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Knappes Rennen „The Artist“ - „Hugo“

„The Artist“ von Michel Hazanavicius ist bei der 84. Oscar-Verleihung in Los Angeles zum besten Film gekürt worden. Der französisch finanzierte, aber in Hollywood gedrehte Schwarz-Weiß-Streifen kam damit am Ende des Abends auf fünf Trophäen. Es ist 83 Jahre her, dass zuletzt ein Stummfilm mit dem wichtigsten Oscar prämiert wurde.

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Neben der Trophäe für den besten Film gab es Auszeichnungen für Regisseur Michel Hazanavicius, Hauptdarsteller Jean Dujardin und für das beste Kostüm und die beste Filmmusik. Der Film hatte bereits im Vorfeld mit zehn Nominierungen als einer der großen Favoriten der Nacht gegolten. Der 39-jährige Dujardin gewann als erster Franzose überhaupt den Oscar als bester Schauspieler. „Wow, das ist genial, merci, formidable!“, bedankte er sich für die Auszeichnung.

Regisseur Michel Hazanavicius mit Oscar

AP/Mark J. Terrill

Michel Hazanavicius: Oscar als bester Regisseur für „The Artist“

Nur Martin Scorseses „Hugo Cabret“ war mit elf Nominierungen nominell höher eingestuft worden. Gleich die ersten beiden Oscars des Abends gingen an den Film - jene für die beste Kamera und das beste Szenenbild. Dann kamen jene in den Kategorien „Bester Tonschnitt“, „Bester Ton“ und „Beste visuelle Effekte“ dazu. Am Ende waren es wie bei „The Artist“ fünf Preise.

„Beste Hauptdarstellerin“: Meryl Streep

Meryl Streep wurde als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet - es ist ihr dritter Oscar. Sie überzeugte mit ihrer Rolle als Margaret Thatcher in „Die Eiserne Lady“. In ihrer launigen Rede meinte sie, dass sich wohl viele jetzt denken würden: „Nicht schon wieder!“ Ihre Antwort darauf: „Whatever ...“ Zunächst gefasst, war sie am Ende ihrer Ansprache doch zu Tränen gerührt.

Schauspielerin Meryl Streep

Reuters/Gary Hershorn

Meryl Streep: die beste Hauptdarstellerin, zu Tränen gerührt

Oscar für 82-jährigen Plummer

Den Oscar in der Kategorie „Beste Nebendarstellerin“ ging an Octavia Spencer für ihre Rolle in „The Help“. Sie war auch die erste Schauspielerin des Abends, die in Tränen ausbrach: „Sorry guys, I’m freaking out.“ Sie galt als Favoritin. Der 82-jährige Christopher Plummer erhielt die Trophäe als bester Nebendarsteller und ist damit der ältete Schauspieler, der jemals einen Oscar gewonnen hat. Auch er war sichtlich und hörbar bewegt und vor Nervosität außer Atem. Er bedankte sich bei seiner Frau, die, so Plummer, den Friedensnobelpreis dafür verdiene, ihn jeden Tag aufs Neue zu retten.

Bewegende Ansprache von Asghar Farhadi

Als bester nicht englischsprachiger Film wurde „Nader und Simin - Eine Trennung“ mit einem Oscar prämiert. Regisseur Asghar Farhadi widmete seinen Preis dem iranischen Volk, das unter Einschüchterung und Aggression zu leiden habe. Mit Blick auf den eskalierenden Atomstreit zwischen Teheran und dem Westen seien die Iraner „ein Volk, das alle Kulturen und Zivilisationen respektiert und Feindseligkeit und Ressentiments verachtet“, so der Filmemacher.

TV-Hinweis

„Kultur.montag“ zeigt am Montag um 23.15 Uhr in ORF2 die Highlights der Oscar-Gala - mehr dazu in tv.ORF.at.

Als bester Dokumentarfilm wurde „Undefeated“ ausgezeichnet, der deutsche 3-D-Beitrag „Pina“ von Wim Wenders ging damit ebenso leer aus wie der von der Wiener Firma Sabotage Filmproduktion koproduzierte Film „Hell and Back Again“. Den Oscar für den besten Animationsfilm sicherte sich „Rango“ von Gore Verbinski.

George Clooney und Stacy Keibler

APA/EPA/Mike Nelson

George Clooney („The Descendants“) ging leer aus

Glanz, Glamour und Humor

Die Gala im Hollywood & Highland Centre stand unter dem Motto „Die Gegenwart feiern und auf die glorreiche Vergangenheit zurückschauen“. Billy Crystal leitete die Show mit einem gesungenen Medley ein und präsentierte sich als souveräner und humorvoller Gastgeber. Auf dem roten Teppich hatte sich zuvor der als bester Hauptdarsteller nominierte Hollywood-Beau George Clooney anlässlich der Favoritenrolle von „The Artist“ überzeugt gegeben, dass es wohl „eine französische Nacht“ werden würde.

Dujardin, der „französische Clooney“ und Hauptdarsteller aus „The Artist“, tänzelte seine Aufregung auf dem roten Teppich im charmanten Stil seines stummen Filmcharakters George Valentin einfach weg - und lobte Los Angeles für „seine Energie, seine Lichter, die amerikanischen Gesichter - und Zimtschnecken“.

Sacha Baron Cohens schriller Aktionismus

Als Diktator verkleidet brachte der britische Komiker Sacha Baron Cohen das Schaulaufen der Oscar-Stars auf dem roten Teppich durcheinander. Der Star des Films „Borat“ erschien am Sonntag (Ortszeit) in der Fantasieuniform aus seinem neuen Streifen „Der Diktator“ zu der Verleihung der begehrten Filmpreise in Los Angeles. In den Händen trug er eine Urne mit dem Bild des verstorbenen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il. Den Inhalt, ein aschefarbenes Pulver, verstreute Baron Cohen auf dem roten Teppich - und auf dem Anzug von TV-Moderator Ryan Seacrest, der ihn interviewte.

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