Regenmenge von zwei Monaten
An der russischen Schwarzmeerküste ist die Zahl der Todesopfer nach den schweren Unwettern weiter gestiegen - auf über 150. Fast zwei Tage Dauerregen am Freitag und Samstag hatten weite Teile der Region um die Stadt Krasnodar meterhoch überflutet. Tausende Häuser stehen unter Wasser, am Sonntag waren immer noch über 20.000 Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten.
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In mehreren Städten in der Urlaubsregion wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Bahnverbindungen und Straßen seien unterspült oder von Muren und Schlamm verschüttet, hieß. Neben zivilen Rettungskräften ist auch das Militär mit Spezialtransportfahrzeugen und Hebekränen im Einsatz. Rund 3.000 Menschen seien aus dem Gebiet in sichere Unterkünfte gebracht worden, teilten die Rettungskräfte Sonntagfrüh mit. Die Polizei verstärkte nach eigenen Angaben ihre Präsenz in der Region, um Plünderungen zu verhindern. Am Samstagabend seien bereits zwei Plünderer festgenommen worden, hieß es.
Menschen rechtzeitig gewarnt?
Russlands Präsident Wladimir Putin war am Samstag zu einer Krisensitzung im Katastrophengebiet eingetroffen. Nach einem Lokalaugenschein, bei dem sich Putin vom Hubschrauber aus ein Bild der Lage gemacht hatte, kündigte er eine Untersuchung an. Dabei soll geklärt werden, ob die Bewohner der betroffenen Gegend rechtzeitig vor dem Hochwasser gewarnt worden waren.

APA/EPA/Timur Gromov
Überflutete Straßen in der Stadt Krimsk
Regierungschef Dimitri Medwedew wies Zivilschutzminister Wladimir Putschkow an, sich persönlich um die Arbeiten zu kümmern. Der Kreml schickte zudem ein Transportflugzeug mit weiteren Rettungskräften und zwei Hubschraubern in das Gebiet rund 1.200 Kilometer südlich der Hauptstadt Moskau.
Meterhohe Flutwelle
Bei den meisten Todesopfern soll es sich um ältere Menschen handeln, die sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Sie waren im Schlaf vom Hochwasser überrascht worden. Bewohner des Katastrophengebiets um Krasnodar hatten berichtet, die Flutwellen hätten eine Höhe von bis zu sieben Metern erreicht und seien „wie ein Tsunami“ über die Siedlungen hereingebrochen. Zahlreiche Menschen hätten „trotz dringender Warnungen“ ihre Häuser nicht verlassen wollen, wurde ein Sprecher des örtlichen Katastrophenschutzes zitiert.

Reuters
Spuren an den Hausmauern zeigen die Höhe der Flutwelle im Dorf Novoukrainsk
Eine Bewohnerin der Stadt Krimsk sagte dagegen der Nachrichtenagentur AFP, die Behörden hätten keine Warnung ausgegeben, das Unglück sei völlig überraschend gekommen. „Das Wasser stieg sehr schnell, die Erdgeschoße wurden in fünf bis zehn Minuten überflutet, das Wasser riss Gehsteigkanten weg und sogar Stücke vom Asphalt“, berichtete sie. Eine Frau habe die Nacht auf einem Baum verbringen müssen, bevor sie gerettet werden konnte. Andere flüchteten sich auf Dächer.

APA
Verkehr zusammengebrochen
„In der ganzen Region ist der Verkehr zusammengebrochen“, sagte ein Sprecher des Ölpipelinebetreibers Transneft gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Der Regen sorgte auch für Unterbrechungen bei der Bahn. Alle Züge von und nach Noworssiisk wurden vorerst eingestellt. „Die Schienen liegen einen halben Meter unter Wasser“, teilte die Bahn mit. Hubschrauber kreisten über den überschwemmten Gebieten, um Überlebende zu aufzuspüren und zu retten. Ein Fernsehreporter berichtete von zahlreichen Leichen, die in den Straßen lagen.
Rund 250 Mio. Euro Sachschaden
Die Behörden sprachen von der schlimmsten Katastrophe seit Jahrzehnten. „An eine solche Katastrophe kann sich hier niemand erinnern“, sagte Gouverneur Alexander Tkatschow am Samstag im staatlichen Fernsehen. Bis Sonntagfrüh waren im Katastrophengebiet mindestens 1.500 Rettungskräfte im Einsatz. Wann sich die Lage entspannt, war vorerst nicht abzusehen. Für Sonntag waren für die Region weitere Regenfälle prognostiziert. Ein via Internet verbreitetes Gerüchte, wonach die Katastrophe durch eine nicht geschlossene Sperre an einem Stausee ausgelöst worden sei, wurde von den Behörden dementiert.
Laut russischem TV fiel im Katastrophengebiet innerhalb weniger Stunden so viel Regen wie sonst im zwei Monaten. Außerdem hätten Sturzbäche aus dem angrenzenden Kaukasusgebirge das Gebiet überschwemmt. Experten schätzten den Sachschaden auf umgerechnet 250 Millionen Euro.
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