Europa macht Autokonzernen Sorgen
Europa ist für die erfolgsverwöhnten Autobauer in diesem Jahr ein Sorgenkind. Die Schuldenkrise, trübe Aussichten und eine drohende Rezession in der Euro-Zone überschatten den Genfer Autosalon, der in der kommenden Woche seine Tore öffnet. Zwar haben einige Hersteller dank Rekordzahlen Grund zu feiern, doch der Druck, Kooperationen einzugehen, wächst weiter.
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„Beim Blick in die Zukunft kann hingegen von eitel Sonnenschein längst nicht die Rede sein“, sagte Audi-Chef Rupert Stadler vor wenigen Tagen bei der Vorlage seiner Rekordbilanz 2011.
Überschaubare Sorgen
Dabei sind die Sorgen der Nobelmarken noch vergleichsweise überschaubar, die Nachfrage nach großen und teuren Schlitten ist ungebrochen - vor allem in China und Nordamerika. Auf dem Heimatkontinent sieht es allerdings anders aus. Nur die betuchten Kunden in anderen Teilen der Welt werden nach Ansicht von Experten dafür sorgen, dass auch 2012 ein ganz gutes Autojahr wird. Härter dürfte es die Volumenhersteller treffen. Und dort vor allem die, die außerhalb Europas keine oder kaum Geschäfte machen, wie etwa Opel.
Auch die Kooperation, die die Opel-Mutter GM mit der französischen PSA-Gruppe (Peugeot, Citroën) jüngst verkündete, ist wohl keine Allianz der Stärke, sondern eher der Versuch, drängende Probleme der Konzerne gemeinsam zu lösen. Vor allem für Opel möglicherweise die letzte Chance. Die Rüsselsheimer verbrennen seit Jahren Geld, sind stark vom europäischen Markt abhängig. Der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer etwa rechnet damit, dass die Zahl der verkauften Autos in Europa 2012 um 4,6 Prozent auf rund 13 Millionen sinken wird.
Stoff für Gespräche in Genf
Ähnliche Probleme wie Opel hat PSA. Dank gemeinsamer Entwicklung von Autos und gemeinsamen Einkaufs von Teilen und Rohstoffen sollen künftig Milliarden gespart werden. Die Allianz dürfte auf dem Genfer Autosalon ein heißes Gesprächsthema sein.
Zumal in der Branche die Zeichen ohnehin auf Kooperation stehen. Es gibt kaum Hersteller, die nicht mit anderen zusammenarbeiten, auch über Konkurrenzgrenzen hinweg. Und nur wer die richtigen Entscheidungen trifft, wird den scharfen Wettbewerb am Ende für sich entscheiden, zumal in Asien in den kommenden Jahren neue, ernsthafte Rivalen heranwachsen.
Hoffnung Asien
Global sieht es für die Autohersteller derzeit aber noch prächtig aus. Dank ordentlich steigender Absatzzahlen vor allem in Asien und den USA rechnen Experten weltweit mit einem Plus von etwa drei, vier Prozent. Allen Debatten um die Energiewende hierzulande zum Trotz wird ein Großteil des Wachstums auf das Konto von großen, schweren Limousinen, Sportwagen und Luxuskarossen gehen.
Doch auch in den Metropolen Asiens wird der Platz knapp und die Luft schlecht. Auch deshalb wagen sich die Nobelmarken zunehmend in den Markt für Kleinwagen vor. Noch haben BMW, Audi und Daimler vor allem Kunden im Blick, die einen kleinen Flitzer als Zweit- oder Drittwagen suchen.
Wie umgehen mit ungebundenen Jungen?
Im Visier sind aber auch junge Käufer, die früh an die Marke gebunden werden sollen, deren Gehalt aber noch nicht für einen „dicken“ BMW oder Mercedes-Benz reicht. Daimler präsentiert in Genf etwa seine neue A-Klasse, in die Konzernchef Dieter Zetsche große Hoffnungen steckt.
Der kleinste Mercedes soll den Konkurrenten BMW und Audi im Rennen um die Spitze im Nobelsegment Kunden abjagen. Doch das Geschäft mit Kompaktwagen ist hart umkämpft. Nicht nur VW ist dank seiner kostengünstigen Mehrmarkenstrategie ein harter Konkurrent. Bei BWM gehört die 1er-Baureihe längst zu den wichtigen Modellen, und der Mini ist ein Verkaufshit. Die VW-Tochter Audi stellt in Genf den neuen A3 vor und ist in dem Segment außerdem mit dem A1 unterwegs.
Elektro-Hype nimmt ab
Um das Elektroauto ist es nach dem Hype der vergangenen Jahre dagegen etwas ruhiger geworden. „Es hat nach der großen Euphorie eine gewisse Ernüchterung gegeben“, sagt Experte Willi Diez. Vielen Autofahrern seien E-Autos schlicht zu teuer. Bisher sind vor allem ausländische Hersteller damit auf dem Markt. Als erster deutscher Autobauer liefert Opel seit wenigen Tagen sein Elektroauto Ampera an die Kunden aus. Kostenpunkt: Mindestens 42.900 Euro. „Genf gibt das Signal, dass der große Aufbruch in die Elektromobilität eine Pause einlegt“, schreibt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer in einer Studie: „Die Autoindustrie fährt wieder traditionell.“
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