„Fluglotsenmörder“ darf zu Überlingen-Gedenkfeier reisen

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Der als „Fluglotsenmörder“ bekanntgewordene Russe Witali Kalojew darf zur Gedenkfeier für die Opfer des Flugzeugzusammenstoßes von Überlingen reisen. Mehr als sechs Stunden lang wurde er gestern am Münchner Flughafen festgehalten, während seine Einreisegenehmigung geprüft wurde, wie ein Sprecher der Bundespolizei mitteilte. Danach durfte er überraschend weiterreisen.

Kalojew hatte bei dem Unfall am 1. Juli 2002 seine Frau und zwei kleine Kinder verloren. Zwei Jahre später erstach er in Zürich den dienstleitenden Fluglotsen Peter Nielsen. Den dänischen Flugverkehrsleiter, der in der Unglücksnacht allein im Kontrollzentrum in Zürich Dienst tat, hatte er als Hauptverantwortlichen für den Tod seiner Angehörigen betrachtet. Kalojew war in der Schweiz zu fünf Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. „Seine Strafe hat er abgesessen“, sagte der Polizeisprecher am Samstag. Jetzt reise er mit einem vier Tage gültigen Visum weiter zu der Gedenkfeier.

Der Zusammenstoß einer Frachtmaschine mit einem russischen Passagierflugzeug gilt als eines der schwersten Unglücke im deutschen Luftraum. Heute jährt sich das Flugzeugunglück von Überlingen am Bodensee zum zehnten Mal. Eine Tupolew-Passagiermaschine und eine Fracht-Boeing prallten damals zusammen. Alle 71 Insassen kamen ums Leben, unter ihnen mehrere Dutzend Schulkinder aus der russischen Teilrepublik Baschkortostan.