Einstellung der Eltern maßgeblich
Das Profil und die Motive von Schulschwänzern hat das Bildungsministerium in einer Untersuchung des Instituts L&R Sozialforschung erheben lassen, bei der qualitative Interviews mit 41 Lehrern, Direktoren und Schulsozialarbeitern in Wien und Niederösterreich geführt wurden.
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Dabei zeigte sich etwa, dass es derzeit an Schulen kein einheitliches Verständnis davon gibt, ab wann eine Schulpflichtverletzung überhaupt angezeigt werden soll, die Antworten reichen von einem Tag bis zu drei Wochen. Eine Zunahme von Schulpflichtverletzungen gab es dabei über die vergangenen Jahre entgegen Medienberichten laut den befragten Direktoren nicht, allerdings dürften Schulen beziehungsweise Bezirksschulbehörden heute schneller anzeigen als früher.
Aus „bildungsfernen“ Familien
Schulschwänzer sind laut der Studie vor allem im Alter zwischen 13 und 14 und bei beiden Geschlechtern zu finden. Viele kommen aus bildungsfernen Familien, wo Mutter und - sofern noch vorhanden - Vater höchstens die Pflichtschule abgeschlossen und keinen Job haben. In fast der Hälfte der Familien habe Bildung keinen oder nur einen untergeordneten Stellenwert, und die Eltern sähen keinen Grund, die Kinder zum Schulbesuch anzuhalten, so das Ergebnis der Interviews.
Dementsprechend gibt es häufig das Problem, dass Eltern Schulschwänzen decken und Entschuldigungen ausstellen. Die Jugendlichen sind häufig Scheidungskinder und in die Streitigkeiten der Eltern involviert, prägende Faktoren seien auch Gewalterfahrungen und Suchtprobleme der Eltern. Kulturell bedingte Faktoren würden indes nur „eine untergeordnete Rolle“ spielen.
Außerdem seien die Eltern oftmals überfordert, weil sie selbst körperliche oder seelische Probleme hätten und könnten mit dem rebellischen Verhalten der Kinder nicht umgehen. Dazu komme, dass Schüler oft daheim auf sich allein gestellt seien, weil die Eltern beruflich stark eingespannt sind.
Indikator für tiefere Konflikte
Im Gegensatz zu Jugendlichen, die gelegentlich schwänzen, geht es diesen Jugendlichen nicht etwa nur um Ausschlafen nach langen Nächten vor dem Computer. Bei massivem Schulschwänzen „geht der Anzeige durch die Schule ein längerer Konflikt voraus, der sich in gesteigerter Absenz bis hin zu dauerndem Fernbleiben äußert“, heißt es in der Studie. Neben der familiären Situation spielten auch Stress mit als unfair empfundenen Lehrern und mangelnde Integration in die Klasse mit.
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