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Sedimentkern analysiert

In der Nordpolarregion hat es in den vergangenen 2,8 Millionen Jahren mehrere extreme Warmzeiten gegeben. Die Temperaturen seien vier, fünf Grad über denen „normaler“ Warmzeiten gelegen, zudem sei es wesentlich feuchter gewesen als heute, berichtet ein Team um Martin Melles von der Universität Köln im Fachjournal „Science“.

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Derartige Werte seien für den nördlichen Polarkreis bisher nicht für möglich gehalten worden. Die internationale Forschergruppe hatte einen 318 Meter tiefen Sedimentkern aus dem sibirischen Elgygytgyn-See im Nordosten Russlands analysiert. Die Zusammensetzung ließ darauf schließen, dass es in den 2,8 Millionen Jahren insgesamt acht „Superwarmzeiten“ gab. Die jüngsten Extremphasen vor rund 400.000 und rund 1,1 Millionen Jahren untersuchte das Team detailliert, darunter auch die Pollen.

Grönland könnte eisfrei gewesen sein

Die mittleren Sommertemperaturen lagen demnach damals bei 13, 14 Grad - heute sind es in der Region etwa neun Grad. „Diese Superwarmzeiten sind unumstößlich, da sind wir sicher“, sagte Melles. Es sei davon auszugehen, dass der Eisschild Grönlands viel kleiner oder komplett verschwunden war. Die Regenmenge sei im Gebiet des Elgygytgyn-Sees damals immens gestiegen - von 300 auf 600 Millimeter im Jahr.

Brisant sei auch eine weitere Erkenntnis, die beim Vergleich mit Daten aus dem Antarktis-Projekt „Andrill“ gezogen wurde. „Der Kern aus Sibirien korreliert mit dem Kern aus der Antarktis“, so Melles. Die Zeiten, in denen der westantarktische Eisschild schwand, entsprächen den Warmzeiten im Norden. Ob sich die Schmelze im Süden über Meeresspiegel und Ozeanzirkulation auf den Norden auswirkte oder es Abläufe in die andere Richtung gab, sei noch unklar.

Das Problem mit Henne und Ei

„Wir wissen nicht, was hier Huhn ist und was Ei“, sagte Melles. „Aber: Wir sehen heute, dass das Eis in der Westantarktis sich rasch zurückzieht.“ Wenn die aufgespürten Wechselwirkungen zwischen den Polen stimmten, drohe Sibirien in einigen Jahrhunderten erneut ein um vier, fünf Grad wärmeres Klima. Der Elgygytgyn-See ist ein Kratersee, der nach einem Meteoriteneinschlag vor rund 3,6 Millionen Jahren entstand. Auf dem Grund des 170 Meter tiefen Sees lagerten sich Sedimentschichten ab, die nun Aufschluss über Klima und Artenvielfalt vor Millionen Jahren geben.

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