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Rettungsboote wurden bereitgemacht

Nach einem Brand und drei Tagen ohne Strom - und damit ohne sanitäre Einrichtungen, warmes Essen und Luftzufuhr für die Kabinen - haben die Passagiere der havarierten „Costa Allegra“ am Donnerstag den Seychellen-Hafen von Mahe erreicht. Neben Schilderungen der Strapazen an Bord wurde aus Aussagen der Passagiere klar, dass das Unglück bedrohliche Dimensionen hatte.

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„Die Toiletten sind übergangen, es gab keinen Strom. Es war sehr heiß“, sagte etwa eine Touristin aus den USA. Ihr Ehemann erzählte, man habe drei Tage lang nur belegte Brote gegessen und die Matratzen an Deck geschleppt, da der Aufenthalt in den Kabinen de facto unmöglich gewesen sei. „Es hätte schlimmer kommen können. Es hätte in einer Katastrophe enden können. Wir sind hier und wir sind am Leben“, resümierte der 72-Jährige.

Österreicher berichtet von Panik an Bord

Am Montag war im Maschinenraum Feuer ausgebrochen, alle Maschinen und die Stromversorgung fielen aus. Ein deutscher Passagier sagte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, er habe „schnell gemerkt, dass das kein kleiner Schaden war“. Das Schiff habe sich nach Backbord geneigt. „Es ging überhaupt nichts mehr.“ Die Rettungsboote seien bereitgemacht worden, berichteten mehrere Passagiere.

Passagiere der "Costa Allegra"

AP/Gregorio Borgia

Die Passagiere warten darauf, das Schiff verlassen zu können

„Wir waren alle schon bereit, in die Rettungsboote zu gehen“, sagte ein weiterer Passagier. Der Österreicher Thomas Foaller berichtete von Panik unter den Passagieren. Voneinander getrennte Paare hätten verzweifelt nacheinander gesucht. Zum Unterschied vom Unglück auf der „Costa Concordia“ lobten die meisten Passagiere die Besatzung des Schiffs.

Verängstigt, schmutzig, müde

Crew und Kapitän hätten umsichtig gehandelt, so der einhellige Tenor der Passagiere. Die Bedingungen an Bord während der drei Tage trugen die meisten mit Fassung. Foaller sagte, es sei vor allem „ruhig“ gewesen. Nachdem das Feuer gelöscht gewesen sei, „war es einfach nur langweilig“. Ein anderer Passagier sagte hingegen, er habe die ganze Zeit Angst vor Piratenangriffen gehabt und fühle sich nun vor allem schmutzig und müde.Vor allem die zahlreichen betagten Gäste auf dem Schiff schienen von den Strapazen der letzten Tage gezeichnet.

Im Schlepptau mehrerer Schiffe

Die havarierte „Costa Allegra“ war Donnerstagfrüh im Schlepptau mehrerer Schiffe bei Mahe angekommen. Das Andockmanöver brauchte wegen der Manövrierunfähigkeit des Schiffs mehrere Stunden. Erst gegen Mittag konnten die ersten Passagiere an Land gehen. Neben Diplomaten mehrerer Länder hatten sich auch zahlreiche Medienvertreter im Hafen eingefunden. Die Kreuzfahrtreederei Costa hatte im Vorfeld dafür gesorgt, dass die Landung der Passagiere im Eiltempo vor sich ging - wohl auch im eigenen Interesse.

Kreuzfahrtschiff "Costa Allegra"

Reuters/Ahmed Jadallah

Die „Costa Allegra“ vor dem Hafen von Mahe

Durch eine straff organisierte Betreuung der 636 Passagiere aus 25 Ländern sollten diese wohl auch möglichst wenig Gelegenheit bekommen, mit Medienvertretern zu reden und dem Unternehmen so ein PR-Desaster zu bescheren. Das Gepäck der Passagiere etwa war schon von Schiffen abgeholt worden, die der „Costa Allegra“ entgegengefahren waren. Hunderte Koffer waren am Hafenkai aufgereiht. Busse warteten mit laufenden Motoren auf die Passagiere. Auch Rettungswagen und medizinische Betreuer waren bereits vor der Landung im Hafen in Stellung gebracht.

Gepäck der Passagiere

AP/Gregorio Borgia

Suche nach dem eigenen Gepäck

Schon am Mittwoch hatte die Reederei Mitarbeiter an Bord gebracht, die den Passagieren angeboten hatten, entweder sofort nach der Ankunft auf den Seychellen nach Rom ausgeflogen zu werden oder auf Kosten des Unternehmens einen Luxusurlaub auf den Seychellen zu verbringen. Die 26-Tage-Seereise sollte eigentlich von Mauritius über Madagaskar durch den Sueskanal bis Savona in Italien führen.

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