Themenüberblick

Bedrohung größer als in 70er Jahren

Die internationale Gemeinschaft muss sich einer Studie zufolge auf Rohstoffkriege und schwere Marktturbulenzen einstellen, wenn sie bei der Nutzung der immer knapper werdenden Ressourcen nicht stärker zusammenarbeitet.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Rohstoffengpässe seien meist die Konsequenz eines Versagens der politischen Steuerung und nicht die Folge eines tatsächlichen physischen Mangels, heißt es in einem Bericht der Denkschmiede Transatlantic Academy, der am Mittwoch vorgestellt wurde.

Die Bedrohung sei heute größer als in den 70er Jahren, als sich die Debatte lediglich um die Endlichkeit von Ressourcen drehte. Heute verschärften der Klimawandel, der Aufstieg neuer politischer und wirtschaftlicher Großmächte und das Wachstum eines nach Konsum und Komfort strebenden Mittelstandes das Problem.

Mehrere konkurrierende Arten der Nutzung

Die transatlantische Gemeinschaft müsse die Führung übernehmen, um diese Herausforderungen anzugehen, fordern die Forscher der Transatlantic Academy. Andernfalls werde die beispiellose globale Nachfrage nach Land, Energie, Wasser, Lebensmitteln und mineralischen Rohstoffen wie Metallen, Industriemineralien, Steinen und Erden schwere Störungen der Märkte wahrscheinlicher machen.

Auch das Risiko gewaltsamer Konflikte auf staatlicher und lokaler Ebene an Brennpunkten vor allem in Asien, Afrika und Lateinamerika werde steigen. Zugleich stelle das Management von Ressourcen die Akteure vor immer komplexere Aufgaben, weil häufig mehrere Arten der Nutzung miteinander konkurrierten oder es zu Wechselwirkungen komme.

So könnten Lebensmittel gegessen oder als Biotreibstoff verbrannt werden. Die Wassergewinnung für ausufernde Megastädte konkurriere mit der Bewässerung in der Landwirtschaft. Auch mangelhafte Transparenz und illegaler Handel erschwerten ein effektives Management von Rohstoffen und erhöhten das Risiko hoher und volatiler Preise sowie abrupter Versorgungsengpässe.

Verstärkte Kooperation gefordert

Als ersten Schritt zu einem besseren Ressourcenmanagement weltweit fordern die Autoren der Studie die Europäische Union, die USA und Kanada auf, ihr eigenes Haus in Ordnung zu bringen und die Rohstoffeffizienz in weniger als 20 Jahren zu verdoppeln. Zudem müssten die Staaten beim Übergang zur erneuerbaren Energie zusammenarbeiten.

Sie müssten ihre Kräfte bündeln und Rohstoffen ihren korrekten Preis verleihen, indem sie nicht nachhaltige Subventionen kürzten und CO2-Emissionen verteuerten. Auch die Leitidee des westlichen Luxuslebens und des Wirtschaftswachstums, das sich auf einen immer stärkeren Ressourcenverbrauch gründe, müsse überdacht werden.

Zugleich müssten die Staaten die Lösung von Problemen auf globaler Ebene voranbringen, indem sie internationale Verträge ratifizierten und transatlantische und globale Institutionen reformierten. Außerdem appellierten die Autoren an die transatlantischen Staats- und Regierungschefs, ihre Interessen und Befürchtungen besser mit denen aufstrebender Schwellenländer und derjenigen Staaten abzugleichen, die kritische Rohstoffe exportieren. Namentlich hebt die Studie China und Indien hervor.

Link: