AGES deckt Listerienbefall auf
Vor zwei Jahren ist der Listerienskandal ans Licht der Öffentlichkeit gekommen: Acht Menschen starben in Österreich und Deutschland nach dem Konsum eines in Hartberg produzierten Quargels.
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11. Jänner 2010: Die steirische Landessanitätsdirektion und die Gesundheitslandesrätin erfahren nach Angaben der Landesrätin durch die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), dass es die Möglichkeit eines Listerienbefalls bei den Produkten der Firma Prolactal gibt. Am 13. und 18. Jänner werden Proben gezogen. Von zehn Teilproben sind sechs unter dem gesetzlichen Grenzwert befallen. Laut AGES wurde am 15. Jänner der epidemiologische und am 21. Jänner der mikrobiologische Nachweis erbracht, dass es sich um den Käse der Firma Prolactal handelt. Die steirischen Stellen wurden laut AGES mit Sicherheit nicht bereits am 11. Jänner informiert.
22. Jänner 2010: Die Landessanitätsdirektion erlässt wegen Gefahr im Verzug einen mündlichen Bescheid, laut dem die Firma keine Produkte mehr in den Verkehr bringen darf. Der schriftliche Bescheid erfolgt am 25. Jänner.
23. Jänner 2010: Prolactal startet eine Rückholaktion von 50 bis 60 Tonnen Käse. Betroffen sind unter anderem österreichische Märkte von Spar und der REWE-Gruppe sowie deutsche Lidl-Filialen.
15. Februar 2010: Es wird bekannt, dass 2009 zwölf Menschen in Österreich an dem im Käse gefundenen Listerientypus erkrankt sein sollen. Laut Gesundheitsministerium starben vier der Betroffenen. Auch in Deutschland werden zwei Todesfälle auf den Käse zurückgeführt. 2010 können in Österreich drei von elf Erkrankungen dem Bakterientypus zugeordnet werden.
16. Februar 2010: Prolactal stellt die Produktion ein, bis die Ursachen für die Verunreinigung restlos geklärt sind. Laut Gesundheitsministerium handelt es sich bei dem Listerientypus um einen Stamm, der noch nie zuvor eine Erkrankung bei Menschen hervorgerufen hat. Bei zwei Überprüfungen von Prolactal im Jänner und Mai 2009 waren keine Überschreitungen von Listeriengrenzwerten festgestellt worden.
18. Februar 2010: Die Grazer Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen ein und beauftragt die Polizei mit Erhebungen. Prolactal erneuert die Verbraucherwarnung für den rückgerufenen Käse und warnt vor dem Verzehr. Gleichzeitig beauftragt die Firma ein unabhängiges Expertenteam mit der Ursachenerforschung.
24. Februar 2010: Ein weiterer Todesfall in Österreich - der fünfte seit Ausbruch der Infektionen - wird bekannt: Ein 57-jähriger Niederösterreich erkrankte zu Weihnachten 2009 und starb zwei Tage später im Krankenhaus. Um eine großangelegte Sicherheitskontrolle durchzuführen, stoppt das Hartberger Werk von Prolactal die Auslieferung sämtlicher Produkte.
26. Februar 2010: Auch in Deutschland ist ein weiteres Todesopfer, das insgesamt dritte, zu beklagen: Die Person stirbt nach einem Verzehr des Käses am 11. Februar. Insgesamt könnten somit acht Menschen im In- und Ausland aufgrund der Listerienbelastung in Prolactal-Produkten ums Leben gekommen sein.
28. Februar 2010: Ein Fehler im internen Warn- und Kontrollsystem wird als Ursache für die Listerienkontamination vermutet. Als Überträger werden Dungkäfer angenommen, die offenbar trotz engmaschiger Fliegengitter durch ein geöffnetes Fenster ins Innere gelangten und im Herbst 2009 auffielen.
1. März 2010: Laut AGES könnten die ersten Verunreinigungen mit Listerien bereits im Frühjahr 2009 passiert sein. Weiters heißt es, dass Dungkäfer nicht der alleinige Auslöser gewesen sein dürften.
23. April 2010: Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) fordert für 13 Geschädigte Schadenersatz, später schließt sich ein weiterer Betroffener an. Sollte eine außergerichtliche Einigung fehlschlagen, wird eine Klage angedroht.
15. Mai 2010: Die Staatsanwaltschaft Heilbronn leitet Ermittlungen gegen den Diskonter Lidl in Deutschland ein. Käse soll trotz Listerienbelastung verkauft worden sein.
21. Mai 2010: Prolactal wird gemeinsam mit dem Stuttgarter Verbraucherschutzministerium in Deutschland angezeigt.
Oktober 2010: Die Staatsanwaltschaft Graz spricht nach einem eingeholten Gutachten von „Fehlern im Qualitätsmanagement“ und „mehreren Nachlässigkeiten“. Eine ergänzende Expertise wird in Auftrag gegeben.
9. November 2010: Die Prolactal SauermilchkäsevertriebsgmbH wird vom Linzer Stammbetrieb abgespalten.
9. Dezember 2010: Der VKI reicht im Namen von acht Geschädigten eine Sammelklage gegen Prolactal ein.
1. Juni 2011: Es wird bekannt, dass der VKI für acht geschädigte Personen Schadenersatzansprüche in Höhe von 76.000 Euro geltend gemacht hat. Über den Inhalt des Vergleichs werden keine Angaben gemacht. Die Geschädigten haben den Vergleich angenommen, hieß es.
2. Mai 2012: Ein medizinisches Gutachten macht den Listerien-Quargel mitverantwortlich für sieben Todesfälle.
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