Einschnitte in Stromsparte geplant
Siemens verwirft seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr. Statt 6,0 Mrd. Euro erwartet Europas größter Elektrokonzern nur noch 5,2 bis 5,4 Mrd. Euro Gewinn aus fortgeführtem Geschäft. Die Probleme bei der Anbindung von Nordsee-Windparks ans deutsche Stromnetz und die Sanierung der Telefonnetztochter Nokia Siemens Networks ließen den Gewinn im zweiten Quartal um zwei Drittel einbrechen.
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Der Vorstandschef von Siemens, der gebürtige Österreicher Peter Löscher, sagte am Mittwoch in München: „Das zweite Quartal war wie erwartet nicht einfach.“ Der Umsatz legte zwar in allen Regionen und Sektoren kräftig zu, hier schaffte Siemens ein Plus von neun Prozent auf 19,3 Mrd. Euro. Aber „das Quartalsergebnis lag wegen erneuter Belastungen bei den Energieübertragungsprojekten in Deutschland unter unseren Erwartungen“, sagte Löscher. Trotz der höheren Umsätze brach der Gewinn im zweiten Quartal auf 1,0 Mrd. Euro ein.
Komplexität der Projekte „komplett unterschätzt“
Die Anbindung der Windparks vor Helgoland und Borkum ans Stromnetz auf dem Festland liegt bis zu ein Jahr hinter dem Zeitplan zurück. Die Trafoplattform und die 240 Windräder vor Borkum hätten schon dieses Jahr bis September ins Meer gebaut werden sollen. Ab nächstem Jahr hätte Borwin 2 dann sauberen Strom für 1,5 Millionen Haushalte im Emsland ins deutsche Stromnetz einspeisen sollen. Wegen technischer Probleme werden die Anlagen aber erst ein Jahr später fertig, wie Löscher sagte.

APA/dpa/Ingo Wagner
Ein Versorgungsschiff durchfährt den ersten deutschen Nordsee-Windpark
Dimensionen als Herausforderung auch für Behörden
„Es gab klare Fehler bei uns im Hause“, sagte Löscher. „Komplett unterschätzt haben wir die Komplexität dieser Projekte.“ Die Windkraftplattformen seien fünfmal weiter vom Festland entfernt, doppelt so leistungsfähig und fünfmal so schwer wie die bisher vor den Küsten von Großbritannien errichteten Plattformen, betonte Löscher. Witterungsbedingungen und komplexe Genehmigungsprozesse erschwerten die Projekte zusätzlich. Auch die Behörden stießen dabei in neue Bereiche vor. „Es ist zum Beispiel immer noch nicht abschließend geklärt, ob bei Plattformen dieser Größe Regularien für Schiffe oder Ölplattformen anzuwenden sind.“
Durch die Verzögerung muss Siemens Vertragsstrafen an den Netzbetreiber zahlen und außerdem zusätzliches Personal einstellen, um den Rückstand nicht noch größer werden zu lassen. Im zweiten Quartal summierten sich die Belastungen auf 278 Mio. Euro, sie überstiegen damit noch die 203 Mio. Euro des ersten Quartals.
Noch größer war der Verlust, den Siemens im zweiten Quartal mit dem angeschlagenen Telefonnetz-Joint-Venture Nokia Siemens Networks (NSN) machte: Die Sanierung schlug mit 640 Mio. Euro zu Buche. Allerdings hatte Finanzvorstand Joe Kaeser eine solche Größenordnung schon lange angekündigt, sie war schon in der Jahresprognose eingerechnet gewesen.
Deutlicher Rückgang von Aufträgen
Überraschend stark ging im zweiten Quartal die Nachfrage zurück. Der Auftragseingang fiel um 13 Prozent auf 19,9 Mrd. Euro und blieb damit deutlich unter dem Umsatz. Siemens erklärte das mit Großaufträgen für Kraftwerke im Vorjahresquartal. Für das zweite Halbjahr ist Siemens aber optimistisch: „Wir erwarten im zweiten Halbjahr eine Belebung des Auftragseingangs“, sagte Kaeser am Mittwoch in München in einer Telefonkonferenz. „Es gibt eine Reihe von Großprojekten, die schon verhandelt, aber noch nicht gebucht sind“, unter anderem aus China.
Beim Gewinneinbruch ist zu berücksichtigen, dass im Vorjahr der Verkauf der Beteiligung am Atomkraftwerkskonzern Areva 1,5 Mrd. Euro Gewinn beisteuerte. Dem restlichen Rückgang machten nun vor allem die Lasten aus dem Nordsee-Windgeschäft und bei NSN aus sowie Zahlungen in Höhe von 142 Mio. Euro für den Abschluss eines alten Korruptionsskandals in Griechenland. Unter dem Strich brach der Gewinn nach Steuern im zweiten Quartal von 2,8 auf 1,0 Mrd. Euro ein.
Harte Konkurrenz aus Asien
Siemens stellt wegen des harten Konkurrenzkampfs Einschnitte in seiner Stromübertragungssparte in Aussicht. „Durch aggressive Wettbewerber aus Asien steht der Markt inzwischen unter hohem Preisdruck. Um unsere starke Position in diesem Geschäft für die Zukunft abzusichern, werden wir konsequent und zügig durchgreifen, wo wir strukturelle Herausforderungen sehen“, sagte Löscher. Vor allem südkoreanische Rivalen wie Hyundai Heavy Industries machen Siemens zu schaffen.
Seinen Optimismus vom Geschäftsjahresbeginn, wonach der Weltkonjunktur ab dem Sommer eine Belebung bevorsteht, hat Löscher außerdem weitgehend verloren: „Unser weltwirtschaftliches Umfeld ist weiterhin gedämpft.“
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