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„Angebote nicht akzeptabel“

Bis zuletzt haben Mitarbeiter der deutschen Drogeriemarktkette Schlecker und die Gewerkschaft ver.di auf eine Rettung in letzter Minute gewartet. Doch der Gläubigerausschuss sprach sich am Freitag für die Zerschlagung des Unternehmens aus. „Die Angebote waren nicht akzeptabel, weil sie deutlich unter einer Zerschlagung lagen“, sagte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz.

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„Ich bedaure diese Entscheidung im Hinblick auf die vielen, zum Teil langjährigen Schlecker-Mitarbeiter sehr, die jetzt ihren Arbeitsplatz verlieren“, so Geiwitz weiter. „Das Restrukturierungskonzept war sehr anspruchsvoll, aber grundsätzlich machbar.“ Der Gläubigerausschuss sehe „keine Perspektive für die wirtschaftlich vertretbare Fortführung von Schlecker oder die Veräußerung des Gesamtkonzerns an einen Investor“. Als potenzielle Investoren hatten Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen und der Finanzinvestor Cerberus gegolten.

Wie Freitagnachmittag bekanntwurde, war Berggruen bereits in der Nacht zuvor abgesprungen. Hauptgrund seien die rund 4.500 Kündigungsschutzklagen und das mediale Interesse an Schlecker gewesen. Das Cerberus-Angebot sei preislich nicht akzeptabel gewesen, so Geiwitz.

Frist ausgelaufen

Freitagvormittag war die letzte Frist der drei größten Gläubiger für eine Schlecker-Rettung ausgelaufen. Nicht gehört worden waren Appelle der Gewerkschaft, mehr Zeit für die Suche nach einem Investor aufzuwenden. Damit stehen nun rund 13.200 Mitarbeiter in Deutschland vor dem Aus. Ende März hatten bereits 11.000 Schlecker-Beschäftigte im Zuge der Insolvenz ihren Arbeitsplatz verloren. Für die Tochtergesellschaften IhrPlatz GmbH (490 Filialen, rund 3.990 Mitarbeiter) und Schlecker XL (342 Filialen, rund 1.110 Mitarbeiter) GmbH gebe es jedoch eine eigenständige Zukunft, hieß es weiter. Diese Mitarbeiter könnten vorerst ihren Job behalten, hieß es vonseiten der Insolvenzverwaltung.

Hohe Forderungen von Schlecker Österreich offen

Vor einer Woche hatten die drei größten Gläubiger den verbliebenen Investoren eine letzte Frist gegeben, ihre Angebote nachzubessern. Allein der Kreditversicherer Euler Hermes hat Forderungen um die 300 Millionen Euro. Auch Schlecker Österreich hat hohe Forderungen gegenüber der Konzernmutter, die aufgrund der Insolvenz eingefroren sind. Im Jahr 2010 beliefen sich diese Forderungen auf 169 Mio. Euro, in etwa so hoch war damals auch das Eigenkapital.

Grafik zum Unternehmen

APA/Walter Longauer

* Zahlen sind geschätzt

Die betroffenen Schlecker-Beschäftigten würden nun voraussichtlich bis Ende Juni ihre Kündigungen erhalten. Zugleich werde in den 2.800 Märkten der Ausverkauf gestartet. Auch die Gespräche über einen Verkauf der Auslandstöchter sollen fortgeführt werden, so Geiwitz. In Österreich sind 3.000 Mitarbeiter von einem Ende Schleckers betroffen. Offen ist noch, was die Situation konkret bedeutet.

Zuvor hatte es geheißen, dass ohne Gesamtinvestor und mit der Einstellung des Betriebs in Deutschland auch die Österreich-Tochter mit ihren rund 930 Filialen in die Insolvenzmasse fallen würde. Nun soll für die Österreich-Tochter und andere Auslandsgesellschaften ein Käufer gefunden werden, hieß es am Freitag in einer knappen Pressemitteilung. Die Töchter in Tschechien und Frankreich wurden bereits verkauft.

Abhängig von Schlecker Deutschland

Schlecker-Österreich-Anwalt Klaus Ferdinand Lughofer rechnet „nicht mit einer Insolvenz in den nächsten Wochen“. Die Abwicklung von Schlecker in Deutschland habe „keinen unmittelbaren Einfluss auf Schlecker Österreich“, sagte er Freitagnachmittag gegenüber der APA. Entscheidend sei nun, wie „treu die Kunden in den kommenden Wochen“ bleiben.

Es gebe bereits „seit geraumer Zeit“ Gespräche mit drei Investoren für die Österreich-Tochter, darunter seien Finanzinvestoren und ein Interessent aus Österreich. Seit kurzem erst gebe es „intensive Gespräche“, und eine Entscheidung sei „in den nächsten Wochen“ zu erwarten. Die Gespräche mit Investoren werden in der Branche aber bezweifelt. Aus der Handelswelt scheint niemand Interesse an dem Unternehmen zu haben. Am ehesten dürfte ein Käufer das Unternehmen filetieren und verwerten, wird erwartet.

Lughofer und das Management hatten immer wieder betont, dass Schlecker Österreich auch alleine überleben könne. Insolvenzexperten zweifeln aber daran. Die Abhängigkeit von Deutschland sei zu groß. Die entscheidende Frage sei, wie Österreich ohne Deutschland an Waren kommt. Abgesehen davon müssten IT und Lagerverwaltung, die derzeit über Deutschland laufen, selbst aufgestellt werden.

Angeblich Millionenverlust

Rein rechtlich ist Schlecker Österreich ein eigenständiges Unternehmen und derzeit nicht in Insolvenz. Um Zeit zu gewinnen und den Betrieb aufrechtzuerhalten, könnte Schlecker in Österreich separat in Insolvenz gehen. Wann das passieren könnte, darüber gehen die Meinungen allerdings auseinander. Unklar ist auch, wie die Zahlen in Österreich tatsächlich aussehen.

Bei einer Pressekonferenz im Februar war noch betont worden, dass man wie in den vergangenen Jahren auch heuer wieder schwarze Zahlen schreiben werde. Insidern zufolge soll sich aber in den vergangenen Monaten ein zweistelliger Millionenverlust angesammelt haben - bei einem Umsatz von zuletzt 300 Mio. Euro. Lughofer dementierte nun einen kolportierten Verlust von 25 Mio. Euro im laufenden Jahr. Die Kapitaldecke sei aber „relativ dünn“.

„Wie ein Schneeballsystem“

Wie „Handelsblatt“-Recherchen zeigen, schrieb Schlecker in Deutschland schon mehrere Jahre rote Zahlen. Demnach machten bereits 2008 4.000 der 10.000 deutschen Filialen Verluste. Zwischen 2005 und 2011 gab es ein Minus von 500 Mio. Euro. Nach dem Scheitern von Gesprächen mit Banken über eine neue Kapitalspritze brachte der damalige Finanzvorstand das Thema Insolvenz ins Spiel. Das Unternehmen lehnte ab und setzte stattdessen auf Expansion.

„Wenn wir ehrlich sind, dann funktionierten wir ab Mitte der 90er Jahre wie ein Schneeballsystem. Es ging nur weiter, weil wir es ständig erweiterten“, sagte eine langgediente Führungskraft im „Handelsblatt“-Interview. Die Expansion wurde auch dazu verwendet, die Einkaufsmacht des Unternehmens zu erhöhen und die Lieferanten als Bank zu nutzen. Schlecker hatte sich mit bis zu 90 Tagen die längsten Zahlungsfristen der Branche ausgehandelt.

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