Wien und die Schwimmermisere
Nichts geht mehr - diese Erfahrung durfte man nicht nur am Wochenende in überfüllten öffentlichen heimischen Schwimmbädern haben. Besonderer Hotspot: Wien, wo am vergangenen Wochenende über 130.000 Gäste in die Bäder der Stadt strömten. Tendenz in der Ferienwoche: anhaltend. Schwimmen? Fehlanzeige.
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Die städtischen Bäder Wiens sind in diesen Tagen, also auch unter der Woche prall gefüllt. Und das bis zur Badeschlusssirene. Mehr dazu in wien.ORF.at.
Wer an Orten wie dem Kongressbad die Hoffnung auf Schwimmen hat, der wird enttäuscht. Abgesperrte Schwimmerbahnen gibt es im Kongressbad nur für Schwimmvereine. Und die Bademeister geben einem höflich, aber hilflos Auskunft: Man wisse eh, dass man hier nicht schwimmen könne, aber was solle man tun.

APA/Herbert P. Oczeret
Platz zum Plantschen, aber keiner zum Schwimmen - die Wiener Badekultur anno 2012
Wohin mit den Schwimmern?
„Der Standard“ bringt die Wiener Schwimmmisere auf den Punkt: Nicht nur Spitzenschwimmer würden über katastrophale Trainingsbedingungen klagen. Auch die immer größere Zahl an Freizeitsportlern erfährt in Wiener Bädern: Bahnenschwimmen ist eher unerwünscht und macht nur Ärger. Hinzu kommt die Misere um die Sanierung des Stadthallenbads und das Fehlen einer 50-Meter-Bahn zur ganzjährigen Nutzung (was zwischenzeitlich ja im Stadionbad als Zwischenlösung mit Tragluftsystem abgefangen wird).
Laut „Standard“ könnten Teile des Stadionbades samt 50-Meter-Becken und Sprungturm zur exklusiven Nutzung für Vereins- und Verbandssportler überdacht werden. Hobbyschwimmer könnten als „Entschädigung“ eine Art Ersatzbecken bekommen. Seit Jahren wird in Wien ein Schwimmsportzentrum gefordert - heimische Spitzenschwimmer bereiten sich im Ausland vor: Markus Rogan trainiert in der Schweiz, Dinko Jukic in Rijeka.
Und wie man unter diesen Bedingungen Schwimmnachwuchs in einer Millionenmetropole heranziehen möchte, bleibt ein Rätsel - zumal sich die Schwimmvereine ja auch in die letztlich kleinen Bäder mit hineinzwängen müssen und die Bahnen oft mit Schulen teilen. Mit dem Effekt: Für den Freizeitschwimmer bleibt so gut wie kein Platz mehr.
Ausweichoptionen gesucht
Bahnenschwimmen abseits einer Vereinsstruktur kann man in Wien noch auf der 50-Meter-Bahn im Schönbrunner Bad betreiben - das hat durch die private Betreiberstruktur auch einen entsprechend höheren Preis.

APA/Georg Hochmuth
Bahnenschwimmen im Sommer? In Wien noch am ehesten im - privaten - Schönbrunner Bad.
Freizeitsportler organisieren sich mittlerweile für das Streckenschwimmen selbst - etwa auf Plattformen wie Flowsports, die von vielen Triathleten verwendet werden. Dort findet man Schwimmstrecken wie eine Runde ums Gänsehäufel (über drei Kilometer) und in der Neuen Donau zwischen Floridsdorfer Brücke und Nordbrücke - eine Runde um die Pfeiler der Brücken misst stolze zwei Kilometer.
Im freien Gewässer lauern freilich andere Gefahren: Segel- und Ruderboote, mitunter auch Surfbretter. Eines sollte der Schwimmwütige bzw. -mutige nie vergessen: Eine Badehaube in Signalfarbe. Vielleicht bemerkt dann auch die Stadt, dass es zwischen Profis und Plantschern eine vergessene Schwimmbadklientel gibt.
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