Ende für Europas größte Kreuzfahrtlinie?
Nach der Unglücksserie auf „Costa“-Schiffen könnte die Marke vom Markt verschwinden. Costa ist eine Tochtergesellschaft des US-Kreuzfahrtriesen Carnival - und angeblich hat die Mutter langsam genug von den Problemen bei der italienischen Kreuzfahrtgesellschaft. Deren Geschäftsführer Pierluigi Foschi wollte das nicht bestreiten.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
„Unsere Gesellschaft ist solide, es gibt von diesem Standpunkt keine Gefahr“, versicherte Foschi zuletzt gegenüber der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“. Dass Carnival die Marke Costa schon bald in „Carnival Cruise Line Italia“ umwandeln wolle, dementierte Foschi, räumte jedoch zugleich ein: „Wir wollen hart arbeiten, um die Marke Costa zu retten.“
Genuas Bürgermeisterin mit Solidaritätsappell
Auch die Stadt Genua, Hauptquartier von Costa, bangt um die Zukunft der Kreuzfahrtgesellschaft, die 20.000 Personen beschäftigt und einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro generiert. In der Genueser Ortschaft Sestri Levante wurden die neuesten Costa-Schiffe gebaut. Genuas Bürgermeisterin Marta Vincenzi erklärte sich mit der Reederei solidarisch. Costa sei eine große italienische Gesellschaft, die das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückgewinnen werde.
Costa Crociere begann 1854 als Handelsunternehmen für Stoffe und Olivenöl und wurde vom Unternehmer Giacomo Costa gegründet. Sein erstes Passagierschiff, die „Anna C.“, startete 1948 einen Linienverkehr zwischen Europa und Südamerika. In den 1950er Jahren wurden die Reisepausen zu ersten Kreuzfahrten genutzt. Seit 2003 ist die Reederei eine Tochtergesellschaft des US-Riesen Carnival.
Millionenforderungen durch klagende Passagiere
Die Lage für Costa ist jedenfalls ernst: Laut dem italienischen Tourismusverband ASTOI ging die Reservierung von Kreuzfahrten nach dem Unglück der „Costa Concordia“ um 30 Prozent zurück. Das Unternehmen aus Genua muss infolge des Unglücks der „Costa Concordia“ mit einer verringerten Bettenkapazität von 4.000 Plätzen an Bord auskommen. Noch unklar ist, wie lange die havarierte „Costa Allegra“ ausfallen wird.
Vor allem die Gefahr millionenschwerer Sammelklagen in den USA belastet die Zukunft von Costa Crociere, die einen Jahresumsatz von 2,5 Milliarden Euro meldet. Rekordentschädigungen in Höhe von 1,5 Millionen Euro verspricht der US-Topanwalt John Arthur Eaves jedem Passagier der „Costa Concordia“. Der Rechtsanwalt will sowohl in Italien als auch in den USA vorgehen, um die Entschädigungen zu erhalten, da der Mutterkonzern eben der US-Konzern Carnival ist.
Enormer Imageschaden
Eine Gruppe von 39 Passagieren der „Costa Concordia“ hat bereits auf mehr als eine halbe Milliarde Dollar Schadenersatz geklagt. Die Kläger werfen Carnival vor, ihr Wohlergehen „vollständig missachtet“ zu haben. Die 39 Passagiere verlangen Schadenersatzzahlungen im Gesamtumfang von 528 Millionen Dollar (rund 400 Mio. Euro). Die Klagen erfolgen in Miami im US-Bundesstaat Florida,wo Carnival seinen Sitz hat.
Seit Jahren ragen die Wachstumskurven des Kreuzfahrtmarkts steil nach oben. Mit Wachstumsraten von rund 20 Prozent in den vergangenen Jahren blickten Kreuzfahrtgesellschaften bisher auf andere Tourismusbereiche herab, die unter der unsicheren Konjunktur leiden. Doch der Schiffbruch der „Costa Concordia“ mit 25 Toten und sieben offiziell Vermissten vor der Küste der Toskana und die Havarie der „Costa Allegra“ drohen der Kreuzfahrtbranche einen dramatischen Schlag zu versetzen. Die Imageschäden sind enorm.
Marktbeherrschende US-Firma
Die Reederei Costa Crociere ist einer der ältesten europäischen Kreuzfahrtanbieter und mit einer Bettenkapazität von 36.500 der größte europäische Anbieter. Der Marktanteil des Mutterkonzerns Carnival beträgt mehr als 50 Prozent. Mit der „Costa Concordia“ hatte das Unternehmen bisher eine Flotte von 15 Kreuzfahrtschiffen mit einer Kapazität für etwa 40.800 Passagiere. 5,5 Milliarden Euro sind seit dem Jahr 2000 in Neubauten geflossen.
Bis Mai sollen bei Costa Crociere zwei neue Schiffe, die „Costa Neoromantica“ und die „Costa Fascinosa“, eingesetzt werden. Ein weiteres Schiff soll 2014 dazukommen. Von den 20.000 Mitarbeitern arbeiten etwa 18.000 an Bord. Zur Costa Crociere gehören auch Aida Kreuzfahrten (Deutschland) und die spanische Iberocruceros. Gemeinsam verfügen sie über 26 Schiffe, vier weitere seien im Bau. Insgesamt nehmen die über 100 Schiffe unter dem Carnival-Dach pro Jahr über acht Millionen Gäste auf.
Links: