. Obama fürchtet angesichts der Arbeitslosenquote von 8,2 Prozent um seine Wiederwahl - außer Ronald Reagan schaffte seit dem Zweiten Weltkrieg noch kein US-Präsident eine zweite Amtszeit, wenn die Arbeitslosenquote über sechs Prozent lag.
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