Themenüberblick

Pleite, Pannen, schlechte Nachred

Deutlich geknickt angesichts des Ausscheidens aus dem Eurovision Song Contest in Baku haben sich nach ihrem Auftritt die Trackshittaz gezeigt - zumal sich Manuel Hoffelner während des Auftritts am Knie verletzt hat. Bitterböse internationale Pressestimmen dürften die Stimmung der Mühlviertler Rapper ebenfalls nicht heben.

Der Auftritt der Trackshittaz war nicht nur für Journalisten vor dem Fernsehschirm, sondern auch auf der Bühne von Schmerzen begleitet. Ein nicht operierter Kreuzbandriss ist durch eine falsche Bewegung wieder akut geworden: „Ich glaube, es ist passiert, als wir uns auf der Stange gedreht haben. Als ich nach vorne gegangen bin, hat es mir das Knie eingedrückt, und ich habe nicht mehr gescheit mittanzen können“, berichtete der Rapper, im Rollstuhl sitzend, den wartenden Journalisten. Nun müsse wohl die Operation folgen.

„Es rennt oft vieles nicht, wie man es gerne hätte. Was einen aber nicht umbringt, macht einen härter. Durch solche Sachen wird man stärker“, übte sich der 20-Jährige in Optimismus. Kollege Lukas Plöchl hat die Verletzung seines Freundes sofort bemerkt: „Ich habe gleich gewusst, dass etwas passiert sein muss.“ Das sei aber kein Fall für Panik, sondern zum Durchbeißen gewesen: „Panik ist für Luschis. Entweder man stellt sich auf diese Bühne oder man verzichtet. Und wir stellen uns drauf.“

Trackshittaz bei der Performace im Halbfinale des Song Contest

Reuters/David Mdzinarishvili

Eine grelle Show - in jeder Hinsicht

„Hat noch nicht sollen sein“

Grundsätzlich habe man alle Energie in das Projekt gesteckt: „Es hat noch nicht sollen sein. Aber wir holen uns früher oder später das, was uns zusteht - das spüre ich einfach.“ Nun müsse man auch mit einem Misserfolg leben lernen: „Bei uns ist es immer bergauf gegangen, und jetzt haben wir halt auch mal einen Niederschlag erlebt.“ Auch beim Fitnesstraining setze man schließlich Schmerzreize, damit der Muskel wachse.

Sie beide würden jedenfalls die Teilnahme am Song Contest nicht bereuen, so Plöchl. Schließlich gehe es darum, Chancen zu nützen. Irgendwann würde erkannt werden: „Dahinter steckt verdammte Arbeit - und Arbeit wird belohnt. Fertig.“ Ob er sich ein erneutes Antreten beim größten Musikevent der Welt vorstellen kann, weiß Plöchl noch nicht. Man wolle einfach holen, was einem zustehe: „Ob es den Song Contest dazu braucht, das wird sich noch herausstellen.“

Pressestimmen: „Für den Arsch“

Die internationale Presse hatte schon im Vorfeld über die Trackshittaz geätzt - nach ihrem Auftreten in Baku gab es für manche Medien jedoch kein Halten mehr. Allen voran echauffierte sich der Schweizer „Blick“: „Es ist wie bei ‚Wetten, dass..?‘: Für die österreichischen Kandidaten schämt man sich immer noch ein bisschen mehr als für die Schweizer. Trackshittaz party-rappen ‚Woki mit deim Popo‘. Inhalt? ‚Der Popo ist ein Teil von dir.‘ Der Beitrag ist für den Arsch.“

Ähnlich böse, wenn auch weniger explizit, gibt sich die deutsche „TAZ“: „Ausgeschieden sind die österreichischen Analerotiker von Trackshittaz. Ihr Titel ‚Woki mit deim Popo‘ erschloss sich nicht außerhalb ihrer Horizonte.“

Trackshittaz bei der Performace im Halbfinale des Song Contest

Reuters/David Mdzinarishvili

Der Tanz an der Stange - auch Lukas Plöchl muss ran

„Spiegel“: „Das Frauenbild im Jahr 2012“

Ähnlich der „Spiegel“: „(...) mehrere besonders hirnlose Beiträge schieden zum Glück aus. In ihrem tiefgründigen Selbsterfahrungslied ‚Woki mit deim Popo‘ verarbeiten sie in oberösterreichischem Dialekt offenbar den Besuch in einer Table-Dance-Bar, der erstaunliche Erkenntnisse mit sich gebracht haben muss (‚dein Popo hat Gefühle‘).“

Und weiter: „Für alle, die die Tiefe des Liedes nicht ganz erfasst haben, stehen drei Tänzerinnen mit auf der Bühne, die sich um Stangen winden und ihre blinkenden Popos (die Technik!) in die Kamera halten. Da hat man doch das gute Gefühl, dass nicht nur die Lichttechnik, sondern auch das Frauenbild im Jahr 2012 angekommen ist.“

Der britische „Guardian“ hingegen trauert: „Ein trauriges Goodbye geht an die österreichischen Gangsterrapper Trackshittaz, einfach, weil sie einen großartigen Namen haben und einen Song, in dem es offensichtlich um das Wackeln mit dem Hintern geht, der aber eher klingt, als ob sich Mozart dabei in seinem Grab umdrehen würde.“

Aufgestiegen, ausgestiegen

Des einen Freud, des andern Leid: Freuen dürfen sich im Gegensatz zu Österreich Rumänien, Moldawien, Island, Ungarn, Dänemark, Albanien, Zypern, Griechenland, Russland und Irland. Neben Österreich müssen auch Belgien, Finnland, Israel, Lettland, Montenegro, San Marino und die Schweiz die Heimreise antreten.

Für das Ergebnis zeichneten zu 50 Prozent die Anrufer und SMS-Schreiber des Abends verantwortlich, zu 50 Prozent das Votum einer Fachjury. Dieses wurde bereits am Montag gefällt, als die Teilnehmer die gesamte Show vor leidlich gefüllter Halle bereits einmal durchlaufen mussten. Moderiert wurde die farbenfrohe Übertragung charmant, aber weitgehend gagfrei von einem Trio, bestehend aus der einen Hälfte des Vorjahresgewinners, dem Sänger Eldar Gasimov, sowie seinen eleganten Begleiterinnen Nargiz Berk-Petersen und Leila Alijewa.

Links: