1866 und die Folgen
1859 ging für Österreich die Lombardei verloren. Und die Herrschaft in Venetien sollte nach ein paar Jahrzehnten mit der Schlacht von Königgrätz zu Ende gehen. Eigentlich war diese Schlacht ja eine zwischen Österreich und Preußen.
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1866 sollte das Jahr der Entscheidung zwischen Österreich und Preußen über die Vorherrschaft in Deutschland werden. Dem preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck gelang es, das Streben der Deutschen nach nationaler Einigung in den Dienst der preußischen Machterweiterung zu stellen. Differenzen über die Reform des Deutschen Bundes und über die Frage der Zukunft von Schleswig-Holstein veranlasste Preußen am 19. Juni zur Kriegserklärung an Österreich.
Moltke gegen Benedek
Preußen hatte in Helmut von Moltke (1800 bis 1891) einen genialen Generalstabschef, auch rüstungsmäßig waren die Preußen mit dem Zündnadelgewehr den mit veralteten Vorderladern ausgestatteten Österreichern überlegen. Moltkes österreichischer Gegenspieler, Ludwig von Benedek, übernahm in Böhmen den Oberbefehl nur auf ausdrücklichen Befehl Kaiser Franz Josefs.
Die Preußen waren zunächst mit zwei Armeen in Böhmen eingerückt, warfen die mit sächsischen Truppen vereinten österreichischen Kontingente in mehreren Gefechten zurück und stießen aus Westen und Nordwesten auf den Raum von Königgrätz vor. Am 3. Juli 1866 standen sich nordwestlich dieser Stadt gegen Sadowa zu (deswegen spricht man in England und Frankreich von der Schlacht von Sadowa) rund 450.000 Mann gegenüber. Jede Seite verfügte über 20.000 Reiter und je 700 feuerbereite Geschütze.
Österreichs anfängliche Stärke schwand
Anfangs machte die österreichische Artillerie den Preußen schwer zu schaffen, erst das Eingreifen einer vom preußischen Kronprinzen Friedrich geführten dritten Armee aus Richtung Nord in die rechte Flanke der Österreicher brachte die Entscheidung.
Die österreichischen Angriffe brachen im preußischen Schnellfeuer zusammen. Kavallerie und Artillerie deckten am Nachmittag den notwendig gewordenen Rückzug. Die Verluste waren ungeheuer: Die Österreicher zählten über 30.000 Mann an Gefallenen, Verwundeten und Gefangenen, die Preußen etwa 10.000 Mann.
Auch Venetien geht an Frankreich
Die Preußen stießen den sich zurückziehenden Österreichern nach, besetzten Prag und Brünn und erreichten am 8. Juli die Umgebung von Wien nördlich der Donau. Truppen der Südarmee waren in Wien eingetroffen, um die Stadt vor den Preußen zu schützen. Bismarck, der einem Eingreifen Frankreichs zuvorkommen wollte, an das Franz Josef in der Hoffnung auf Vermittlerdienste Venetien abgetreten hatte, leitete im mährischen Nikolsburg (heute Mikulov) Friedensverhandlungen ein, die am 26. Juli mit einem Vorfrieden endeten.
Dessen maßvolle Bestimmungen - Ausscheiden Österreichs aus dem deutschen Staatenverband, Kriegsentschädigung, aber keine Gebietsabtretungen an Preußen - wurden im Prager Frieden vom 23. August bestätigt. Italien erhielt im Wiener Frieden vom 3. Oktober trotz der Siege der österreichischen Südarmee bei Custoza (24. Juni) und des Seesieges bei Lissa (20. Juli) Venetien.
Tür für eine Wiederannäherung sollte offen bleiben
Bismarck dachte mit der schonenden Behandlung Österreichs bereits an ein künftiges politisches Zusammengehen mit Wien und wollte die Tür für eine Wiederannäherung offen halten.
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