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230 Millionen Euro für Alleinherrschaft

Die Familie Benetton, Eigentümerin des gleichnamigen Modekonzerns, steht vor dem Delisting und dem Rückkauf seiner Aktien an der Mailänder Börse, um das Unternehmen tiefgreifend zu erneuern. Damit setzt der Eigentümerclan alles auf eine Karte, um das Ruder in dem kriselnden Konzern herumzureißen.

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Mit dem Rückkauf der gesamten Anteile von Minderheitsaktionären soll das Management freie Hand bei entscheidenden Beschlüssen für die Zukunft des Konzerns erhalten, teilte die Modegruppe mit. Das Unternehmen stehe vor neuen Herausforderungen aufgrund der schwächeren Nachfrage auf dem Heimmarkt Italien und wegen der gestiegenen Rohstoffkosten. Es gilt, 33 Prozent des Unternehmens, die nicht im Besitz der Familienholding Edizione stehen, aufzukaufen.

Zahlen immer schlechter

Der Wert der aufzukaufenden Aktien wird auf rund 230 Millionen Euro geschätzt. Die Wiedererlangung der völligen Kontrolle über die Firma kommt dem Benetton-Clan damit nicht allzu teuer: Sie entspricht der Dividenden-Ausschüttung von etwa drei Jahren, wie die Zeitung „La Reppublica“ vorrechnete. Seit 25 Jahren war der Konzern aus dem norditalienischen Ponzano Veneto an der Mailänder Börse notiert, ihr Wert brach innerhalb der letzten fünf Jahre aber auf ein Drittel des Werts ein.

Für das vergangene Jahr rechnet Benetton nun noch mit einem Nettogewinn von knapp über 70 Millionen Euro nach 102 Millionen Euro im Vorjahr. Auch die Aussichten für das laufende Jahr werden wegen des Konsumrückgangs in Italien eher skeptisch eingeschätzt. Benetton betreibt zwar rund 6.400 Geschäfte in aller Welt, hängt aber vor allem vom Erfolg auf seinem Heimatmarkt ab. Zusätzlich macht das Franchise-Modell, auf das Benetton großteils setzt, die Firma nur schwer steuerbar.

Gerüchte über abgewehrten Inditex-Einstieg

Benettons Aufsichtsrat ernannte die Investmentbank Morgan Stanley zum Advisor der Operation. Rund um den überraschend Anfang Februar bekanntgegebenen Schritt hielten sich jedoch weiter Vermutungen, der Benetton-Clan habe noch andere Motive für die Rückkaufaktion als bloß die Rückerlangung kompletter Kontrolle über den Konzern. Händler verwiesen etwa auf Gerüchte, laut denen der größere spanische Rivale Inditex bei Benetton einsteigen will. Der Bericht wurde jedoch umgehend vom Modekonzern dementiert.

Zudem kam es im Vorfeld der Ankündigung zu rätselhaften Kursanstiegen bei der Benetton-Aktie, mit dem sich bereits die Mailänder Börsenaufsichtsbehörde Consob beschäftigt. Am Tag vor der Bekanntgabe der Rückkaufaktion hatten die Benetton-Aktien ein Plus von 13,3 Prozent verzeichnet. Vor der Aussetzung vom Handel kletterte das Papier um weitere neun Prozent. Es besteht der Verdacht auf Insidertrading.

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